Öl, Militär, Welthandel: Darum ist die Straße von Hormus so wichtig
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Sie gilt als Nadelöhr für den Transport von Öl aus dem Nahen Osten in die ganze Welt: die Straße von Hormus. Und kommt es in der Region zum Krieg – wie aktuell – blickt die ganze Welt auf die an ihrer schmalsten Stelle nur 33 Kilometer breite Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und damit dem Indischen Ozean verbindet.
Denn über die so wichtige Schifffahrtsroute findet ein großer Teil des globalen Ölhandels statt. Auch aktuell ist sie im Fokus: Nach den Angriffen Israels und der USA auf das Mullah-Regime unterbindet die iranische Führung faktisch den Schiffsverkehr durch die Meerenge. Sogar von der Platzierung von Unter-Wasser-Minen ist die Rede. Doch warum ist die Route so wichtig? Und was bedeutet ihr Ausfall für den Welthandel, aber auch für die Menschen in Deutschland?
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Warum ist die Straße von Hormus so bedeutsam?
Experten sehen die Meerenge an der iranischen Küste als eine der kritischsten Engstellen für den globalen Energietransport an. „Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman fließen etwa 20 bis 25 Prozent der weltweiten Ölexporte und rund ein Drittel des global gehandelten Flüssigerdgases. Etwa 21 Millionen Barrel Öl fließen täglich durch die Straße von Hormus, was etwa einem Fünftel des weltweiten Tagesverbrauchs entspricht“, erklärt die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) unserer Redaktion.
Problematisch ist, dass es nahezu keine Ausweichmöglichkeiten gibt. „Pipelines zum Export haben kaum freie Kapazität oder führen zum Roten Meer, das derzeit aufgrund der Gefahr durch Beschuss aus dem Jemen von Tankern kaum angesteuert wird“, so der Rohstoffexperte Klaus-Jürgen Gern vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel).
Wie wirkt sich eine Blockade auf den Ölpreis aus?
Allein das mögliche Szenario einer Blockade der Straße von Hormus durch den Iran sorgt immer wieder für Unruhe an den Weltmärkten. Nach dem Militärschlag Israels und der USA gegen den Iran Ende Februar 2026 hat sich das Regime in Teheran nun zu diesem Schritt entschieden – und sofort schnellten die Rohstoffpreise nach oben. Ein Barrel der Ölsorte Brent kostete am Tag nach dem Angriff mehr als 73 Dollar – ein Plus von mehr als 13 Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat. Inzwischen haben die Preise sogar die 100-Dollar-Marke überschritten.
Auch für den Iran selbst ist die Blockade heikel. „Die Sperre der Straße von Hormus würde auch die iranischen Ölexporte sowie die iranischen Importe betreffen und das Land von daher selbst wirtschaftlich stark schädigen. Ein solcher Schritt würde zudem die Länder, die trotz des US-Embargos iranisches Öl kaufen und damit das Regime stützen, massiv verärgern und die Beziehungen längerfristig beschädigen können“, erklärte IfW-Forscher Gern bevor die Route gesperrt wurde. Etwa 80 Prozent der durch die Straße von Hormus transportierten Öl- und Gasausfuhr gehen nach Asien, insbesondere nach China, Indien und Japan. Den Mullahs scheint jedoch wichtiger zu sein, Macht zu demonstrieren.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Einen möglichen Ausweg bietet die militärische Präsenz der USA in der Region: Die 5. US-Flotte hat ihren Hauptsitz in Bahrain. Amerikanische Kriegsschiffe könnten Öltanker & Co. in der Straße von Hormus schützen. In der Vergangenheit ist ein solcher Ernstfall von dort stationierten US-Soldaten gezielt trainiert worden. Bisher hat sich US-Präsident Trump aber nicht zu diesem Schritt entschieden.
Wie schlimm ist eine Blockade für die deutsche Wirtschaft?
Sichere Seewege haben für die deutsche Wirtschaft eine grundsätzliche Bedeutung: DIHK-Angaben zufolge laufen 70 Prozent des deutschen Warenhandels – darunter zwei Drittel aller deutschen Exporte – über die Meere. Schon im November 2023 hatten Angriffe der Huthi-Rebellen im Roten Meer die Verwundbarkeit der Meereshandelsströme gezeigt. Schiffsrouten wurden daraufhin verlegt. Der Umweg bedeutete mindestens 14 Tage längere Reisezeiten, sowie höhere Mehrkosten für Personal, Treibstoff und explodierende Frachtraten.
Was bedeutet die Blockade für die deutschen Autofahrer und Heizöl-Kunden?
Ganz klar: höhere Kosten. Die Preise an den Tankstellen sind enorm gestiegen. Sollte der Seeweg länger blockiert werden, könnten weitreichende Konsequenzen drohen: „Im Fall einer längeren Sperre müsste der weltweite Ölverbrauch deutlich sinken. Um dies zu bewirken, wären noch deutlich höhere Preise von vermutlich mehr als 150 Dollar nötig, die sich am Markt dann vermutlich auch einstellen würden“, erklärt IfW-Experte Gern. Dieses Szenario hätte weltweite Rezession zur Folge.
DIW-Forscherin Kemfert sieht noch immer unerledigte Hausaufgaben auf deutscher Seite: Zwar sei die Wirtschaft gegenüber fossilen Energieschocks resilienter geworden, dennoch sei die Abhängigkeit von fossilen Energien noch immer zu hoch. „Insbesondere Niedrigeinkommensbezieher würden überproportional unter steigenden Sprit- und Heizkosten leiden. Deutschland muss endlich die Energiewende konsequent umsetzen, mit mehr Elektromobilität und energetischer Sanierung von Gebäuden“, forderte Kemfert.
Was sagt die Politik?
Der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß, verweist gegenüber dieser Redaktion auf die Bedeutung der Seeschifffahrt für die Handelsnation Deutschland. „Unsere Versorgung mit Rohstoffen und lebenswichtigen Gütern läuft zu großen Teilen über den Seeweg – gerade in Krisenzeiten. Daher müssen wir Sicherheitspolitik immer auch mit Blick auf die freie und sichere Handelsschifffahrt denken“, sagt Ploß. Die Bundesregierung beobachte die Lage im Nahen Osten sehr genau und stehe im engen Austausch mit den Reedereien. „Klar ist: Handelsblockaden müssen verhindert werden, und wir setzen uns gemeinsam mit unseren internationalen Partnern für sichere Seewege ein“, so der Hamburger CDU-Politiker.
Um die Energiepreise im eigenen Land unter Kontrolle zu bringen, hat sich die Bundesregierung inzwischen dazu entschieden, Teile der nationalen Ölreserve freizugeben. Zudem soll gesetzlich geregelt werden, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Dieser Schritt muss allerdings erst noch umgesetzt werden.
Wann gab es in der Straße von Hormus zuletzt Behinderungen des Schiffsverkehrs?
Die letzten größeren Behinderungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sind mehr als drei Jahrzehnte her und fanden während des Irak-Iran-Krieges zwischen 1980 und 1988 statt. Der irakische Präsident Saddam Hussein, der auch von westlichen Ländern unterstützt wurde, begann 1984 den sogenannten „Tanker War“ mit Angriffen auf iranische Schiffe sowie auf den wichtigsten iranischen Ölterminal auf der Insel Kharg. Der Iran beschoss daraufhin irakische Tanker sowie Schiffe der mit Bagdad verbündeten Staaten. Während des „Tanker War“ wurden mehr als 300 Schiffe beschädigt. Elf Schiffe sollen gesunken sein.
