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Funke Mediengruppe
„False-Flag“-Vorwürfe

Rätsel um Angriff: Reichen iranische Raketen doch bis nach Berlin?

Berlin. Verwirrspiel um mutmaßlich iranischen Raketenangriff auf US-britische Militärbasis: Iran dementiert, Sicherheitsexperten sind besorgt.
Von Christian Kerl, Korrespondent
Die iranischen Streitkräfte testen eine ballistische Rakete vom Typ Khorramshahr. © AFP | -

Ein Raketenangriff auf den US-britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean schlägt in Europa hohe Wellen. Berichte, dass der Iran die Militärbasis mit zwei Raketen angegriffen habe, überraschen und besorgen Sicherheitsexperten auch in Deutschland: Wenn der Iran tatsächlich den 4000 Kilometer entfernten Stützpunkt angreifen kann, fliegen seine ballistischen Raketen viel weiter als bislang angenommen – das Mullah-Regime könnte auch Ziele in Deutschland angreifen, was Experten bislang für unmöglich hielten.

Aber auch Tage nach dem Angriff in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sind viele Fragen offen. Schaden entstand nicht auf dem strategisch wichtigen Stützpunkt, auf dem 2500 US-Soldaten stationiert sind: Eine Rakete versagte im Flug, eine wurde von einer US-Abfangrakete ausgeschaltet. Doch während der israelische Generalstabschef Eyal Zamir warnt, nun lägen „Berlin, Paris und Rom alle in direkter Bedrohungsreichweite“, bestritt das iranische Außenministerium am Montag, Diego Garcia mit Raketen angegriffen zu haben.

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Experten vermuten den Einsatz von Korramshahr-Raketen

Es handele sich vielmehr um eine „israelische False-Flag-Operation“, sagte der Sprecher des Außenministeriums. „Dass selbst der Nato-Generalsekretär sich weigert, Israels jüngste Desinformation zu unterstützen, spricht Bände“, erklärte der Sprecher. Er bezog sich darauf, dass Nato-Chef Mark Rutte den Vorfall sehr vorsichtig bewertet hatte: Einen iranischen Angriff „können wir im Moment noch nicht bestätigen, wir prüfen das“, hatte Rutte am Sonntag erklärt.

Allerdings gab es in Teheran zunächst ganz andere Stellungnahmen. So hatten iranische Staatsmedien den Angriff als Beweis militärischer Stärke gefeiert. „Wir haben die Kontrolle über den Himmel über euren Köpfen“, erklärten die Revolutionsgarden im Staatsfunk. Spielen die Revolutionsgarden oder ein Teil des Militärs ihr eigenes Spiel? Beherrscht Teheran das Spiel mit der Desinformation? Noch Anfang März hatte Außenminister Abbas Araghtschi versichert, die Reichweite der ballistischen Raketen sei auf 2000 Kilometer begrenzt – das sollte wohl auch die Kritik an Irans ehrgeizigem Raketenprogramm dämpfen, das vor allem Israel seit Langem als enorme Bedrohung geißelt.

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War die Rakete nicht mit einem Sprengkopf ausgestattet?

Israelischen Angaben zufolge wurden für den Angriff zweistufige Interkontinentalraketen eingesetzt. Nach Expertenschätzung könnte es sich um die Weiterentwicklung der Korramshahr-Rakete handeln, deren maximale Reichweite bislang auf 2500 Kilometer taxiert wurde. Möglich, dass das iranische Militär die Raketen nicht wie vorgesehen mit einem 1,5-Tonnen-Sprengkopf ausgestattet hat, sondern ohne Sprengkopf oder mit nur sehr kleiner Ladung, was die Reichweite erhöhen würde. Die Korramshahr basiert auf der nordkoreanischen Rakete Musudan, die offenbar bis zu 4000 Kilometer weit fliegen kann.

Schutzlos sind Deutschland und Europa nicht: Die Bundeswehr verfügt zur Abwehr ballistischer Mittelstreckenraketen über das bewährte Patriot-System und baut gerade das aus Israel stammende Arrow-Raketenabwehrsystem auf; erste Arrow-Systemteile sind bereits rund um die Uhr in Betrieb, erklärt das Verteidigungsministerium.

Die USA haben schon vor zehn Jahren eine Aegis-Ashore-Raketenabwehrstation in Rumänien eingerichtet, die die europäischen Nato-Partner gegen ballistische Raketen vor allem aus dem Iran schützen soll. Nato-Generalsekretär Rutte fasst die Lageeinschätzung so zusammen: Falls die Berichte über einen iranischen Angriff auf Diego Garcia stimmten, sei klar, dass die iranischen Raketen weit reichten. „Falls es nicht stimmt, wissen wir, dass sie kurz davorstehen, diese Fähigkeit zu erlangen.“ Dies würde, meinte Rutte, eine „direkte Bedrohung auch für Europa und die Stabilität der Welt“ bedeuten.

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