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⇱ Artemis 2: Erster Mondflug seit 1972 – Risiken & Zeitplan im Überblick


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Auf Mondkurs

Artemis 2: Start, Ablauf und Risiken der Mondmission im Überblick

Berlin. Nach Jahrzehnten schickt die NASA wieder eine bemannte Mission zum Mond. Doch auf Artemis 2 warten große Herausforderungen und Risiken.
Von Eileen Wagner
Die Rückkehr zum Mond rückt näher: Artemis 2 soll 2026 vier Astronaut:innen um den Erdtrabanten schicken – als entscheidender Test für Technik, Sicherheit und den nächsten Schritt Richtung Landung. © MDR/NASA/Frank Michaux | NASA/Frank Michaux
  • Diese Woche steht ein spektakuläres Ereignis bevor
  • Artemis II soll die Menschheit zurück zum Mond bringen
  • Die wichtigsten Infos im Überblick

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war kein Mensch mehr auf dem Mond. Doch jüngst hat der Erdnachbar wieder Interesse geweckt. Die Mission Artemis II soll als erster bemannter Flug um den Mond seit 1972 an alte Zeiten anknüpfen: keine Landung, aber ein Härtetest für die USA.

Der Start ist für diese Woche angesetzt. Allerdings zeigte die Mission bereits, wie viele Tücken die Raumfahrt mit sich bringt: Verschiebungen, technische Nacharbeiten – und eine Sicherheitsdebatte, die bis zum Hitzeschild reicht.

Hier finden Sie den Überblick: Wann Artemis II starten soll, was Rakete und Raumkapsel leisten müssen, wer an Bord ist, welche Risiken im Fokus stehen – und was diese Mission am Ende vor allem liefern soll.

Artemis II Starttermin: Wet-Dress-Rehearsal entscheidet über den Launch

In der Praxis hängt der Termin davon ab, ob eine Reihe großer Systemtests am Kennedy Space Center gelingt. Der wichtigste heißt „Wet Dress Rehearsal“ – das ist eine Generalprobe wie am Starttag, nur ohne Abheben: Die Rakete wird komplett betankt, die Boden- und Sicherheitssysteme laufen, und der Countdown wird bis kurz vor die Zündung durchgespielt. Nach Angaben der US-amerikanischen Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt NASA werden dabei mehr als 700.000 Gallonen Treibstoff in das System gefüllt.

Genau bei dieser Generalprobe trat kürzlich ein Problem auf. NASA-Chef Jared Isaacman schrieb auf „X“, bei der Betankung mit flüssigem Wasserstoff habe es eine „erhöhte Leckrate“ gegeben – es trat also mehr Wasserstoff aus als erlaubt. Also wurde der Start mehrfach verschoben. Diesen Mittwoch ist es aber endlich so weit: Am 1. April 2026 soll die Mission beginnen.

Der Start von Artemis II ist für 18.24 Uhr Ortszeit in Cape Canaveral in Florida geplant, also für 00.24 Uhr am 2. April in Deutschland. Das Startfenster beträgt zwei Stunden, danach gibt es bis zum 6. April weitere Ausweichtermine. Dass aber auch dieser Termin nur mit Vorsicht zu betrachten ist, gehört inzwischen schon zur Geschichte des Programms.

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Dass Artemis II verschoben wurde, ist dabei kein Einzelfall. Die Mission hieß früher „EM-2“ (Exploration Mission 2) und war ursprünglich für 2021 geplant. Zuletzt wurde sie schon einmal von September 2025 auf Anfang 2026 verschoben, weil am Kennedy Space Center noch Arbeiten an der mobilen Startplattform nötig waren.

Zur Startvorbereitung gehört auch eine medizinische Isolation. Bei der NASA heißt sie Health Stabilization Program (HSP). Dahinter steckt ein einfacher Grund: Wenn ein Crewmitglied kurz vor dem Abflug krank wird, kann der Start platzen. Deshalb schränkt die Crew in den letzten Tagen vor dem Start ihre Kontakte stark ein, wird regelmäßig untersucht und hält sich in einem geschützten Umfeld auf. Nach Angaben der NASA beginnt dieses Programm normalerweise etwa 14 Tage vor dem Start.

