Die Klimastudien, die US-Präsident Donald Trump verbieten möchte
Zusammenfassung
- US-Präsident Trump schwächt den Klimaschutz, indem er wichtige Regelungen und internationale Kooperationen zum Thema Klima aufhebt.
- Neue Studien zeigen deutliche Folgen des Klimawandels, etwa das dramatische Schmelzen der Gletscher und den Rückgang der Schmetterlingspopulationen.
- Besonders die reichsten Menschen und Unternehmen tragen laut aktuellen Untersuchungen maßgeblich zur Erderwärmung und den damit verbundenen Schäden bei.
US-Präsident Donald Trump hat eine der wichtigsten Regelungen für den Klimaschutz in den USA gekippt. Trump erklärte die sogenannte Gefährdungsfeststellung von 2009 für ungültig, derzufolge Treibhausgase gesundheitsschädlich sind. Diese Feststellung war bislang die rechtliche Grundlage fast aller Klimaregulierungen unter dem US-Luftreinhaltegesetz für Kraftfahrzeuge, Kraftwerke und andere Verschmutzungsquellen, die zur Erderwärmung beitragen.
Seit seinem Amtsantritt Anfang 2025 hat der US-Präsident seine Ankündigungen wahrgemacht und den Klimaschutz auf die Abschussliste gesetzt. Trump ordnete bereits den Rückzug seines Landes aus insgesamt 66 „nutzlosen und unnötigen“ Organisationen, Übereinkommen und Verträgen an. Die betroffenen Institutionen stellten „eine Bedrohung“ für die USA dar, so US-Außenminister Marco Rubio.
Die Anordnung der US-Regierung gilt vor allem für Organisationen, die in den Bereichen Umwelt und Klima arbeiten. Darunter sind auch der Weltklimarat IPCC, die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (Framework Convention on Climate Change/UNFCCC) sowie die Weltnaturschutzorganisation (IUCN). Auch das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado, eines der weltweit wichtigsten Klimaforschungszentren, will Trump schließen. Trump bezeichnete den Klimawandel mehrfach als „Schwindel“, er will fossile Energien stärker fördern.
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2025 war das drittheißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, heißt es im kürzlich vorgestellten Klima-Jahresbericht des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Es war fast ebenso heiß wie die beiden Rekordjahre 2024 und 2023. Mit den Folgen des Klimawandels befassten sich 2025 Hunderte Studien, die in Fachzeitschriften oder auf Websites erschienen. Einige sorgten für Schlagzeilen, viele fanden in Nachrichtenartikeln in Zeitungen, Online-Blogs, auf Portalen oder in Social-Media-Kanälen Erwähnung.
Wie oft eine Studie Aufmerksamkeit erregt, erfasst das Data-Science-Unternehmen Altmetric Jahr für Jahr. Die britische Website Carbon Brief, die sich auf Klimawandel und Energiethemen spezialisiert hat, wertet die Daten jährlich aus und erstellt eine Liste der 25 populärsten Klimastudien des abgelaufenen Jahres.
Das sind die meistdiskutierten Klimastudien, die im ersten Amtsjahr von Donald Trump für Schlagzeilen sorgten.
Das Verschwinden der Schmetterlinge in den USA
Im Frühjahr 2025 erschien im Fachmagazin Science eine Studie mit dem Titel „Butterfly populations flutter bye“ (Schmetterlingspopulationen flattern dahin). Darin berichten US-Forscher über die Ergebnisse von Schmetterlingssichtungen in den USA, die auf eine rapide Abnahme der Bestände hindeuten. Demnach ist der Gesamtbestand der Schmetterlinge über 554 erfasste Arten hinweg um mehr als ein Fünftel zurückgegangen.
Das Forscherteam um den Ökologen Collin Edwards vom Washington State Department of Fish and Wildlife wertete nach eigenen Angaben in mehr als 76.000 Erhebungen Daten von zwölf Millionen Schmetterlingen aus. Demnach hat die Zahl der Schmetterlinge in den USA zwischen 2000 und 2022 in fast allen wichtigen Regionen um 22 Prozent abgenommen.
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Gründe für diesen massiven Artenschwund seien der Verlust von Lebensräumen, der Einsatz von Pestiziden besonders im Mittleren Westen sowie Trockenheit als Folge des Klimawandels. Diese drei Hauptfaktoren wirken aus Sicht der Wissenschaftler zusammen. „Die Ergebnisse dieser Studie sind ziemlich deprimierend“, sagte der Ökologe Edwards. „Aber Schmetterlinge haben die Fähigkeit, sich zu erholen, wenn wir die Situation für sie verbessern können.“
Laut der Analyse von Altmetric zählte die Schmetterlingsstudie 2025 zu den meistgelesenen Veröffentlichungen. Die Studie sei in 560 Nachrichtenartikeln aufgegriffen worden, darunter in der New York Times, dem Guardian, der Associated Press, El País und BBC News.
