Artemis 2: Warum die Rückkehr zum Mond so brisant ist
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Neil Armstrong machte den Mond 1969 mit einem Satz weltberühmt: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit.“ Doch der Mensch blieb nicht lange auf dem Mond. Nur zwölf Amerikaner betraten zwischen 1969 und 1972 den Erdtrabanten; der bislang letzte Mensch. Eugene Cernan, verließ ihn im Dezember 1972. Seitdem ist das Reiseziel Mond für Menschen vor allem Erinnerung.
Nun will die US-Raumfahrtbehörde Nasa diese 53-jährige Pause beenden und am 1. April 2026 mit „Artemis II“ wieder Astronauten in Richtung Mond schicken. Am Montag wurde der zweitägige Countdown gestartet.
Artemis II: Starttermin, Verzögerungen und neue Unsicherheit
Der Start von Artemis II ist für 18.24 Uhr Ortszeit in Cape Canaveral in Florida geplant, also für 00.24 Uhr am 2. April in Deutschland. Das Startfenster beträgt zwei Stunden, danach gibt es bis zum 6. April weitere Ausweichtermine. Dass aber auch dieser Termin nur mit Vorsicht zu betrachten ist, gehört inzwischen schon zur Geschichte des Programms.
Als die Nasa Artemis 2017 ankündigte, klang das noch nach einem geradlinigen Aufbruch. Schon 2024 sollten wieder Menschen auf dem Mond landen. Daraus wurde nichts. Bereits der unbemannte Testflug Artemis I im Jahr 2022 war von technischen Problemen, steigenden Kosten und Verschiebungen begleitet.
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Auch Artemis II steht unter diesem Vorzeichen. Ursprünglich war der Flug früher geplant, zunächst für Februar, dann für März. Technische Probleme und ungünstige Wetterbedingungen zwangen die Nasa jedoch zu weiteren Verschiebungen.
Zum aktuellen Starttermin scheint nun aber mehr Zuversicht zu herrschen. Nasa-Managerin Lori Glaze sagte auf einer Pressekonferenz, sowohl das Raketensystem als auch das Team am Boden seien bereit. Derzeit bedrohe nichts den geplanten Start am 1. April.
Artemis-II-Crew: Diese vier Astronauten fliegen zum Mond
An Bord sollen vier Astronautinnen und Astronauten sein: die US-Amerikaner Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie der Kanadier Jeremy Hansen. Für Hansen wäre es der erste Flug ins All, für die anderen der zweite.
Die Besatzung ist aber nicht nur flugerfahren, sondern auch symbolisch aufgeladen. Koch wäre die erste Frau auf einer Mondmission der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Astronaut in einem solchen Flugprofil, Hansen der erste Kanadier.
Christina Koch sagte auf einer Pressekonferenz, es beginne sich inzwischen „echt anzufühlen“. Zugleich verband sie den Flug mit einer größeren Hoffnung. Man hoffe sehr, dass diese Mission der Beginn einer Ära sei, „in der jeder Mensch auf der Erde zum Mond schauen und ihn auch als Reiseziel ansehen kann“.
Flug zum Mond: Was bei der Mission genau geplant ist
Wer jetzt bei Artemis II an eine Mondlandung denkt, ist einen Schritt zu weit. Die Mission bringt noch niemanden auf die Mondoberfläche. Sie ist vor allem ein Testflug mit Besatzung. Die vier Astronauten sollen mit der Rakete „Space Launch System“ starten und in der Raumkapsel „Orion“ den Mond umrunden. Nach rund zehn Tagen soll Orion zur Erde zurückkehren und im Meer wassern.
Die Flugbahn ähnelt einer weiten Schleife um Erde und Mond. Insgesamt wird die Crew mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am entferntesten Punkt soll sie rund 370.000 Kilometer von der Erde entfernt sein und sogar hinter die erdabgewandte Seite des Mondes fliegen – also jenen Teil, der von der Erde aus nie zu sehen ist. Dort dürften Bilder entstehen, die nicht nur wissenschaftlich interessant sind, sondern auch den alten Zauber der Raumfahrt neu beleben.