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Nach Informationen von „Reuters“ waren die vier Artemis-2-Astronautinnen und ‑Astronauten bereits seit dem 21. Januar in diesem Programm, um für das damalige Februar-Zeitfenster bereit zu sein. Verschiebt sich der Start, wie in diesem Fall, wird das Ganze zur Terminfrage: Dann kann die Crew die Isolation zunächst beenden – und geht rund zwei Wochen vor dem nächsten Startversuch wieder in Quarantäne.

Artemis-II-Astronauten-Crew: Wer fliegt um den Mond?

Die Besatzung von Artemis II steht seit April 2023 fest. Laut NASA besteht sie aus vier Personen: Reid Wiseman kommandiert, Victor Glover fliegt als Pilot, Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen sind die Missionsspezialisten – sie unterstützen den Flugbetrieb, führen Tests durch und übernehmen Aufgaben an Bord, die nicht direkt zum Steuern der Kapsel gehören.

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Wiseman ist ein ehemaliger Pilot der US Navy und seit 2009 NASA-Astronaut. Er war 2014 bereits auf der Internationalen Raumstation (ISS) und übernahm 2020 die Leitung des Astronautenbüros. Glover hat ebenfalls einen militärischen Hintergrund und war 2020 mit einer SpaceX-Crewmission auf der ISS. Für beide ist Artemis II also nicht der erste Raumflug.

Koch bringt vor allem Erfahrung mit langen Missionen mit: Sie verbrachte 328 Tage am Stück auf der ISS – so lange wie keine Frau zuvor. Hansen schließlich ist Astronaut der kanadischen Raumfahrtagentur CSA und komplettiert das Quartett; für ihn wäre Artemis II der erste Flug ins All.

Die Crew der „Artemis 2“-Mission der Nasa: Christina Koch, Reid Wiseman (sitzend), Victor Glover (hinten) und Jeremy Hansen (rechts). © Nasa © NASA | PR

SLS-Rakete: Das riesige System, an dem alles hängt

Die Mission startet mit dem Space Launch System (SLS), der Schwerlastrakete der NASA. Mit knapp 100 Metern Höhe ist sie so groß wie ein Hochhaus – und genau dafür gebaut: Orion samt Crew in den Erdorbit zu bringen und anschließend so zu beschleunigen, dass die Kapsel auf Mondkurs gehen kann.

Beim Start liefern nach NASA-Angaben vier RS-25-Triebwerke in der Hauptstufe den Schub; zusätzlich drücken zwei seitliche Feststoffbooster – große Zusatzraketen mit festem Treibstoff – in den ersten Minuten besonders kräftig mit. Sobald diese Startphase vorbei ist, übernimmt im All die ICPS (Interim Cryogenic Propulsion Stage): eine Oberstufe mit extrem stark gekühltem Treibstoff, die den Kurs weiter ausrichtet – vereinfacht gesagt: der „Feinmotor“, der Orion in die richtige Bahn bringt.

Oben sitzt Orion, das Crew-Raumschiff für Artemis II. Die Kapsel ist laut NASA etwa 3,3 Meter hoch und rund 5 Meter breit – ausgelegt für bis zu vier Personen und Flüge von bis zu 21 Tagen. Ein zentraler Baustein kommt aus Europa: Das European Service Module (ESA) versorgt Orion im All mit Strom, Wasser, Sauerstoff und liefert außerdem Antrieb für Manöver.

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Flugverlauf von Artemis II: So läuft die Mondumrundung ab

Sobald Orion von der Oberstufe getrennt ist, beginnt der eigentliche Flugtest – mit einem klaren Ablauf: Geplant ist eine Mission von rund neun bis zehn Tagen. Zunächst umrundet Orion die Erde zweimal. In dieser Phase werden die wichtigsten Systeme unter realen Bedingungen geprüft – vor allem die Lebenserhaltung, also Luftversorgung, Temperaturregelung und Wassermanagement. Außerdem sollen mehrere Minisatelliten ausgesetzt werden, die eigene Experimente im Erdorbit durchführen.

