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⇱ CDU-Politiker: Russische Drohnen über Ukraine abschießen – wie das gehen könnte


Funke Mediengruppe
„Deutsche Beiträge erhöhen“

CDU-Politiker will russische Drohnen schon über Ukraine abschießen

Berlin. Nach dem Drohnenvorfall in Polen schickt Deutschland weitere Kampfjets. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses geht noch weiter.
Ein Flugabwehrsystem Boxer Skyranger 30 des Rüstungsunternehmens Rheinmetall steht während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) im Juni 2024 auf dem Gelände des Flughafens Berlin Brandenburg (BER). © Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (58/CDU), hat sich dafür ausgesprochen, feindliche Drohnen auch außerhalb von Nato-Staaten zu bekämpfen. „Wir brauchen eine Abstimmung innerhalb der Nato, wann und über wessen Hoheitsgebiet die Voraussetzungen für die militärische Bekämpfung eines Drohnenangriffes vorliegen“, sagte Röwekamp dem „Spiegel“ (Freitag). „Es muss möglich sein, mit der Zustimmung des betroffenen Landes wie der Ukraine auch schon in deren Luftraum Drohnen unschädlich zu machen, die Nato-Gebiet gefährden“, fügte der Außenpolitiker hinzu. Ähnlich äußerte sich Röwekamp am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. 

Der CDU-Politiker sprach sich zudem dafür aus, der Ukraine weitreichende Waffen zu liefern. „In einem bestehenden Krieg ist die beste Möglichkeit zum Kampf gegen Drohnen die Zerstörung der Produktionsstätten und der Abschussvorrichtungen. Es geht daher auch darum, die Ukraine schnell seitens der Nato-Partner so auszurüsten, dass sie auch gegen diese Ziele auf russischem Boden wirken kann“, sagte er.

CDU-Politiker Röwekamp: Luftverteidigung große Herausforderung

Nach dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum forderte Röwekamp zudem eine bessere Luftabwehr. Die Nato habe zwar bewiesen, dass sie eine solche Bedrohung abwehren könne, sagte er dem „Spiegel“ weiter. „Wir stehen bei Luftverteidigung jedoch noch vor sehr großen Herausforderungen, insbesondere zur Abwehr eines massenhaften Drohnenangriffs. Hier müssen wir die militärischen Fähigkeiten ausbauen und auch die deutschen Beiträge erhöhen.“

September 2024: Thomas Röwekamp (CDU) spricht im Bundestag. © Anna Ross/dpa | Anna Ross

Die Bundeswehr setzt zur Drohnenabwehr künftig vor allem auf das neue Skyranger-System des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Es soll – montiert auf Radfahrzeuge oder Kettenpanzer wie den Leopard – Drohnen auf kurze Distanz abwehren, mit tausend Schuss pro Minute. Mit jedem System werde ein Gebiet von vier mal vier Kilometern abgedeckt, „um komplett drohnenfrei zu sein“, preist Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger das Gerät an. Die Bundeswehr hatte zunächst 18 Serienfahrzeuge mit der Kanone auf dem Boxer-Radpanzer geordert, die in zwei bis drei Jahren ausgeliefert sein sollen; gedacht ist nun an die Bestellung weiterer 650 Skyranger, die Lieferung würde sich über Jahre erstrecken.

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Ukraine-Krieg: „Wir brauchen eine Drohnenarmee an der EU-Ostflanke“

Allerdings wird auch gleichzeitig die Forderung laut, lieber gleich einen gemeinsamen europäischen Drohnen-Schutzwall aufzubauen. Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, bekräftigt einen entsprechenden Vorschlag, den er gegenüber unserer Redaktion so erläutert hatte: „Wir brauchen eine Drohnenarmee an der Ostflanke der EU. Das ist der effizienteste Weg, Russland abzuschrecken.“ Pläne gebe es längst. Das deutsche Rüstungsunternehmen Helsing schlägt ein Bollwerk von 100.000 Kampfdrohnen entlang der 3000 Kilometer langen Nato-Ostgrenze vor, realisierbar sei das binnen eines Jahres. Unterstützung kommt aus der EU-Kommission.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) geht noch weiter: Er fordert, dass die Nato-Staaten mit ihren Waffen auch den Luftraum der Ukraine schützen – gemeinsam und koordiniert. Überlegungen, die Ukraine mit eigenem Militär gegen Luftangriffe abzusichern, gibt es bei den Nato-Staaten aber bislang nur für den Fall eines Waffenstillstandes. Doch Selenskyj warnt die Nato-Staaten, dass Putins Provokation das nächste Mal massiver ausfallen könnte: Ins Nato-Gebiet könnten dann auch „Hunderte von Drohnen“ kommen. „Nur vereinte europäische Kräfte“, sagt Selenskyj, „können echten Schutz bieten.“

In der Nacht zum Mittwoch waren mindestens 19 russische Drohnen teils hunderte Kilometer weit in den Luftraum des EU- und Nato-Lands Polen eingedrungen. Mindestens drei von ihnen wurden abgeschossen. Warschau und andere Nato-Länder, darunter auch Deutschland, verurteilten die Vorfälle als gezielte Provokation gegen das gesamte westliche Militärbündnis.

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Seit Kriegsbeginn haben Polen und die Nato-Staaten im Baltikum immer wieder Verletzungen ihres Luftraums durch russische Drohnen gemeldet. Bislang waren aber nie derart viele Drohnen in den Luftraum eines Nato-Mitglieds eingedrungen, zum ersten Mal wurden zudem russische Drohnen abgeschossen. 

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