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scheinen

GrammatikVerb · scheint, schien, hat geschienen
Aussprache 
Worttrennung schei | nen
GrundformSchein
Wortbildung  mit ›scheinen‹ als Erstglied: scheinbar · Scheinrechnung  ·  mit ›scheinen‹ als Letztglied: anscheinen · aufscheinen · bescheinen · durchscheinen · erscheinen · herabscheinen · hereinscheinen · hindurchscheinen · hineinscheinen · überscheinen · widerscheinen
 ·  mit ›scheinen‹ als Binnenglied: fadenscheinig · wahrscheinlich

Bedeutungen

eWDG
eWDG
1.
Licht ausstrahlen, Helligkeit verbreiten
Beispiele:
die Sonne scheint hell, warm, golden
der Mond scheint mild, silbern
die Laterne hat ins Fenster geschienen
die Taschenlampe in alle Winkel und Ecken scheinen lassen
ein sehr hell scheinender Stern
Es schienen so golden die Sterne [ Eichendorff1,30]
Licht widerstrahlen, schimmern, glänzen
Beispiele:
das blanke Metall schien in der Sonne, im Licht der Scheinwerfer
Es scheinen die alten Weiden so grau [ GoetheErlkönig]
2.
jmd., etw. scheint (jmdm.) gut zu seinjmd., etw. erweckt (bei jmdm.) den Anschein, ruft (bei jmdm.) den Eindruck hervor, als ob er, es gut sei
Grammatik: meist im Präsens und Präteritum
Beispiele:
er scheint, schien krank, gesund, glücklich, reich, arm zu sein
das schien heilsam, nötig, nützlich, unumgänglich, vernünftig
er schien selten, ungern zu lachen
er scheint im Stehen zu schlafen
sie schien nicht zu merken, dass sie beobachtet wurde
er scheint uns zu jung und unerfahren für diese Aufgabe
ein Zusammenstoß schien unvermeidlich (zu sein)
er schien ihnen der geeignetste Mann dafür (zu sein)
dieses Unternehmen scheint uns aussichtslos
eine endlos scheinende Nacht
Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen (= zu sein scheinen) [ LessingNathanII 6]
es scheint
Grammatik: oft unpersönlich
Beispiele:
es scheint, als wollte es nicht Frühling werden
es scheint, dass du helfen könntest
es scheint uns möglich zu kommen
es scheint uns an der Zeit zu gehen
sie ist reicher, als es scheint
umgangssprachlichmit den ewigen Fahrradpannen scheint es wie verhext
umgangssprachlichviel scheint da nicht los gewesen zu sein
er hat, so scheint es (= anscheinend), sein Geld vergessen
wie es scheint (= anscheinend), hat sie sich erkältet

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit Schemen, 2schier, schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. – erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

glühen · hell sein · leuchten · scheinen · strahlen  ●  Licht emittieren fachspr. · flammen geh., dichterisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Physik
flimmern · funkeln · glänzen · scheinen · schimmern  ●  szintillieren fachspr., lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

aussehen (nach) · den Anschein haben (Sache) · hat etwas von (...) · scheinen (zu / dass) · wirken wie (/ als ob)  ●  einem vorkommen wie (/ als ob) ugs.
Assoziationen

scheinen · strahlen  ●  lachen (Sonne) ugs., fig.
Assoziationen

(die) Annahme ist berechtigt (dass) · (es) spricht einiges für die Annahme (dass) · (jemanden) zu der Annahme berechtigen (dass) · annehmen dürfen · aussehen (nach etwas) · denkbar sein · hindeuten (auf etwas) · scheinen (dass) (Modalitätsverb) · sprechen (für etwas) · vorstellbar sein · zu vermuten sein  ●  nicht von der Hand zu weisen sein geh. · zu vermuten stehen (dass) geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›scheinen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheinen‹.

Legende: Adjektive Adverbien Substantive

Verwendungsbeispiele für ›scheinen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Weg zurück schien ihm weiter, seine Beine waren schwer. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 378]
Seither schien es niemandem gelungen zu sein, ihn vor das Objektiv einer Kamera zu bekommen. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 5]
In der Öffentlichkeit scheint es keinen denkbaren Ort für dieses Monument geben zu können. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 127]
Lernen im menschlichen Sinn scheint dagegen etwas erheblich anderes zu sein. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 257]
Er scheint sich das Rennen nicht nehmen lassen zu wollen. [o. A.: Reportage vom Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, 17.07.1932]
Zitationshilfe
„scheinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheinen>.

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