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⇱ Deutsches Fremdwörterbuch : "taxieren"


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Deutsches Fremdwörterbuch
taxieren
1. Aufl. Band 5 (Kirkness u. a. 1981)
V.(in)trans., seit späterem 14. Jh. vereinzelt, seit Anfang 16. Jh. häufiger belegt, entlehnt aus mlat. taxare ‘den Wert abschätzen’ (⟨ lat. taxare in seiner Bed. ‘(prüfend) betasten; (durch Befühlen) den Wert abschätzen’, Iterativ­bildung zu tangere ‘berühren’) mit der veralteten Nebenform (be-)taxen; 1 im kaufmännischen Bereich in der Bed. ‘den Geldwert, Preis einer Ware (sachverständig) ermitteln, schätzen, veranschlagen; (be-)werten; die Höhe einer Abgabe, Steuer, Gebühr (für Waren oder Dienstleistungen) gesetzlich festlegen, bestimmen’, speziell auch ‘den Zeitwert einer gebrauchten Ware oder eines Grundstückes amtlich feststellen’, früher auch für ‘bestimmen, festsetzen, erlassen’; von daher weiterentwickelt zur heute zentralen Bed. ‘etwas auf Beschaffenheit, Qualität hin prüfen, untersuchen; jmdn. auf seine Fähigkeiten ansehen, mustern und danach (ungefähr, grob) einschätzen, beurteilen’. Dazu seit früherem 16. Jh. das Verbalsubst. Taxierung F. (-; -en), gleichbed. mit seit späterem 16. Jh. (gebucht 1571 bei Rot) nachgewiesenem, auf (flekt. Form von) gleichbed. (m)lat. taxatio zurückgehendem Taxation F. (-; -en) ‘Bestimmung, Schätzung, Ermittlung des (Geld-, Zeit-)Wertes einer Ware’ (vgl. → Taxe); seit späterem 16. Jh. die aus gleichbed. mlat. taxator übernommene Berufsbezeichnung Taxator M. (-s; -en), früher auch Taxierer, für ‘jmd., der amtlich den (Geld-, Zeit-)Wert einer Ware schätzt; Wertsachverstän­diger, Schätzer; Zensor’; im 18./19. Jh. das wohl aus gleichbed. frz. taxable entlehnte Adj. taxabel ‘gebühren-, steuerpflichtig’; in jüngster Zeit die intensivierende Präfixbildung eintaxieren V.trans. ‘einschätzen, beurteilen’ mit dem dazugehörigen Verbalsubst. Eintaxierung F. (-; -en).
2 Im 16./17. Jh. nachgewiesen in der über frz. taxer in seiner Bed. ‘durchziehen, -hecheln; tadeln’ auf lat. taxare in seiner Bed. ‘scharf berühren; sticheln, tadeln’ zurückgehenden Bed. ‘jmdn. herabsetzen, schelten, tadeln’.

Belege

zu taxieren 1 (50)
1374 Nd. Rhein III 755
sal man taxiren ende pruven;
1404 Silesiaca IX 254
wan hett sie sollen getaxiret werden (beide MÖLLER);
Gart 1540 Joseph 77
Dann ich hab nie kein übels than, Darzu bin ich aus Canaan, Heymlich gestoln vnd hergfiert, Das will ich Küng yetz han taxiert;
Termineus 1565 Processus 36
Expens / vnnd ander gerichts kosten / einzulegen / vnnd zu taxirn bitten / die taxirten auf dem Eyd in seine seel zu erhalten;
1572 Statutenbuch 27b
die gerichtskosten taxiren (DWB);
Mathesius 1586 Sir. I 111
taxire nicht das essen, was es koste (DWB);
Rathgeb 1592 von Kriegssachen 299f.