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Orion-Kapsel: So leben und arbeiten die Astronauten
Romantisch ist diese Reise aber nicht. Die Orion-Kapsel bietet im Inneren nur rund neun Kubikmeter Platz, wie die Nasa auf ihrer Webseite schreibt – also ungefähr so viel Raum wie der Laderaum eines Kleintransporters. Für die vier Astronautinnen und Astronauten ist sie während des Flugs Wohn-, Arbeits- und Rückzugsort zugleich.
Geschlafen wird in Schlafsäcken, die an der Wand befestigt sind. Für die Körperpflege stehen unter anderem Feuchttücher, Flüssigseife, Waschlappen, Zahnbürsten und Zahnpasta zur Verfügung. Selbst ein eigenes Klo mit Tür gibt es. Das Essen ähnelt zwar dem auf der Internationalen Raumstation ISS, ist aber noch stärker eingeschränkt. Vieles muss bei Raumtemperatur gegessen werden, weil der Essenswärmer nur begrenzte Kapazitäten hat. Außerdem steht täglich mindestens eine halbe Stunde Sport auf dem Programm.
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Vieles an Bord läuft automatisch. Zu Testzwecken soll die Crew das Raumschiff jedoch immer wieder auch manuell steuern. Die Nasa will herausfinden, wie sich Kapsel, Technik und Besatzung unter realen Bedingungen verhalten. Zur Mission gehört deshalb nicht nur das Fliegen, sondern auch das ständige Prüfen: der Systeme an Bord, des eigenen Gesundheitszustands und der Belastung durch die Reise. Dazu kommen Messungen, wissenschaftliche Beobachtungen sowie Fotos und Analysen von Erde und Mond.
Artemis-Programm: Warum die Nasa wieder zum Mond will
Der Aufwand für diese Mission ist enorm. Umso drängender ist die Frage, warum die Nasa überhaupt wieder Menschen zum Mond schicken will. Die US-Raumfahrtbehörde nennt dafür drei Gründe: wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und das Ziel, „eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren“. Außerdem, so heißt es bei der Nasa, solle die Rückkehr zum Mond als Sprungbrett für spätere Flüge zum Mars dienen.
Das ist die offizielle Begründung. Der Mond ist jedoch längst wieder ein geopolitischer Ort. Wer dorthin zurückkehrt, demonstriert technologische Stärke und erhebt den Anspruch, auch Regeln, Partnerschaften und Standards im All mitzuprägen. Für die USA gilt das nicht zuletzt mit Blick auf China, das bis 2030 ebenfalls Menschen auf den Mond bringen will.
Auch finanziell ist Artemis ein Kraftakt. Schon 2021 schätzte der damalige Generalinspekteur der Nasa die Kosten des Artemis-Programms bis 2025 auf 86 Milliarden Dollar; rund vier Milliarden entfallen wohl auf Artemis II. Die Rückkehr zum Mond ist also extrem teuer – und gerade deshalb auch ein machtpolitisches Signal.
Europa bei Artemis: Welche Rolle ESA und deutsche Astronauten spielen
Doch selbst die USA stemmen diese Rückkehr nicht allein. Anders als zu Apollo-Zeiten entwickelt die Nasa zentrale Teile der Mission gemeinsam mit privaten Firmen und internationalen Partnern. SpaceX und Blue Origin liefern wichtige Technik, andere Länder entscheidende Bauteile.
Gerade Europa spielt dabei eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint. Die europäische Raumfahrtagentur Esa steuert mit dem „European Service Module“ einen zentralen Teil der Orion-Kapsel bei. Vereinfacht gesagt ist das ihr Versorgungs- und Antriebsmodul: Es liefert Energie, Wasser, Sauerstoff und Schub. Ohne dieses Bauteil könnte Orion nicht fliegen.
Ein FUNKE Liebe
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Europa ist damit nicht bloß Zuschauer, sondern Teil der Mission. Entsprechend wächst die Hoffnung, dass in einer späteren Phase auch ein deutscher Astronaut zum Mond fliegen könnte. Die deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer haben mehrfach betont, wie sehr sie auf eine solche Chance hoffen. Noch ist offen, wer bei einer künftigen Mission zum Zug kommt. Klar ist aber schon jetzt: Der Weg zurück zum Mond führt diesmal nicht im Alleingang, sondern über internationale Zusammenarbeit.
mit dpa
