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Stiefkind, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Stiefkind(e)s · Nominativ Plural: Stiefkinder
Aussprache  [ˈʃtiːfkɪnt]
Worttrennung Stief | kind
Wortzerlegung stief- Kind
Wortbildung  mit ›Stiefkind‹ als Erstglied: Stiefkindadoption

Bedeutungen

eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
1.
Kind, das nicht leiblich verwandt ist, sondern als Kind des Partners aus früherer Beziehung erst später diese Rolle in einer Familienkonstellation eingenommen hat
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ungeliebtes, vernachlässigtes Stiefkind
als Akkusativobjekt: ein Stiefkind adoptieren
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich um ein Stiefkind kümmern
in Koordination: Stiefkinder und Pflegekinder, [eigene] Kinder
mit Präpositionalgruppe/-objekt: ein Stiefkind aus [erster] Ehe
Beispiele:
er hat eine Witwe geheiratet und behandelt seine Stiefkinder ebenso gut wie die eigeneneWDG, 1976
Die Stiefmutter […] zieht die leibliche Tochter den Stiefkindern vor. [Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2023]
Zur Person: Elsa K[…] lebt mit ihrem Partner und ihren zwei Stiefkindern in Berlin. [Leipziger Volkszeitung, 16.12.2023]
Stiefkinder sollen eine Änderung ihres Namens einfacher rückgängig machen können, wenn die Ehe des leiblichen Elternteils mit dem Stiefelternpartner endet, oder die Kinder nicht mehr in einem Haushalt mit der Stieffamilie leben. [Süddeutsche Zeitung, 24.08.2023]
Die […] teils bis zu neun Jahre hindurch körperlich und seelisch misshandelten, gequälten und bedrohten Opfer sind die leiblichen Kinder des Ehemanns und gleichzeitig die Stiefkinder der ebenfalls angeklagten Kindergartenpädagogin. [Salzburger Nachrichten, 18.06.2022]
Die Vorsilbe stief‑ bedeutete ursprünglich »beraubt«, »verwaist« (vom althochdeutschen stiof-). In diesem Sinne sagenhaft ist die böse Stiefmutter, die ihre Stiefkinder quält, erniedrigt (Aschenputtel), von zu Hause vertreibt oder gar töten will (Schneewittchen). Kein Wunder, dass sich Stiefmütter und Stiefkinder heute lieber als »Bonusmütter« oder »Bonuskinder« bezeichnen. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2019]
bildlich Die Bundesliga ist des Schweizer Fussballfans liebstes Stiefkind – und das, obwohl Bayern München ein Jahrzehnt lang den Titel gewann und kein Ende der Erfolgsserie in Sicht ist. [Basler Zeitung, 20.01.2023]
2.
übertrageneWDG, 1976 Sache, Einrichtung oder Personengruppe, der weniger (liebevolle) Aufmerksamkeit, Engagement oder Sorgfalt zukommt, als angemessen wäre
Grammatik: meist im Singular
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein ungeliebtes, vernachlässigtes Stiefkind; das einstige Stiefkind
mit Genitivattribut: ein Stiefkind der Verkehrspolitik, Bildungspolitik, Politik, Medizin, Forschung, Nation, Börse
als Prädikativ: als Stiefkind behandelt, betrachtet, bezeichnet werden, gelten
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: sich wie ein Stiefkind fühlen
Beispiele:
jmd. ist ein Stiefkind des Glücks (= jmd. hat im Leben wenig Glück gehabt)eWDG, 1976
[Das Musikalbum] »Up« wird im Bandkatalog oft als wenig geliebtes Stiefkind bewertet. Die neue Edition ist die Chance, eines der interessantesten, wenn auch nicht am leichtesten zugänglichsten R.E.M.‑Alben neu zu bewerten. [Thüringer Allgemeine, 28.12.2023]
Englischlehrer, Physiklehrerinnen oder Sportlehrkräfte können aus verschiedenen Kursen wählen, wie sie ihre pädagogischen und didaktischen Fähigkeiten auf den aktuellen Stand bringen. Für die Weiterbildung dagegen gibt es diese Angebote nicht, sie ist ein Stiefkind der Bildungspolitik. [Die Zeit, 14.12.2023]
Während in Musik als Ausweg bleibt, eigene Musikzweige zu etablieren, scheint Kunst das gymnasiale Stiefkind im Fächerkanon zu sein. [Saarbrücker Zeitung, 07.12.2023]
»Bauhöfe sind die tragende Kraft der Kommune, die versucht, alles in Ordnung zu halten. Und unsere Stadt setzt sich für uns ein«, freut sich Detlef B[…], der zugleich angesichts der ausbleibenden staatlichen Hilfen kritisiert: »Von der großen Politik werden wir immer noch als Stiefkinder behandelt.« [Leipziger Volkszeitung, 13.06.2023]
