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⇱ Artemis 2: USA starten Wettlauf zum Mond – China setzt auf ganz eigene Taktik


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Start der Artemis 2

Angriff der Mondgöttin? Warum Trump um die Vorherrschaft im Weltall fürchten muss

Berlin. Die USA nehmen nach Jahrzehnten wieder Kurs auf den Mond, doch China zieht mit ehrgeizigen Zielen nach. Wer entscheidet das Rennen im All?
Von Timo Küsters
Erstmals seit über 50 Jahren: Wieder Menschen auf dem Weg zum Mond

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Besser spät als nie startete in der Nacht vom 1. auf den 2. April gegen 00:35 Uhr europäischer Zeit die Mission „Artemis 2“. Der 400.000 Kilometer lange Flug zum Reiseziel Mond ist das wohl sehnlichst erwartete Projekt der Nasa seit Jahrzehnten. Erstmals brechen seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder Menschen zum Mond auf – fliegen aber nur testweise um ihn herum. Für die Nasa ist dieser Flug ein enorm wichtiger Schritt, der sich ohnehin schon wegen technischer Defekte um Monate verzögert hat.

Bei dem zehntägigen Flug werden wichtige Systeme getestet, die später in diesem Jahrzehnt für eine bemannte Landung auf dem Mond wichtig sind. Und er muss aus Sicht der Verantwortlichen gelingen. Denn für die Amerikaner bedeutet der Mond vor allem eines: Prestige. In den 1960er-Jahren wurde das „Space Race“ zu einem geflügelten Begriff, der den Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA auch in den Weltraum brachte. Unter hohem Risiko (die Mondlandefähre hatte bei ihrem Anflug nur noch für etwa 10 Sekunden Treibstoff) gelang der Nasa die Landung. Der ideologische Todfeind war besiegt.

in der Nacht vom 1. auf den 2. April gegen 00:35 Uhr europäischer Zeit startete die Mission „Artemis 2“. © AFP | JIM WATSON

Mission Chang‘e: Chinas lautloser Aufstieg zur Weltraummacht

Wenn das „Space Launch System“ (SLS) vom Kennedy Space Center an der US-Küste Floridas abheben, passiert das unter anderen Vorzeichen. Der größte Gegner im Kampf um die Vorherrschaft im Weltraum ist China. Die ehrgeizigen Ziele der Volksrepublik lauten, bis zum Ende des Jahrzehnts chinesische Taikonauten auf den Mond zu bringen. Das Programm „Chang‘e“, benannt nach der chinesischen Mondgöttin, startete bereits 2007 mit einem Orbiter, der den Mond kartierte. 2024 erreichte das Programm mit Chang‘e 6 seinen bisherigen Höhepunkt – und kitzelte damit auch die Amerikaner. Eine Sonde brachte erstmals Gesteinsproben von der weitgehend unerforschten Rückseite des Mondes zur Erde.

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Chinas Genauigkeit und Zielstrebigkeit sind deutlich höher als in der amerikanischen Raumfahrt, die immer wieder Verzögerungen in Kauf nehmen muss. Das belegen Zahlen, die zeigen, wie termintreu China seine Missionen fliegt. Experten sprechen davon, dass es durchaus möglich ist, dass Chinesen bis 2030 auf dem Mond stehen werden. Das erhöht den Druck bei der Nasa – und im Weißen Haus. Denn die Amerikaner selbst waren es, die die erneute Reise zum Mond zu einem Wettlauf erklärten.

Die vier Nasa-Astronauten Reid Wiseman (von links), Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen, stehen bei einem Pressetermin in Bremen zusammen. Vor ihnen ein Modell des Orion-Raumschiffes. (Archivfoto) © Hauke-Christian Dittrich/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Strategische Rollenspiele: Offene Rivalität gegen diplomatisches Understatement

Präsident Donald Trump hat wiederholt betont, dass die USA ihre Führungsposition im All verteidigen müssen. Sein neuer Nasa-Chef, Jared Isaacman, ein bekannter privater Astronaut, warnte erst kürzlich im US-Senat: „Wir befinden uns in einem großen Wettbewerb mit einem Rivalen, der den Willen und die Mittel hat, die amerikanische Vorherrschaft im Weltraum herauszufordern. Wenn wir zurückfallen, holen wir vielleicht nie wieder auf.“ Der Milliardär will die Nasa radikal effizienter machen und ist damit voll auf Trump-Kurs.

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Und wie nervös Washington sein muss, zeigen die kürzlichen Änderungen im Artemis-Zeitplan. Per Dekret formulierte Donald Trump im Dezember 2025 die Festigung der dahinschmelzenden Führungsrolle in der Raumfahrt, die Rückkehr zum Mond und eine Reise zum Mars. Das hatte direkte Auswirkungen auf die Nasa-Pläne: Artemis 3 wird auf 2027 für Tests in der Erdumlaufbahn vorgezogen. Eigentlich sollte mit der dritten Mission die bemannte Mondlandung gelingen. Dafür sollen nun die Flüge Artemis 4 und 5 genutzt werden, um 2028 gleich zwei Crews hintereinander auf den Erdtrabanten zu bringen.

China verfolgt mit Mondmission ein anderes Ziel

Peking gibt indes den entspannten Beobachter. In der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA spricht niemand öffentlich von einem „Space Race“. China betont stets, dass sein Mondprogramm eine „rein wissenschaftliche Mission“ sei. Der chinesische Führer Xi Jinping sagte nach der erfolgreichen Mission Chang‘e 6: „China ist bereit, [...] den wissenschaftlichen Geist zu fördern und die Erforschung und Nutzung des Weltraums zum Wohle der gesamten Menschheit voranzutreiben.“

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Doch die kommunistische Führung wird mit Argusaugen den Fortschritt der Nasa begutachten. Zumal sich Peking ebenfalls eine knappe Deadline für seine Mondlandung gesetzt hat: 2030 soll es so weit sein. Das Ziel ist derweil ein anderes. China will vor allem, dass die USA nicht alleine darüber bestimmen, wie die Zukunft der Menschheit auf dem Mond aussieht.

Wären es Chinesen, nicht Amerikaner, die als erste wieder einen Fuß auf den Mond setzen, gälte das Peking aber als letzter Beweis der eigenen Überlegenheit über den Westen – und dürfte künftigen Historikern als Schlusspunkt des amerikanischen Jahrhunderts gelten.

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