Preisexplosion wegen Iran-Krieg – dieses Land rettet sich mit „Solarrevolution“
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Die Welt schaut gespannt auf die Straße von Hormus: Zuletzt passierten rund 20 Prozent des weltweiten Erdölverbrauchs das maritime Nadelöhr. Doch mit der Eskalation in Nahost kommt der Schiffsverkehr hier nahezu zum Erliegen – mit erheblichen Auswirkungen für den Energiemarkt. Besonders im Nachteil sind importierende Länder wie Deutschland, wo etwa der Spritpreis die Zwei-Euro-Marke seit Wochen übersteigt.
Kriege verdeutlichen die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Nicht nur Deutschland spürt das immer häufiger, etwa nach dem Überfall auf die Ukraine. Ein interessantes Beispiel ist hier Pakistan: Millionen Menschen waren 2022 wiederholt ohne Strom, berichtet der „Guardian“, weil nach Ausbruch des Ukraine-Krieges unter anderem die Preise für Flüssiggas explodierten. Wie eine Analyse von Renewables First und dem Centre for Research on Energy and Clean Air zeigt, konnten seither rund zwölf Milliarden Dollar eingespart werden.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Pakistan: Luftaufnahmen zeigen Häuserdächer voller Solarpaneele
Der Grund: Um vor allem Gasimporte zu vermeiden, setzt das Land auf Solar. Luftaufnahmen von Lahore im Nordwesten des Landes zeigen, wie Hausdächer binnen drei Jahren mit blauen Platten gepflastert wurden. Zahlen von Renewables First verdeutlichen diesen Trend: Demnach deckte Solarenergie bereits 2024 etwa ein Fünftel der geschätzten Netzstrommenge. Energieminister Awais Leghari gab gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an, dass nunmehr 74 Prozent der Stromerzeugung „aus lokalen Quellen“ stammen.
„Diejenigen, die es sich damals leisten konnten, erkannten, dass es viel billiger, kostengünstiger und langfristig besser für sie war, einmalig in Solaranlagen auf dem Dach zu investieren, als weiterhin hohe Stromrechnungen aus einem zudem unzuverlässigen Stromnetz zu bezahlen“, zitiert der „Guardian“ einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der pakistanischen Denkfabrik. Das pakistanische Stromnetz gilt als unzuverlässig. Außerdem stiegen die Strompreise in den vergangenen Jahren um rund 155 Prozent, was Menschen motiviert haben dürfte, sich von externen Energieversorgern unabhängig zu machen.
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Minister lobt „Solarrevolution“
Haneea Isaad, Spezialistin vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA), spricht in diesem Zusammenhang gar von einem „Segen für Pakistan“ und einem „hervorragenden Fallbeispiel dafür, wie erneuerbare Energien eine Absicherung gegen die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bieten können.“ Minister Leghari findet lobende Worte für die „Solarrevolution“, die von der Bevölkerung getragen wird.
Wie Reuters berichtet, konnte Pakistan bereits LNG-Lieferungen stornieren oder leitete diese wegen der sinkenden Nachfrage um, weil Flüssiggas lediglich Bedarfsspitzen decken müsse. Laut Nabiya Imran, Mitarbeiterin bei Renewables First, müsse nun die Batterieinfrastruktur ausgebaut werden, um Strom auch am Abend abzurufen. So könnten etwaige Belastungsspitzen, verursacht etwa durch Klimaanlagen im Sommer oder in den Abendstunden, ausgeglichen werden.
Während Gas zwar zur Stromgewinnung ausdient, ist Pakistan in anderen Sektoren aber weiterhin auf fossile Rohstoffe angewiesen. So wurden laut „Guardian“ nach Ausbruch des Iran-Krieges für zwei Wochen die Schulen geschlossen, um den Kraftstoffverbrauch einzudämmen. Bereits 2024 gab das asiatische Land rund zehn Prozent des BIP für den Import von Brennstoffen aus. Da rund 90 Prozent der Einfuhren die Straße von Hormus passieren, dürften sich die Preise noch einmal wesentlich verteuert haben. Allein die Benzinpreise schossen um 20 Prozent in die Höhe.
