Kurz vor den ersten Angriffen sprach der Chef-Verhandler von einem „Durchbruch“
Wenige Stunden vor den ersten Militärschlägen Israels und den USA gegen den Iran hatte der omanische Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi, der wohl wichtigste Vermittler in den Atomgesprächen zwischen Washington und Teheran, im US-Sender CBS mit Star-Reporterin Margaret Brennan ein höchst bemerkenswertes Interview gegeben, die laut US-Analysten erste Zweifel an der Lauterkeit der Trump-Regierung auslösen. Seine Kern-Aussagen:
„Wenn das ultimative Ziel darin besteht, dauerhaft sicherzustellen, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen kann, dann haben wir dieses Problem meiner Meinung nach durch diese Verhandlungen gelöst, indem wir uns auf einen sehr wichtigen Durchbruch geeinigt haben, der zuvor noch nie erreicht worden war. Und ich denke, wenn wir das festhalten und darauf aufbauen können, dann ist eine Einigung in greifbarer Nähe.”
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Omanischer Außenminister: Iran wollte nukleares Material „abgeben“
Auf die Frage, was genau gemeint ist, sagte der Diplomat:
„Die wichtigste Errungenschaft ist meiner Meinung nach die Vereinbarung, dass der Iran niemals über nukleares Material verfügen wird, mit dem eine Bombe hergestellt werden kann. Das ist meiner Meinung nach eine große Errungenschaft. Das ist etwas, was in dem alten Abkommen, das während der Amtszeit von Präsident Obama ausgehandelt wurde, nicht enthalten ist. Das ist etwas völlig Neues. Damit verliert die Frage der Anreicherung an Bedeutung, denn jetzt geht es um die vollständige Einstellung der Lagerung. Und das ist sehr, sehr wichtig, denn wenn man kein angereichertes Material lagern kann, kann man auch keine Bombe bauen, egal ob man anreichert oder nicht. Ich glaube, dass dies von den Medien weitgehend übersehen wurde, und ich möchte dies aus der Sicht eines Vermittlers klarstellen.”
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Auf die Bitte, die komplizierten technischen Vorgänge zu erläutern, sagte Al Busaidi, dass der Iran willens sei, nukleares Material, das ihm die Herstellung einer Bombe ermöglichen würde, vollständig „abzugeben”.
Soll heißen: die noch bestehenden angereicherten Uran-Vorräte würden „auf den niedrigstmöglichen Gehalt, auf einen neutralen Gehalt, einen natürlichen Gehalt, heruntergemischt werden, was bedeutet, dass sie in Brennstoff umgewandelt werden, und dass dieser Brennstoff irreversibel sein wird”. Sprich: für den Bau einer Atombombe untauglich.
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Für dieses Vorgehen sei der Iran in der Vergangenheit nie offen gewesen – jetzt doch.
Das alles würde von einer „vollständigen und umfassende Überprüfung” durch die Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen in Wien flankiert, die uneingeschränkten Zugang zu den Atom-Anlagen erhalten würde. Dies habe der Iran angeboten Mehr noch: „Ich bin aus meiner Sicht ziemlich zuversichtlich, dass sogar Inspektoren aus den Vereinigten Staaten zu einem bestimmten Zeitpunkt in diesem Prozess Zugang erhalten werden. Wenn wir eine Einigung erzielen, die respektiert wird, fair und dauerhaft ist, sehe ich keinen Grund, warum selbst den Vereinigten Staaten kein Zugang gewährt werden sollte.”
US-Vize-Präsident JD Vance über Verhandlungsergebnisse informiert
Der Unterhändler berichtete, dass er US-Vize-Präsident JD Vance am Freitag umfassend über den Sachstand informiert habe. Nun gehe es darum, der „Diplomatie den Raum zu geben”. Natürlich müssten noch verschiedene Details geklärt werde, „und deshalb brauchen wir noch ein wenig mehr Zeit, um wirklich zu versuchen, das ultimative Ziel zu erreichen, nämlich ein umfassendes Paket für das Abkommen zu schnüren, das verschiedene Komponenten enthalten wird. Ich glaube, dass beide Seiten es sehr ernst gemeint haben, sehr kreativ und einfallsreich waren, um wirklich das zu erreichen, was wir bisher erreicht haben.” Al Busaidi sprach von einem Zeitraum von drei Monaten, in dem man alle Details – vor allem die Kontroll-Mechanismen – klären könne.
Der Außenminister Omans betonte in dem Interview mehrfach seine Sorge, dass ein israelischer Erstschlag und eine schnelle Beteiligung der USA die erzielten Verhandlungsfortschritte zunichte machen könnten. Wenige Stunden später hatte die Realität ihn eingeholt.