Taxiert vnnd angeschlagen;
1603 Blümcke 56
dass ihre güeter oder wahren hinfuro auff den zollheusern nicht berichtiget, beschrieben noch taxiret werden ... unnd der kauff­mann sie selbst taxiren soll (SCHIRMER, Kaufmannssprache);
Sattler 1607 Orthographie 254
Hat sein begeren rechtlicher mesigung vnderworffen, vnd sich derselben submittirt. Zu richterlicher mesigung vnd taxation setzen, etc. Den Kosten mesigen vnd taxiren;
1607 Reformation aller Requisiten deren Apotheken 111
Taxiren, Forderen vnd nemmen;
Hainhofer 1610 Corr. 14
vmb 200 duc. ... taxiert;
Hulsius 1617 13. Schiffahrt 75
Nun ob wol der gemeine Mann ... anderer Leuthen wirckung vnd thaten zu taxiren jeder zeit sich vnterstehet;
Bodinus 1624 Discurs von der Teuerung 44
schätzen und taxiren;
Hagger 1719 N. Saltzb. Kochb. Vorr. 10
Was aber ... Censores daran taxiren/will ichs ihnen zur Verbesserung gern überlassen;
Fassmann 1729 Narr 15
taxire;
ebd. 19
taxiren;
Hermes 1776 Soph. II 17
weil ich wohl weis, dasz ich etwas unschätzbares nicht durch das, was nach tausenden taxirt wird, kauffen kan (DWB);
Klinger 1780 Spieler (I 132)
Wie hoch taxierst du den Burschen? – Auf 5–600 Dukaten;
1786 Journal v. u. f. Deutschland II 11
taxiert man die Ausdehnung [eines Kometen] nach der Strecke seines Schweifes;
Stetten 1788 Beschr. Augsburg 51ff.
Das Taxieramt ist mit vier Herren von Geschlechtern besetzt, hat einen Aktuar, und sechs Bediente ... In Einnahme des Barchet- oder Bleichungsgeldes ist eine eigene Deputation niedergesetzt;
Nicolai 1790 Anekdoten H. VI 144
denn auf Verlangen der Witwe ... taxirte ich die Bibliothek nach einem handschriftlichen Verzeichnisse, und zwar nur so hoch wie ich glaubte daß die Bücher höchstens in einer Auktion weggehen könnten, und ich erinnere mich sehr wohl, daß die Taxe über 10000 Thaler stieg;
Laukhard 1796 Leben III 69
Man sieht indess, wie hoch diese Leutchen sich und ihre Horde taxirten;
ebd. III 70
Die Waaren sind alle taxirt; und niemand darf höher verkaufen, als der gesezte Preis ist;
ebd. III 386
Sie [die Huren] hatten sich förmlich taxirt, und Lieschen, die schönste, galt 45 Kreuzer;
1797 Berl. Archiv d. Zeit II 461
Nehmen Sie es nicht übel, wenn ich das nicht verstehe, und Sie ... nach mir taxire;
Christ um 1800 Schauspielerleben 203
Ich taxierte sie ... für mindestens 25 [Jahre alt];
Laukhard 1802 Leben V 160
Mein Freund Premssler war ein Mann, welcher ... ein besseres Schicksal verdiente, als ihm zu Theil ward. Es gab freilich Firlefänze, welche ihn bey seinem Leben taxirten, und nach seinem traurigen Tode blamirten und lästerten, sogar in gedruckten Wischen;
Schiller 1822–26 (S. W. XIV 132)
Indem er ihnen die Freiheit des Denkens nahm, ließ er ihnen großmüthig noch das Recht, sich selbst zu taxiren (KEHREIN);
Goethe 1827–42 (W. VI 211)
Von Stammhäuptern decimirt, taxirt von Zollbeamten (KEHREIN);
Hahn-Hahn 1844 Oriental. Br. II 177
kleinlicher Handelsgeist, der kein Ding sehen kann, ohne es zu taxiren;
Gutzkow 1860 Zauberer VI 204
Dann taxirte er das Kristall, die Bronze, den Sammet;
Oppenheim 1866 Verm. Schr. 259
Die Interessen-Menschen siegen deswegen über die Ideen-Menschen, weil sie genauer wissen, was sie wollen, weil sie ihr Ziel niemals aus den Augen verlieren, und im öffentlichen Leben auch deshalb, weil sie die Bedürfnisse und Neigungen der Mehrheit richtiger, d. h. niedriger taxiren;
Reinhardt 1869 Dintenklexe I 14
die Augen taxirten eine ganze Weile den Stoff in der Flasche, ehe er sie wieder fragend auf mich richtete;
