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⇱ Iran: Hoda lebt in Teheran – „Ich kann nur träumen von den Tagen ohne Angst“


Funke Mediengruppe
Hoda Rostami lebt in Teheran

Leben im Iran: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“

Teheran. Der Iran in diesen Kriegstagen: Es ist still geworden auf den Straßen. Hoda Rostami erzählt für uns exklusiv, was sie erlebt. Teil 2: Die Arbeit ruht
Von Hoda Rostami
Autobahn in Teheran. Es ist kaum noch was los in der Stadt, viele Menschen sind in ruhigere Gegenden geflohen. © privat | Hoda Rostami

Teheran ist die Stadt der weißen Autos. Jeder, der vor dem Krieg nach Iran gereist ist, hat das bemerkt: Es scheint, als wären die meisten Autos weiß. Wenn ich erklären wollte, warum, müsste ich auf die Geschichte des Nahen Ostens und die iranische Wirtschaft zurückgehen. Kurz gesagt: In Iran ist ein Auto nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein wertvoller Besitz. In Zeiten von Inflation und Sanktionen kaufen die Menschen lieber etwas, das sich später leichter wieder verkaufen lässt – und diese Farbe ist meist Weiß.

Doch unser Viertel in Teheran ist nicht nur weiß. Es hat auch die Farbe von Ziegeln, und es hat Grün. Viele seiner Gassen sind alt und aus Backstein, und selbst diejenigen, die es sich kaum leisten können, stellen eine Blume oder einen Blumentopf vor ihr Haus. Am Ende des Winters und zu Beginn des Frühlings füllt sich unser Viertel mit Mandelblüten und roten Maulbeeren. Jeder Vorübergehende kann kurz stehenbleiben, von den Zweigen Maulbeeren pflücken und sie gleich dort essen. Das gehört zur Kultur des Viertels – ein kleines, alltägliches Ritual für den Beginn des Frühlings. Genau in diesen Tagen.

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Doch dieses Jahr ist nicht wie die anderen. Dieses Jahr gibt es keine überfüllten Straßen und keine belebten Gassen. Unser Viertel ist leer. Die Stadt ist still geworden. Und trotzdem machen die Blüten weiter, was sie immer tun – gleichgültig gegenüber allem, öffnen sie sich an den Zweigen.

Unsere Autorin Hoda Rostami lebt im Iran. Sie liebt es, um die Welt zu reisen und ihren Followern davon zu erzählen. Derzeit kann sie den Iran nicht verlassen, also fährt sie durch ihr Land. Exklusiv für unsere Redaktion berichtet sie uns vom Alltag der Menschen. © privat | Privat

Die Arbeit, die Schule, der Verkehr: Alles ist zum Stillstand gekommen

Ich bin in diesen Tagen in meiner Wohnung im Zentrum von Teheran geblieben – in Tagen des Krieges, Tagen, in denen der Klang von Explosionen aus der Ferne langsam zu etwas Vertrautem wird. Ich habe keinen Zugang zum staatlichen Fernsehen Irans, und mein globales Internet funktioniert nicht. Um diese wenigen Zeilen überhaupt über die Grenzen hinauszuschicken, muss ich mich zuerst mit dem internen Intranet verbinden, dann einen gehackten VPN kaufen, der nach Megabyte berechnet wird, dann meinen Text per E-Mail an einen Freund außerhalb Irans senden, der ihn übersetzt und an jemanden weiterleitet, der den Menschen in der Welt von mir berichten kann. Es ist seltsam. Seltsam, sehr seltsam.

Noch vor wenigen Wochen war ich eine fast gewöhnliche 39-jährige Frau – wie viele andere Frauen irgendwo auf der Welt. Ich wachte morgens auf, ging in ein Café in den umliegenden Gassen, bestellte manchmal Tee und ein lokales Frühstück, manchmal ein Croissant und Kaffee. Ich ging zur Arbeit, und zur Mittagszeit sprachen wir mit Kolleginnen und Kollegen über Zukunft, Pläne und das Leben. Abends ging ich ins Studio und malte. Manche Nächte verbrachte ich mit Freundinnen und Freunden, und manchmal sah ich vor dem Schlafengehen noch einen Film im Internet.

Ich wollte nach Tibet. Jetzt bleibt nur mein Traum von den Tagen ohne Schal und Kopftuch

Jetzt hat sich alles über Nacht verändert. Die Cafés sind halb geöffnet. Schulen und Universitäten sind geschlossen. Kinder sprechen zu Hause über den Krieg. Unsere Arbeit – wie die vieler anderer – ist zum Stillstand gekommen, und seit zwei Wochen habe ich von einigen meiner Kolleginnen und Kollegen nichts mehr gehört. Manche sind in andere Städte gegangen, andere sind geblieben und wissen nicht, was sie tun sollen.

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Und ich – manchmal, wenn ich einen kleinen Spalt Hoffnung finde – stehe ich auf, mache Tee und denke an meine Reise nach Tibet. Eine Reise, die ich Ende Mai antreten wollte, mein Geschenk zu meinem vierzigsten Geburtstag. Das Flugticket habe ich schon gekauft. Aber seit zwanzig Tagen sind alle Flugrouten in dieser Region – die man den Nahen Osten nennt – geschlossen. Und im Moment kann ich nur noch träumen: von der Rückkehr zu den Tagen, an denen wir mit Freundinnen ohne Schal und Kopftuch durch die Straßen von Teheran gingen, um unsere eigenen Grenzen der Freiheit ein wenig weiter zu öffnen. Von Tagen, an denen man ohne Angst unter einem Baum stehen und rote Maulbeeren essen konnte.

Hoda Rostami berichtet aus dem Iran

Aktuell dringen kaum Informationen aus dem Iran, das Land ist abgeschottet. Uns ist es dennoch gelungen, Kontakt mit der Reise-Bloggerin Hoda Rostami aufzunehmen. In den kommenden Wochen wird sie in losen Abständen immer wieder für uns über das Leben in dem vom Krieg gezeichneten Land berichten.

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