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Meinung
Dschungelcamper im Pentagon

Pete Hegseth: Wie sehr Fake der 45-Jährige ist, zeigt diese Anekdote

Washington. Kriegsminister Hegseth posaunt vom Sieg, entwürdigt Iraner als „Ratten”, beschimpft die Medien und wird mit jedem Briefing zur Belastung für Trump.
Ein Kommentar von Dirk Hautkapp, Korrespondent in Washington
Hegseth: Die "dummen politisch korrekten Kriege" sind vorbei

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Der frühere Fox-News-Moderator, der als Pentagon-Chef formal der größten Streitmacht der Erde vorsteht, spricht nie wie ein Minister, sondern wie ein Dschungelcamper, der zu viele Action-Filme „gebinged“ hat und sich an seiner eigenen Kriegsrhetorik besäuft. Weil „hard liquor“ (Spirituosen) in echt, das darf er ja nicht mehr. 

Iranische Führer seien „toast“, also erledigt, sagt „secdef“. Die USA kämpften „ohne Gnade“. Es gebe unter ihm keine „dummen Einsatzregeln“ mehr. Aus heiterem Himmel komme „Tod und Zerstörung“ über die Mullahs, „den ganzen Tag lang“. Das Regime in Teheran nennt er, weil es sich verstecke, „Ratten“, obwohl Außenminister und Präsident kürzlich auf offener Straße in Teheran demonstrierten und Interviews gaben. 

Für Pete Hegseth gibt es gegen diesen Gegner keine Konventionen: „Das hier sollte nie ein fairer Kampf sein und es ist kein fairer Kampf. Wir prügeln auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genauso sollte es sein.“ Sollte es?

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Hegseth: Wie sehr Fake der 45-Jährige ist, zeigt diese Anekdote

Wer neben Hegseth in solchen, wie das Wall Street Journal formulierte, „peinlich kindischen“ Momenten vor laufender Kamera Generalstabschef Dan Caine stehen und reden hört, ohne Bravado, präzise, fast buchhalterisch, der versteht, warum sich viele Amerikaner auch in konservativen Kreisen fragen: Was zum Teufel ist nur los mit Pete Hegseth?

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. © Mark Schiefelbein/AP/dpa | Mark Schiefelbein

Mit einem Wort erklärt: Unsicherheit. Tiefste Unsicherheit. Hegseth ist die Lehrbuchdefinition von Überkompensation und halbherzigem Klimmzug, den der selbst ernannte Kriegsminister gern vor den Fernsehkameras demonstriert.

Wie sehr Fake der 45-Jährige ist, zeigt diese Anekdote. Nach Hegseths jüngstem Iran-Briefing, gern morgens um 8 Uhr im Kommando-Ton abgehalten, wurden Presse-Fotografen ausgesperrt. Team Hegseth hatte sich dem Vernehmen nach über „unvorteilhafte“ Bilder geärgert. Dass der in Minneapolis geborene Ex-Kurzzeit-Soldat durch überkandidelte Drill-Instructor-Gestik, Mimik und Sprache dazu maßgeblich beiträgt, wird unterschlagen. 

Hegseth hat zerrüttetes Verhältnis zur Presse

Auch dass Hegseths Verhältnis zur Presse als zerrüttet bezeichnet werden muss, bleibt unerwähnt. Mindestens 30 Medienhäuser haben vor Monaten ihre Pentagon-Ausweise zurückgegeben, statt neue restriktive Regeln zu unterschreiben, die Journalismus de facto unmöglich machen. Zurück blieb ein Pressekorps, das oft aus Vertretern von liebedienerischen Pro-Trump-Medien besteht. 

Dabei ist der politische Schaden, da, wo Hegseth ist, notorisch groß. Beispiel: Mädchenschule im Iran, 175 Tote, bombardiert von den USA. Fast 50 demokratische Senatoren verlangen Aufklärung, wie es zu diesem offenbar auf veraltete Ziel-Koordinaten zurückgehenden Angriff kommen konnte. Seit 17 Tagen ist das Thema, dessen Dimension nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, auf dem Tisch. Aus dem Pentagon selbst wird die Botschaft gestreut: Wir sind schuld. Nur Hegseth hält alles in der Schwebe, übernimmt keine Verantwortung (ein Rücktritt oder Rauswurf ist am Ende zwingend), auch weil sein Boss, Donald Trump, neulich noch dreist den Iranern den Schwarzen Peter zuschob.

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Ministerium leistet sich im Krisenmodus große Gesten

Dazu kommt die Affäre um den verschwenderischen Umgang mit Steuergeld. Die Watchdog-Gruppe OpenTheBooks hat auf Basis von Ausgaben-Daten errechnet, dass das Pentagon Millionensummen für Hummer, Königskrabben, Ribeye-Steaks, Möbel und sogar Musikinstrumente ausgegeben hat. Nicht für Hegseth persönlich. Für die Truppe, der vom Minister jeden Tag das asketische Krieger-Ethos in den Kopf gehämmert wird, vor allem eines zu sein: „tödlich“. 

Selbst konservative Kritiker lesen darin nicht Sparsamkeit, sondern ein Ministerium, das sich im Krisenmodus große Gesten leistet und bei den kleinen Dingen Disziplin vermissen lässt. Apropos Disziplin: Wie oft Pete Hegseth mit seinen Verlautbarungen nicht synchron geht mit dem, was der Commander-in-Chief, über Ziele, Status und Dauer des Krieges von sich gibt, kann man kaum mehr zählen.

Wer im Pentagon täglich das Mikrofon hält, aber nicht weiß, ob das Weiße Haus gerade auf langen Krieg oder schnellen Abgang setzt, wird vom Sprecher zum Problem.

Bleibt Hegseth also im Amt? Im Augenblick spricht mehr dafür als dagegen. Trump selbst hat Hegseths Bulldog-Pose mehrfach verteidigt. Sie erfüllt einen Zweck: Hegseth verkauft Krieg als Fernsehereignis. Aber genau darin liegt auch seine Schwäche. 

Trump duldet Widersprüche, solange sie ihm nützen; er duldet schlechte Optik nur selten lange, siehe Heimatschutz-Diva Kristi Noem. Sollte die Mädchen-Untersuchung eklatantes Fehlverhalten des Pentagon wasserdicht beweisen oder die drohende Auseinandersetzung um die iranische Öl-Insel Kharg ausufern, sollte Hegseth weiter zwischen Prahlerei, Pressestreit und Zielverwirrung pendeln, kann dem Lautsprecher schnell der Ton abgedreht werden.

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