Fontane 1878 Br. II 1, 403
Nichts wird so niedrig taxiert wie Bücher;
Zappf 1896 Off'töchter I 29
Sie taxirte ihn zwischen sechsundzwanzig und achtundzwanzig;
Gilly 1896 Fesseln I 39
Wie er diese Arbeit taxierte, dauerte sie gute zwei Jahre;
Presber um 1900 Untermensch 15
fühlt sich instinktiv älter, reifer taxiert, als er ist;
ebd. 51
Bloß die Entfernung hat der brave Zeichenknabe, der dieses herrliche Landschaftsbild aus dem Schatze seiner üppigen Phantasie gezaubert, nicht ganz richtig taxiert und wiedergegeben;
Zobeltitz 1902 papierene Macht I 16
Ich taxiere, der junge Herr Volcker ist eine harmonische Natur;
Dehmel 1908 Lebensbilder (VII 71)
taxierte sich sämtlich keineswegs für einen Mustermenschen;
Janitschek 1912 Ehen 28
Du taxierst die Leute nicht allzu hoch, trotzdem bist Du gut, besitzest Herz;
Stegemann 1913 Ewig 37
den Hof ... mit den Augen taxieren wie ein Jud;
Dtsch. Rundschau 224 (1930) 169
er seinerseits setzt sich auf einen Stuhl daneben, taxiert ihre Form, ihre Beine, hebt mit dem Reitstock ... ihren leichten Rock sachlich empor;
Voss. Ztg. 3. 6. 1931
Er taxiert die gute Wolle der Joppe;
Fallada 1932 Kleiner Mann 81
der Strohwagen ist damals von einem Sachverständigen taxiert worden (WDG);
Berl. Illustr. Nachtausg. 17. 8. 1933
Am Nachmittag aber hatte er schon eine gewisse Methode herausgefunden, die Geschwindigkeit der Züge zu taxieren und die Entfernungen zu messen;
Lokal-Anz. 25. 7. 1934
Hier gab es am zweiten Hindernis, einem trockenen, schwer zu taxierenden Graben mit hoher Hecke dahinter, zahlreiche Ausfälle;
Süddtsch. Ztg. 22. 4. 1952
Die übrigen Tischgenossen kreisten uns mit taxierenden Blicken ein;
Zuckmayer 1959 Fastnachtsbeichte 17
Mit einem Blick hatte Berthel taxiert [die Gestalt einer jungen Frau];
Apitz 1960 Nacht unter Wölfen 95
noch während seine Operationsassistenten die Atemmaske auflegten, taxierte er die Geschwulste nach Längs- und Kreuzschnitt (WDG).
zu Taxation (15)
1572 Statutenbuch 28a
taxation der gerichtskosten (DWB);
Ertel 1701 Güldne Praxis von Anschlägen, Taxation und Schätzung aller hoch­adligen Landgüter
(Titel);
1769 Harzmagazin 592
Taxationsgebühren;
Schiller 1769 Ökonom. Beyträge I 464
Taxation der Weine;
ebd. I 467
zuverlässige Wein-Taxation;
Götting. Histor. Magazin 1 (1787) 66
das Selbsttaxations-Recht ward schriftlich fixirt;
Heidelberg. Jahrb. d. Lit. 6 (1813) II 633
Anleitung zur forstlichen Mathematik und Taxation;
Soden 1813 Ausführungen 74
Der Grund ... liegt einzig in der Taxazion ... daß die große Lokal-Verschiedenheit des Grund-Eigenthums ... besondere Tax-Normen nothwendig machten;
Müller 1817 Schr. I 240
Taxation des Grundeigenthums;
1831 Jahrbücher d. Gesch. I 22ff.
Taxation von Wohngebäuden zum Behufe einer Steuerregulie­rung;
Schliemann 1867 Br. I 133
ruinöse Taxation, die alles zu Grunde richtet;
Roscher 1888 Ackerbau (System II 462)
die ökonomische Sicherung der Gläubiger anbefohlen, sofern sie die Grundstücke abschätzen und nicht jenseits einer gewissen Quote dieses Schätzungswerthes Darlehen darauf gestatten soll (Taxationssystem);
ebd. II 465
Die thurgauischen Gemeinderäthe haften nur 3 J. lang für ihre Taxation;
Berl. Illustr. Nachtausg. 16. 8. 1933
Durch diese Taxationskunststückchen begründete er die viel zu hohen Preise;
NZ. (Basel) 7. 2. 1950
In den Dienst der Steuergerechtigkeit stellt sich auch die Möglichkeit der Zwischen­taxation ... bei wesentlichen dauernden Veränderungen auf Einkommen und Vermögen.
