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Funke Mediengruppe
Angriff auf den Iran

Eine Deutsch-Iranerin wollte ihre Familie besuchen – dann verliert sich ihre Spur

Berlin. Zehra B. reiste zum Familienbesuch in den Iran. Kurz darauf verliert sich ihre Spur. Plant Berlin jetzt Deutsche aus dem Iran zu evakuieren?
Von Ahmad Shihabi, Reporter
Seit Ende Februar greifen Israel und die USA den Iran an. © AFP | ATTA KENARE

Trotz Reisewarnungen reiste Zehra B. (Name geändert) am Donnerstag vergangener Woche los, von Düsseldorf über Dubai in den Iran. Sie wollte den Ramadan und das persische Neujahrsfest bei ihrer Familie verbringen, obwohl es im Land bereits zu Protesten und Spannungen gekommen war. Kurz nach ihrer Ankunft im Iran griffen Israel und die USA das Land an. Danach brach der Kontakt zu ihr ab.

Zehra B. ist Deutsch-Iranerin aus NRW. Sie arbeitet in einem Callcenter und pflegt einen rund 90-jährigen Mann. Ihre Urlaubstage verbringt sie in der Regel im Iran. „Ich habe sie vor der Reise gewarnt, aber sie wollte ihre Familie trotzdem besuchen“, sagt ihr Freund Amir, dessen Name aus Sicherheitsgründen ebenfalls geändert wurde.

Auswärtiges Amt: Deutsche Staatsbürger stecken im Iran fest

Zehra B. hatte Koffer, Geschenke für die Familie und ihre Musikinstrumente dabei. Kurz nach Beginn der Angriffe hatte sie noch regelmäßigen Kontakt zu Freunden in Deutschland. In ihren Nachrichten versuchte sie, die Situation in Kerman, einer Stadt im Südosten des Iran, zu beschreiben und zugleich zu beruhigen. „Hier ist immer noch alles in Ordnung. Ich habe im Gegensatz zu den anderen aktuell Internetzugang, aber ich weiß nicht, wann dieser weggeht“, schrieb sie in einer der letzten WhatsApp-Nachrichten. Seitdem warten ihre Freunde auf ein Lebenszeichen.

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B. ist eine von vielen Menschen mit deutschem Pass, die sich aktuell im Iran aufhalten. Auf Anfrage teilte das Auswärtige Amt (AA) mit, man gehe von einer „mittleren dreistelligen Zahl“ von Deutsch-Iranern aus, die sich derzeit im Land aufhalten. „Militärische Auseinandersetzungen in der Region halten an. Dort, wo Angriffe erfolgen und Lufträume geschlossen sind, empfehlen wir weiterhin, sich an einem möglichst sicheren Ort aufzuhalten.“

Seit Langem rät die Bundesregierung von nicht dringend notwendigen Reisen in den Iran ab und fordert deutsche Staatsangehörige wiederholt zur Ausreise auf. Das AA betont, man habe „noch verbliebene deutsche Staatsangehörige im Iran vor Beginn der Eskalation mehrfach mit eindringlichen Landsleutebriefen an die Ausreiseaufforderung erinnert“. Zugleich habe man darauf hingewiesen, dass im Falle einer weiteren Eskalation die deutsche Botschaft in Teheran und das Auswärtige Amt „kaum Unterstützung bei der Ausreise leisten können“.

Iran: Deutsche Botschaft informiert zu Ausreisemöglichkeiten auf dem Landweg

Nach AA-Angaben waren insgesamt offenbar mehr als 30.000 Menschen aus Deutschland im Nahen Osten gestrandet. So viele Einträge habe es in der Krisenvorsorgeliste „ELEFAND“ gegeben. Durch diese Registrierung konnten in den vergangenen Tagen mehrere Evakuierungsflüge organisiert werden. Einige Flieger sind bereits in Frankfurt am Main, München und Düsseldorf gelandet.

Für Deutsche im Iran ist die Evakuierung komplizierter wegen des gesperrten Luftraums. Ob es Pläne in Berlin gibt, die Deutschen aus dem Iran zu evakuieren, ist unklar. Weiterhin stellt die deutsche Botschaft in Teheran auf ihrer Website Informationen zu Ausreisemöglichkeiten auf dem Landweg bereit.

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