Ließ sich Donald Trump den Iran-Angriff von Israel praktisch diktieren?
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Zu den bereits genannten und teils widersprüchlichen Motiven und Begründungen des Weißen Hauses für den größten Militäreinsatz der USA im Nahen Osten seit über 20 Jahren ist eine neue überraschend hinzugekommen, die an der Maga-Wählerbasis Donald Trumps zwiespältige Reaktionen auslösen wird.
Danach soll der Einsatzbefehl, den der US-Präsident am vergangenen Freitag für die „Operation Epischer Zorn” gegen den Iran gegeben hat, maßgeblich durch Israels Entschlossenheit diktiert gewesen sein, dass Mullah-Regime zeitnah zu attackieren – und zwar mit oder ohne Unterstützung Washingtons.
Das erklärten Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, CIA-Direktor John Ratcliffe und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, am Montagabend in Gesprächen vor Kongress-Abgeordneten von Demokraten und Republikaner.
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Iran-Krieg: Israel hätte „mit oder ohne amerikanische Unterstützung“ gehandelt
„Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung”, machte sich Mike Johnson, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, die Informationen schnell zu eigen. „Warum? Weil Israel sich einer existenziellen Bedrohung gegenübersah. Der Iran baute in rasantem Tempo Raketen, sodass unsere Verbündeten in der Region nicht mehr mithalten konnten.”
Der Wille Israels, kurzfristig zu handeln, habe „unseren Oberbefehlshaber, die Regierung und die Beamten im Kabinett vor eine sehr schwierigen Entscheidung gestellt”, so Johnson. Sie mussten die Bedrohungen für die USA, unsere Truppen, unsere Einrichtungen und unsere Vermögenswerte in der Region und darüber hinaus bewerten.”
Dabei sei man zu dem Schluss gekommen, dass „wenn Israel den Iran beschießen würde“, um dessen Waffenlager zu zerstören, der Iran „sofort Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Personal und -Vermögenswerte ergreifen würde“. Hätte man darauf gewartet, dass all diese Eventualitäten eintreten, „wären die Folgen unserer Untätigkeit verheerend gewesen“, argumentierte Johnson. „Hätte der Iran begonnen, sein gesamtes Raketenarsenal, Kurz- und Mittelstreckenraketen, auf unser Personal, unsere Vermögenswerte und unsere Einrichtungen abzufeuern, hätten wir erschütternde Verluste erlitten“, sagte er. „Hätten wir mit unserer Reaktion gewartet, bevor wir zuerst gehandelt hätten, wären diese Verluste weitaus größer gewesen, als wenn wir das getan hätten, was wir getan haben“, fügte er hinzu.
US-Außenminister Rubio: „Der Präsident hat also eine sehr kluge Entscheidung getroffen“
Marco Rubio, neben seiner Rolle als Chef-Diplomat auch Nationaler Sicherheitsberater Trumps, ergänzte: „Der Präsident hat also eine sehr kluge Entscheidung getroffen. Wir wussten, dass es zu einer israelischen Aktion kommen würde, wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte auslösen würde, und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden, bevor sie diese Angriffe starteten“, erklärte er. „Wir haben proaktiv und defensiv gehandelt, um zu verhindern, dass sie größeren Schaden anrichten.”
Rubio bekräftigte zudem ein vorher von Kriegsminister Pete Hegseth vorgebrachtes Argument über die Gründe für den Militär-Einsatz, der in den nächsten Tagen an Intensität noch stark zunehmen werde. Danach zielten die Attacken darauf ab, die Langstreckenraketen des Iran zu schwächen, um dessen Fähigkeit zum Schutz seines Atomprogramms zu beeinträchtigen. „Was sie versuchen und seit sehr langer Zeit versuchen, ist, konventionelle Waffen als Schutzschild aufzubauen, hinter dem sie sich verstecken können“, sagte Rubio. „Das bedeutet, dass es einen Punkt geben wird, an dem sie so viele konventionelle Raketen und Drohnen haben, dass sie so viel Schaden anrichten können, dass niemand mehr etwas gegen ihr Atomprogramm unternehmen kann.“
Demokraten sehen Argumentation skeptisch
Die demokratische Opposition im Kongress reagierte skeptisch. Die Entscheidung, aufgrund des Drucks eines Verbündeten der USA einen massiven Militärschlag gegen ein anderes Land zu starten, habe Amerika in „Neuland” gebracht, sagte Senator Mark Warner (Virginia), der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienstausschusses.
Er stellte die Entscheidung in Frage, amerikanische Soldaten zu gefährden (inzwischen sechs Tote), wenn eine unmittelbare Bedrohung möglicherweise einem Verbündeten und nicht den Vereinigten Staaten selbst gilt. „Israel ist ein großartiger Verbündeter Amerikas. Ich stehe fest hinter Israel. Aber ich glaube, wenn es darum geht, amerikanische Soldaten in Gefahr zu bringen, und wir amerikanische Opfer zu beklagen haben und mit weiteren rechnen müssen, muss es einen Beweis für eine unmittelbare Bedrohung amerikanischer Interessen geben. Ich glaube immer noch nicht, dass diese Voraussetzung erfüllt ist.“
„Politisches Dynamit“ für Teile der Maga-Bewegung
Für die nicht-interventionistische Maga-Strömung ist Rubios Argument „politisches Dynamit”, sagen Analysten in Washington. Weil es wie ein Eingeständnis klingt, dass die USA nicht wegen eines direkten Angriffs auf Amerika, sondern wegen der Folgen einer israelischen Operation in den Krieg gingen. Diese Leute sagen sinngemäß: Wenn Israels Plan der Auslöser war, dann entscheidet Israel über Amerikas Kriegsbeteiligung.
Tucker Carlson, wortmächtiger Influencer in Trumps Umfeld, macht daraus frontal den Vorwurf, der Krieg sei im Kern „Israels Krieg“ – er sagt in einem Video sinngemäß, es sei passiert, „weil Israel es wollte“. Der „Law-and-Order“-Teil der Maga-Koalition übernimmt Rubios Logik dagegen als Selbstschutz-Narrativ: Nicht „Israel bestimmt“, sondern: Wenn Israels Schlag ohnehin kommt und Iran dann US-Basen trifft, sind präventive Schläge rational, um US-Opfer zu reduzieren.