Das Thema Frau und Musik ist nach wie vor ein Stiefkind der Musikgeschichte. [Niederösterreichische Nachrichten, 24.08.2022]
Wir, die Sprachminderheit, sind in Bezug auf den öffentlichen Verkehr die Vergessenen der Schweiz. Die Waadtländer Regierungspräsidentin beklagte, die Romandie sei »ein ungeliebtes Stiefkind«. »Le Matin Dimanche« fragte auf der Frontseite, wann endlich auch die Westschweiz über eine »anständige Zuglinie« verfüge. [Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2021]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Stief- · Stiefkind · Stiefmutter · stiefmütterlich · Stiefmütterchen · Stiefvater
Stief- erstes Glied in zusammengesetzten Verwandtschaftsnamen, das ‘durch spätere Wiederheirat (nach Todesfall) zustandegekommene, nichtleibliche Verwandtschaftsverhältnisse’ bezeichnet. Ahd. stiof- (selbständig in ahd. stiufi? ‘Schwägerin’, 9. Jh.), mhd. stief-, (mit unerklärtem -f statt zu erwartendem -p, vielleicht assimiliert aus *stiopfader?) mnd. stēf-, mnl. nl. stief-, aengl. stēop-, engl. step-, afries. stiap-, stiep-, anord. stjūp- (selbständig in anord. stjūpr ‘Stiefsohn’), schwed. styv- führen mit den Verben ahd. stiufen (9. Jh., irstiufen, 8. Jh.) ‘der Eltern oder der Kinder berauben’, aengl. āstȳpan ‘berauben’, āstȳpte ‘verwaist’ auf germ. *steupa- ‘abgestutzt, abgestumpft, beraubt’. Außergerm. Bezeichnungen für das Stiefverhältnis fehlen; doch Verwandtschaft mit der unter stoßen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ ist wahrscheinlich. – Stiefkind n. ‘nichtleibliches, aus einer früheren Ehe eines Elternteils mitgebrachtes Kind’, ahd. stiofkind (um 1000), mhd. stiefkint, auch ‘zu unrecht Vernachlässigtes, Nichtbeachtetes’ (18. Jh.), mnd. stēfkint, mnl. stiefkint, nl. stiefkind, aengl. stēopcild, engl. stepchild. Stiefmutter f. ‘nichtleibliche, durch eine Wiederheirat des Vaters erhaltene Mutter’, ahd. stiofmuoter (8. Jh.), mhd. stiefmuoter, bereits in früher Zeit literarisch den Typ der bösen, ungerechten Frau verkörpernd, mnd. stēfmōder, mnl. nl. stiefmoeder, aengl. stēopmōdor, engl. stepmother, anord. stjūpmōðir, schwed. styvmoder; stiefmütterlich Adj. ‘hart, ungerecht, vernachlässigend, zurücksetzend’ (17. Jh.), älter ‘einer Stiefmutter zugehörig, eigen’ (16. Jh.), zuerst adverbial (15. Jh.). Stiefmütterchen n. Name der veilchenartigen Gartenpflanze (18. Jh.), älter Stiefmütterlein, Stiffmuttrigen (16. Jh.), Stiefmuterkraut (15. oder schon 14. Jh.). Benennungsmotiv ungeklärt; eine Anspielung auf die „böse“ Stiefmutter (s. oben) ist wahrscheinlich, indem die Anordnung und das Aussehen der Blütenblätter als grimmiges Gesicht gedeutet wird (vgl. Namen wie Affengesichtchen, Schief-, Fratzengesicht u. dgl.). Stiefvater m., ahd. stioffater (9. Jh.), mhd. stiefvater, mnd. stēfvāder, mnl. stiefvāder, nl. stiefvader, aengl. stēopfæder, engl. stepfather, anord. stjūpfaðir, schwed. styvfader.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Aschenbrödel ugs. · Aschenputtel ugs. · Heimchen ugs. · Heimchen am Herd ugs. · Mauerblümchen ugs. · Stiefkind ugs. · graue Maus ugs., fig.
Assoziationen

Pflegekind · Pflegling · Stiefkind  ●  Ziehkind österr., landschaftlich
Oberbegriffe
  • Heranwachsender · Kind · Nachwuchs · Sprössling  ●  (die) lieben Kleinen (u.a. mediensprachlich) Plural · Bams österr., bayr., salopp · (das) Blag ugs., ruhrdt. · (die) Blage derb, abwertend · Balg ugs., abwertend, veraltet · Gschropp ugs., bayr. · Gör ugs., berlinerisch · Kid ugs. · Kiddie ugs. · Kleine ugs., weibl. · Kleiner ugs., männl. · Kniebeißer ugs., selten · Knirps ugs. · Panz ugs., kölsch · Spross ugs. · Zögling geh.
  • (ein jemandem) Anvertrauter · (jemandes) Schutzbefohlener · (jemandes) Schützling  ●  (eine jemandes) Obhut unterstellte Person fachspr., Amtsdeutsch · (jemandes) Anbefohlener geh.
Assoziationen

Lücke · Nachholbedarf  ●  Stiefkind fig. · offene Baustelle fig.

Typische Verbindungen zu ›Stiefkind‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Stiefkind‹.

Legende: Adjektive Substantive Verben
Zitationshilfe
„Stiefkind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stiefkind>.

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