zu Taxator (8)
Thurneisser 1575 Archidoxa 33a
Taxator;
1689 Polit. Fliegenwedel I 107
Taxatoren;
1716 Marperger BdB 377
gewisse Pfand-Taxatores (SCHIRMER, Kaufmannssprache);
Schlettwein 1772 Erläuterung 52
Die vorgeschlagenen Taxatores werden also ihr und ihrer guten Freunde Interessen nicht verkennen;
Wezel 1773 Tob. Knaut. I Vorr. XI
die Strenge unsrer moralischen Taxatoren;
Fischer 1790 Brandenburg-Ansprach I 202
Einschät­zung der steuerbaren Güter, durch hiezu verpflichtete Taxatoren;
1804 Leuchs 397
Mäkler oder andere Taxatoren (SCHIRMER, Kaufmannssprache);
Offenburger Tagebl. 2. 4. 1970
ich fühle den Blick ... der sich wie ein Spinnennetz über mein Gesicht, meine Beine und andere Körperteile legt; ein Taxatorblick: Lohnt es sich? Na, mal sehen, was mit ihr los ist.
zu Taxierer (2)
Fulda 1788 Versuch 202
Taxirer;
Bretzner 1887 Leben II 147
um wegen des Verkaufs der versetzten Pfaͤnder Anstalt zu treffen ... einen ... geschwornen Taxirer zu ihm sandte, um ein genaues Inventarium mit Bestimmung des Werths fertigen zu lassen.
zu Taxierung (9)
Kessler 1524–39 Sabbata 34
Hiemit aber wurden sy on aller mittel vnderworfen dem Stuͤl zuͤ Rom / der sy dann mit järlichen taxierungen nach vermügen iedes berupft;
Rathgeb 1592 von Kriegssachen 291
von dem mercklichen betrug vnd fehlern so hierin begangen / vnd gebraucht werden / fuͤrnemlich dem / was in Taxierung deß jenigen / so die lehen zu contribuiren schuldig ... reden;
1603 Blümcke 56
Taxirung der Güeter (SCHIRMER, Kaufmannssprache);
vor 1661 Schuppius 757
letztlichen kombt diese vergleichung desz glücks mehr in anderer taxierung (DWB);
Sonnenfels 1765 Polizei I 213
Taxirung;
1855 Prutz’ Museum II 701
Massregeln zur Zwangstaxirung von Fleisch und Brot;
Knies 1857 Telegraph 205
Normen für die Taxirung und Behandlung der Depeschen;
Moll 1902 ärztl. Ethik 292
hat die Taxierung der ärztlichen Arbeit nach Geldeswert zugenommen;
Bense 1954 Aesthetica 160
Attribute [sind] nicht nur konventionelle Taxierungen, sondern eben Modi.
zu taxabel (2)
Schummel 1771 Reisen I 151
taxabel;
Schwemmer 1818 Taxordnung 89
in taxablen Gegenständen.
zu eintaxieren (1)
Hochhuth 1963 Stellvertreter 156
Wir taxieren ... die Chance, Gehör zu finden, sehr realistisch ein (DUDEN).
zu betaxen (1)
Kohl 1844 Reisen E. u. W. III 84
des zu betaxenden Bürgers.
zu taxieren 2 (9)
Murner 1512 Narrenbeschw. XCVII 77
torheit der wiber hab ich taxiert;
ders. 1512 Schelmenz. 47a
all disz welt ist schelmen vol, die ich taxirt in der gemein;
Scheidt 1551 Grobian. 2779
ob schon die kost sei alle guͤt, dasz jederman sie loben thuͤt, so suͤch doch wie dus kuͤnst taxieren;
vor 1590 Fischart II 352
dann wer fromm ist und wol gelert, derselb ist aller ehren wert: aber die falsch und letz gelehrten sollen billich taxieret werden;
Wedel um 1600 Hausb. 74
[daß er] dem hertzogen ... seine bulerei taxiret hätte;
ebd. 312
daß in den predigten keine widersacher öffentlich oder in specie zu taxiren oder anzugreifen;
1616 Zinkgref II 90
diese königin ward von einem gesandten in ihren verfahrungen taxirt, also ob solche dem worte gottes ungemäsz weren;
vor 1661 Schuppius 420
scripta satyrica, das ist schriften, dadurch aller menschen thun, leben und wandel taxiret, gemustert und angegriffen werden (alle DWB);
1711 gelehrte Fama 469
Dieses ... Tractätgen taxiret die unter denen ... Christen ... eingeschlichenen Missbräuche.
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