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⇱ Iran: Oberster Führer Ali Chamenei ist tot – Das ist über den Ayatollah bekannt


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Oberster Führer des Iran

Bei Angriff getötet: Das ist über Ajatollah Ali Chamenei bekannt

Berlin. Trump verkündet seinen Tod: Ali Chamenei, oberster Führer des Iran, ist die Schlüsselfigur in diesem Krieg. Was ist über den Ajatollah bekannt?
Von Birgitta Stauber, Textchefin
USA und Israel greifen Iran an - Wie geht es jetzt weiter?

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Er war die Schlüsselfigur im Iran – und seine Ergreifung oder sein Tod erklärtes Kriegsziel von US-Präsident Donald Trump: Ayatollah Ali Chamenei. Nun wurde das geistliche Oberhaupt des Irans bei dem Angriff getötet. Trump selbst verkündete auf seiner Plattform „Truth Social“, dass Ajatollah Ali Chamenei tot sei. Iranische Staatsmedien bestätigten inzwischen, dass Chamenei als „Märtyrer“ bei dem Angriff getötet wurde.

Ein Foto der Leiche des geistlichen Oberhaupts des Iran sei Trump und Netanjahu vorgelegt worden, berichtete der israelische Fernsehsender Channel 12. Der öffentlich-rechtliche Sender Kan meldete, Chameneis Leiche sei aus den Trümmern seiner Residenz geborgen worden. Hochrangige israelische Regierungsvertreter seien über Chameneis Tod informiert worden. Ein Satellitenfoto zeigt die völlig zerbombte Residenz des Ayatollahs in Teheran.

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Ayatollah Chamenei gilt für die USA als Erzfeind Nummer 1

Aufgrund seiner Machtfülle und seinem erklärten Ziel, Israel vernichten zu wollen, war Chamenei Erzfeind Nummer 1 der USA. Schließlich gehört die Feindschaft zu Israel zu den Fundamenten der Islamischen Republik: Es ist der „kleine Satan“, die USA sind der „große Satan“.

Ajatollah Ali Chamenei, Oberster Führer des Iran, hört einem Redner während eines Treffens mit dem Luftwaffen- und Luftverteidigungsstab der Armee zu. © DPA Images | Uncredited

Als oberster geistlicher Führer und als weltliches Staatsoberhaupt galt er als unantastbar. Unter seiner Führung entwickelte sich der Iran mit dem starken Sicherheitsapparat nach innen wie nach außen zu einer einflussreichen Regionalmacht, die in den vergangenen Jahren jedoch massiv geschwächt wurde.

Bereits Jahre vor der iranischen Revolution 1979 schloss sich der damals junge Student der islamischen Bewegung um den noch unbekannten Chomeini an, die schließlich zum Sturz der Schah-Dynastie führte. Für seine Überzeugungen saß Chamenei 1963 im Gefängnis. 

Chameneis Mentor war Ajatollah Ruhollah Chomeini

Geboren wurde Chamenei 1939 in Maschad, einer schiitischen Pilgerstadt im Nordosten des Landes, als zweites von acht Kindern. Er war der Sohn eines Klerikers, die wirtschaftlichen Verhältnisse gelten als schwierig, so heißt es in offiziellen Angaben. Als Schüler besuchte er das religiöse Seminar in Maschhad. Sein Mentor war kein geringerer als Ayatollah Ruhollah Chomeini, der religiöse und politische Führer der Islamischen Revolution von 1979, die zum Sturz des Schahs Mohammad Reza Pahlavi führte. Einen Tag nach dem Tode Chomeinis im Jahr 1989 wählte ihn der Expertenrat, der laut iranischer Verfassung die Aufgabe hat, den obersten Führer zu bestimmen.

Ajatollah Ali Chamenei im Oktober 1981 in einer Militäruniform. © Uncredited/AP/dpa | Uncredited

Der 87-jährige Chamenei hatte vier Söhne und zwei Töchter. Die Webseite Al-Arabiya berichtete unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars, dass bei dem Angriff auf Chamenei auch eine Tochter, ein Schwiegersohn und eine Schwiegertochter von ihm umkamen. Zwei Söhne sind mit Töchtern von wichtigen Funktionsträgern verheiratet.

Bei seinen Auftritten wirkte er bisweilen starr, unbeweglich. Er konnte seit einem Anschlag auf ihn im Jahr 1986 den rechten Arm nicht mehr bewegen. Zusammen mit seinem hohen Alter führte das dazu, dass er in seiner Härte und Schärfe unterschätzt wurde. Denn Schwäche zeigte der Mann mit grauem Haar und ruhiger Stimme nie. Trotz seiner ständigen Präsenz im Fernsehen und bei militärischen Veranstaltungen war Irans mächtigster Mann doch eher öffentlichkeitsscheu. Auch über sein Privatleben wurde wenig bekannt. Keine wichtige Entscheidung im Land wurde ohne Chameneis Zustimmung getroffen. 

Ayatollah Chamenei harrte im Bunker aus

Tatsächlich gehen Sicherheitskräfte gnadenlos gegen die Bevölkerung vor, wenn sie gegen sein Regime auf die Straße ging. Das zeigte sich im Herbst 2022: Damals ließ Chamenei Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini, die revolutionäre Züge hatten, blutig niederschlagen. Hunderte starben auf den Straßen, die Sicherheitskräfte schossen mit Gummigeschossen und Schrot. 30.000 Menschen wurden festgenommen. Und erst vor wenigen Woche wurde eine Protestwelle im Iran blutig niedergeschlagen.

Die Lebensgefahr, in der er schwebt, war Ayatollah Chamenei bewusst: Seit Ausbruch der Eskalation saß er im Bunker. Bei vergangenen Angriffswellen auf sein Land hatte er sich nach Medienberichten mit seiner Familie in eine unterirdische Anlage nordöstlich von Teheran zurückgezogen.

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Wie die „New York Times“ im vergangenen Jahr berichtete, kommunizierte Chamenei nur noch über einen vertrauten Berater. Ob Internet oder Telefon: Jegliche elektronische Kommunikation hat er eingestellt, damit der nicht geortet werden kann. Das US-Blatt bezieht sich auf Berichte von drei iranischen Beamten, die angeben, mit seinen Notfallplänen vertraut zu sein. Demnach bereitete er sich auf tödliche Anschläge gegen ihn und andere hochrangige Militärs vor. So soll er nicht nur Nachfolger seiner militärischen Befehlskette ausgewählt, sondern auch drei hochrangige Geistliche als Kandidaten benannt haben, die ihm nachfolgen könnten.

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