Israel weitet Angriffe im Libanon aus – Bodentruppen werden aufgestockt
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Nun also Bodenoffensive: Israel hat seine Bodentruppen im Norden Israels und im Südlibanon erheblich aufgestockt, um sein Manöver gegen die Hisbollah im Libanon auszuweiten. Es handle sich um „eine eingeschränkte Bodenoffensive in Gebieten, von denen Bedrohungen für israelische Zivilisten ausgehen“, sagte Armeesprecher Nadav Shoshani am Montag vor Journalisten.
Zwar gibt es schon seit Beginn dieser Auseinandersetzung mit der Hisbollah einen Bodeneinsatz israelischer Truppen im Südlibanon. Er war bisher allerdings auf grenznahe Gebiete konzentriert und hatte laut Armee ausschließlich „defensiven Charakter“.
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Nach einem massiven Angriff der Hisbollah auf Israel in der Nacht auf Donnerstag mit mehr als 200 abgefeuerten Raketen sieht man in Israel den Zeitpunkt für diese Offensive gekommen. Israels Bodentruppen dringen jetzt „in neue Gebiete“ vor, sagt Shoshani. Details will er nicht nennen – weder zur Frage, wie weit sich die Armee in den Norden des Libanon vorwagen will, noch dazu, wie viele Soldaten dafür mobilisiert werden.
Libanon: Israel strebt vollständige Entwaffnung der Hisbollah an
In Israel geht man von einem länger dauernden Feldzug aus – jedenfalls länger als der Krieg mit dem Iran. Das Ziel der Operation ist ambitioniert: Es geht um nichts weniger als die vollständige Entwaffnung der Hisbollah. „Die Hisbollah kann keine bewaffnete Gruppe bleiben“, sagt Shoshani.
Das erinnert an die Vorgabe im Gazakrieg, wonach man einen „vollständigen Sieg“ gegen die Hamas erreichen wolle. Aus heutiger Sicht zeigt sich: Dieses Ziel wurde verfehlt. Wie im Gazastreifen ist in manchen Gegenden des Libanon nicht immer einwandfrei trennbar, was zivil genutzt wird und was der Hisbollah dient. So werden etwa im Süden des Libanon schiitische Muslime dafür bezahlt, ihre privaten Räume zu Lagerstätten von Hisbollah-Arsenal umzuwidmen – um sie so vor den Augen der israelischen Späheinheiten zu verstecken.
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Ohne Abstimmung mit den USA ist die Offensive nicht möglich
Es stellt sich also die Frage, ob die Operation tatsächlich so „gezielt und begrenzt“ bleiben kann, wie man es derzeit in der Armee betont. Für die Menschen in den betroffenen Gebieten im Libanon bedeutet die Operation schon jetzt massive Einschnitte. Laut Schätzungen des libanesischen Roten Kreuzes wurden seit Kriegsbeginn 900.000 Menschen im Libanon zu Binnenvertriebenen.
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Wie stehen aber die USA zu einer langwierigen Libanon-Operation? Israel ist in der Abwehr des andauernden Raketenbeschusses aus dem Libanon und dem Iran auf US-Unterstützung dringend angewiesen, ohne enge Abstimmung mit Washington ist auch das Manöver im Libanon nicht denkbar.
US-Präsident Donald Trump gab an, den Kampf gegen die Hisbollah zu unterstützen. Er soll jedoch darauf drängen, die Offensive zeitlich zu begrenzen und Gespräche über ein Abkommen zwischen Israel und dem Libanon einzuleiten. Solche Gespräche könnte es schon bald geben. Sie würden die Kämpfe aber nicht unterbrechen, sondern parallel dazu geführt werden, heißt es in Israel. Die libanesische Regierung hat jedenfalls signalisiert, dass sie bereit ist, ohne Vorbedingungen direkte Gespräche über einen möglichen Waffenstillstand zu führen.