Das Abschmelzen der globalen Gletschermassen
Unter die Top 10 der meistbeachteten Klimastudien kam eine Veröffentlichung über die Veränderungen der globalen Gletschermasse, die im britischen Wissenschaftsmagazin Nature erschien. Nature zählt neben dem US-Fachjournal Science zu den weltweit wichtigsten Zeitschriften für Naturwissenschaften.
Die Großstudie des internationalen Forschungsprojekts GLAMBIE mit 35 Forscherteams kommt zu dem Schluss, dass Gletscher weltweit seit dem Jahr 2000 durchschnittlich 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren haben. Das entspricht dem fünfeinhalbfachen Volumen des Bodensees – pro Jahr.
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Besonders dramatisch habe sich die Situation in den letzten zehn Jahren entwickelt. In dieser Zeit sei die abgeschmolzene Eismenge um 36 Prozent gestiegen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gletscher auf unserem Planeten in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund fünf Prozent ihres Gesamtvolumens verloren haben“, sagte Prof. Matthias Braun, Geograph der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
„Die Verluste variieren stark in unterschiedlichen Regionen“, so Braun. „Auf den antarktischen und subantarktischen Inseln haben wir einen Eisverlust von zwei Prozent gemessen. In Mitteleuropa sind seit dem Jahr 2000 rund 39 Prozent des Gletschereises verschwunden. Das ist dramatisch.“ Im untersuchten Zeitraum hätten die Gletscher 18 Prozent mehr Masse verloren als der grönländische Eisschild und mehr als doppelt so viel wie der antarktische Eisschild.
Laut Medienanalyse erhielt die Gletscherstudie mehr Aufmerksamkeit als jede andere Studie unter den Top 25 des Jahres.
Der Beitrag der reichsten Menschen der Welt
Für Schlagzeilen sorgten 2025 mehrere Studien, die sich mit dem Beitrag der reichsten Menschen der Welt an den klimaschädlichen CO2-Emissionen sowie den daraus abgeleiteten Klimafolgen befassten.
Eine Studie, die im Wissenschaftsjournal Nature Climate Change veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung – diejenigen, die mindestens 42.980 Euro pro Jahr verdienen – für zwei Drittel der Erderwärmung seit 1990 verantwortlich seien. „Die ökologischen Fußabdrücke der reichsten Menschen sind unmittelbar mit den Klimaauswirkungen verbunden“, sagte Studienleiterin Sarah Schöngart, Wissenschaftlerin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.
Allein das reichste Prozent der Weltbevölkerung habe laut Auswertung im Vergleich zum globalen Durchschnitt 26-mal mehr zu Jahrhundert-Hitzewellen beigetragen. Die Emissionen der wohlhabendsten zehn Prozent in China und den Vereinigten Staaten, die zusammen für fast die Hälfte der weltweiten Kohlenstoffverschmutzung verantwortlich sind, führten laut den Forschern jeweils zu einem zwei- bis dreifachen Anstieg an Hitzeextremen. Die Emissionen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung in der EU hätten im Schnitt 1,5 zusätzliche Hitzewellen sowohl im Amazonasgebiet als auch in Südostafrika zur Folge gehabt.
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Für Schlagzeilen sorgte auch ein Kommentar im Nature-Magazin, der im April veröffentlicht wurde und den Titel trug: „Die größten CO₂-Emittenten und die wissenschaftliche Begründung für die Klimahaftung.“ Darin bezifferten die Autoren, zwei US-Wissenschaftler, die „wirtschaftlichen Verluste, die auf die extreme Hitze zurückzuführen sind, welche durch Emissionen einzelner Unternehmen verursacht wird“, in Billionenhöhe.
Am Anfang des Kommentars steht die Frage: „Wird es jemals möglich sein, jemanden für Klimaschäden zu verklagen?“ Als Fazit kommen die Autoren zu dem Schluss: „Zwanzig Jahre nachdem diese Frage erstmals gestellt wurde, argumentieren wir, dass die wissenschaftliche Beweisführung für eine Klimahaftung abgeschlossen ist.“
Auf der US-Social-Media-Plattform Bluesky wurde der Kommentar 1329-mal erwähnt, das war der höchste Wert unter den Top 25 der meistbeachteten Forschungsartikel. Erwähnung fand er auch in rund 270 Nachrichtenartikeln.
