Israelischer Sicherheitsexperte ist sicher: Iran-Krieg wird bald enden
In Nahost werden nach Ansicht eines israelischen Sicherheitsexperten in Kürze die Waffen schweigen: „Meine Erwartung ist: Das wird innerhalb einer Woche enden, vielleicht auch zwei“, so Eyal Hulata, früherer Leiter des israelischen Sicherheitsrates NSC. Sollte die iranische Regierung nach einem Ende des Krieges nicht zu substanziellen Zugeständnissen an den Westen oder die eigene Bevölkerung bereit sein, sei ein Wiederaufflammen des Konfliktes aber jederzeit wieder möglich, sagte Hulata im Gespräch mit unserer Redaktion.
Hulata, 50, gilt als einer der renommiertesten Sicherheitsanalysten des Landes. Er hat 17 Jahre für den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad gearbeitet, war zwischen 2021 und 2023 Leiter des NSC, dem zentralen Beratungsgremium der Regierung für Fragen der nationalen Sicherheit in Israel, und ist jetzt Senior Fellow bei der konservativen US-amerikanischen Denkfabrik „Foundation for Defense of Democracies (FDD)“.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Iran-Krieg: Regimewechsel ein schwieriges Ziel
Der jetzige amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran unterscheidet sich nach seiner Ansicht deutlich von dem Zwölf-Tage-Krieg im Sommer vergangenen Jahres: „Auch wenn es nicht klar gesagt wurde, war das Ziel, Bedingungen für einen Regimewechsel zu schaffen.“ Für ein solches Szenario gebe es aber kein Drehbuch: „Es ist schwierig, das zu planen und auszuführen.“
Die US-Amerikaner hätten mit bisherigen Versuchen des Nationenaufbaus nach Invasion und Besatzung im Irak und Afghanistan keine guten Erfahrungen gemacht: „Das hat nicht wirklich funktioniert, jedenfalls nicht in dem Maße, wie sie wollten.“ Auch Israel könne so etwas nicht durchführen. „Was wir machen können, ist Vorbedingungen schaffen.“
Konkret meint Hulata: Das Regime so zu schwächen, dass die Menschen im Iran es leichter haben, gegen es zu revoltieren. „Aber solange Tag und Nacht Bomben vom Himmel fallen, können die Leute nicht wieder auf die Straße gehen. Wir wissen erst, ob das Ziel erreicht wird, nachdem ein Waffenstillstand erreicht ist.“
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Iran: Mullah-Regime laut Experte „signifikant geschwächt“
Tatsächlich hält er das Mullah-Regime nach den Enthauptungsschlägen gegen die Führung und die anhaltenden Angriffe auf seine militärische Infrastruktur für „signifikant geschwächt“. Er glaube, dass es unvermeidlich sei, dass das Regime falle. „Aber ob das in Wochen, Monaten oder Jahren geschieht, muss man abwarten.“
Der Sicherheitsexperte geht zudem davon aus, dass die Mullahs sich mit ihrer Strategie, die Weltwirtschaft durch Angriffe auf die Öl-Infrastruktur der Nachbarländer in eine perspektivisch außenpolitisch schwierige Situation manövrieren. Dass die iranische Wirtschaft vor dem Krieg trotz Sanktionen noch nicht kollabiert sei, liege daran, dass viele Länder in der Region mit dem Regime offen oder heimlich zusammengearbeitet hätten. „Der Grund dafür, dass diese Länder das getan haben, war, dass sie befürchteten, der Iran könne sie attackieren.“
Das sei jetzt trotz der Zusammenarbeit geschehen. Auf die Vereinigten Arabischen Emirate beispielsweise seien mehr Raketen und Drohnen abgefeuert als auf Israel. „Das ist absurd. Sie haben den Krieg nicht provoziert. Aber jetzt sind alle Masken gefallen.“ Künftig, prophezeit Hulata, werde die Lust der Nachbarländer deutlich geringer sein, mit Teheran zu kooperieren.
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Blockade der Straße von Hormus für den Iran ein „Pyrrhus-Sieg“
Zudem rechnet er damit, dass die Iraner sich mit ihrer Taktik, den Ölpreis nach oben zu treiben, mittelfristig selbst schaden werden: „Selbst, wenn es ihnen gelingt, die Straße von Hormus zu schließen, wird das ein Pyrrhus-Sieg sein.“ Es fließe bereits eine zunehmende Menge Öl durch Pipelines, die in den Osten Saudi-Arabiens führen, nicht durch die Straße von Hormus. Es werde mehr emiratische oder saudische Bemühungen geben, Öl zu den östlichen Häfen durchzuleiten. Der persische Golf werde somit als Öl-Transportroute uninteressanter – zum Nachteil des Iran.
Sollten die Waffen bald schweigen, sieht Hulata die Mullahs mehr denn je unter Druck: „Wenn das endet und der Staub sich legt, wird der Iran die Realität anerkennen müssen – ein deutlich geschwächtes Regime, mit deutlich schwächeren Revolutionsgarden, mit Nachbarländern, die weniger Lust haben, mit dem Iran zusammenzuarbeiten, und weniger Angst davor, was der Iran tatsächlich tun kann.“
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Zwischen diesen beiden Optionen müssen die Mullahs wählen
Die Mullahs müssten dann zwischen zwei Optionen wählen: Entweder in den Verhandlungen mit den USA nachgeben und auf ihr Nuklearprogramm verzichten oder auf die Forderungen der eigenen Bevölkerung nach Freiheit eingehen. „Ich weiß nicht, was das neue Regime tun wird. Aber wenn sie beides machen, sowohl die Forderungen des Westens als auch die ihrer eigenen Bevölkerung ablehnen, werden sie sehr einsam sein. Wie lange sie dann überleben können, weiß ich nicht.“
Klar sei: Der Krieg werde enden, wenn Trump das entscheide. „Er wird Israel nicht erlauben, dann weiter anzugreifen.“ Der Sicherheitsexperte sagt, er hoffe, das Regime treffe danach eine „vernünftige Entscheidung. Wenn nicht – werden wir leider eine nächste Runde erleben“.