Erst danach geht es auf Mondkurs. Orion fliegt am Mond vorbei und umrundet ihn – ein Flyby, also eine Mondumrundung ohne Landung. Bei der größten Annäherung ist Orion laut der kanadischen Raumfahrtagentur CSA etwa 6.400 bis 9.700 Kilometer über der Mondoberfläche; gleichzeitig liegt die Erde dabei mehr als 400.000 Kilometer entfernt im Hintergrund. Aus dem Fenster wirkt der Mond dabei, wie NASA es beschreibt, „wie ein Basketball am ausgestreckten Arm“.

News aus den USA

Artemis II: Rückkehr zur Erde – Wiedereintritt als eigentlicher Härtetest

Nach der Mondumrundung macht Orion kehrt und fliegt zurück zur Erde. Dafür muss die Kapsel nicht „Gas geben“ wie ein Flugzeug: Die Route ist so berechnet, dass die Erdanziehung Orion praktisch wieder nach Hause zieht. Deshalb soll auf dem Rückweg nur wenig Treibstoff nötig sein. Trotzdem ist die Zeit kein Leerlauf. Die Astronaut:innen arbeiten weiter ihr Testprogramm ab – etwa Messungen zur Strahlung im All und manuelle Steuer-Manöver, bei denen die Crew das Raumschiff zeitweise selbst fliegt.

Der entscheidende Moment kommt am Ende beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. In rund 120 Kilometern Höhe taucht Orion wieder in die Luftschicht der Erde ein – mit dem Hitzeschild nach vorn. Diese „Schutzplatte“ muss die extreme Hitze aushalten, die beim Zurückrasen durch die Atmosphäre entsteht. Orion kommt dabei mit mehr als 40.000 Kilometern pro Stunde an; vor der Kapsel wird die Luft so stark zusammengedrückt, dass sie sich auf über 2700 Grad Celsius aufheizt. Gleichzeitig wird die Crew stark abgebremst – auf etwa das Vierfache der Erdschwerkraft, wie die NASA angibt.

Genau hier gab es nach dem unbemannten Flug Artemis I Kritik und Nachfragen: Am Hitzeschild zeigten sich Abplatzungen. Die NASA erklärte, im Material hätten sich Gase gebildet und gestaut, die dann plötzlich entwichen. Das sei nicht unmittelbar lebensgefährlich gewesen – für einen Flug mit Menschen aber ein Punkt, der besonders genau geprüft werden musste. Und trotzdem fliegt Artemis II mit dem vorhandenen Hitzeschild: Statt ihn komplett zu ersetzen, setzt die NASA auf eine leicht veränderte Eintrittsbahn – vereinfacht gesagt: Orion soll in einem etwas anderen „Winkel“ in die Atmosphäre kommen, damit die Belastung geringer ausfällt.

Wenn Orion genug abgebremst hat, öffnen sich nacheinander insgesamt elf Fallschirme. Sie reduzieren die Geschwindigkeit weiter, bis die Kapsel nur noch mit etwa 30 Kilometern pro Stunde unterwegs ist. Rund 15 Minuten nach Beginn des Wiedereintritts soll Orion dann im Pazifik wassern – etwa 90 Kilometer vor der kalifornischen Küste, in der Nähe von San Diego. Dort nimmt die US Navy die Astronaut:innen auf und bringt sie zurück an Land.

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Artemis II ist damit der Schritt, ohne den der nächste nicht glaubwürdig wäre. Denn erst nach einem erfolgreichen Flugtest mit Menschen kann die NASA den nächsten großen Meilenstein ernsthaft angehen: Artemis III, die Rückkehr auf die Mondoberfläche. Auf der offiziellen Missionsseite spricht die NASA inzwischen von einem Start „bis 2028“.

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