Iran-Krieg: Jetzt droht der große Preisschub bei Benzin, Gas und Flugtickets
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Seit geraumer Zeit bereits ächzen die Verbraucher in Deutschland und anderen Ländern unter spürbar gestiegenen Preisen. Mit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran könnte der nächste große Preisschub auf die Konsumenten zukommen: An den Rohölmärkten macht sich Panik breit, am Montag schossen die Notierungen an den Börsen in die Höhe.
Bleibt es dabei, werden Autofahrer an den Tankstellen noch mehr Geld für Sprit bezahlen müssen. Dabei ist der ohnehin schon so teuer wie seit Jahren nicht mehr. Doch auch andere Sektoren sind betroffen – die Flugbranche etwa, die steigende Kerosinpreise an Urlauber und Geschäftsreisende weitergeben dürfte. Womöglich steigen auch die Erdgaspreise für die Endkunden. Wir erläutern, wie es an den Märkten gerade aussieht und wie Experten in die Zukunft blicken.
Was tut sich beim Rohöl?
Nach der Eröffnung der Handelsplätze am Montag verteuerte sich Rohöl schlagartig um rund zehn Prozent. Der Druck ließ dann etwas nach, war aber immer noch beträchtlich. Ein Fass (je 159 Liter) US-Öl kostete am Nachmittag knapp 72 Dollar, was einem Anstieg um fast sieben Prozent entsprach. Ähnlich hoch war der Aufschlag bei Öl der Nordsee-Sorte Brent. Hier kostete ein Fass rund 79 Dollar. Analysten halten auch einen Anstieg auf über 100 Dollar für möglich, sollte die Konfrontation im Nahen Osten länger andauern.
Der Grund für die Panik an den Märkten: Der neue Nahost-Krieg betrifft unmittelbar mehrere führende Rohölproduzenten. Das gilt für den Iran selbst, aber etwa auch für die Öl-Weltmacht Saudi-Arabien, die als Verbündete der USA Ziel von iranischen Vergeltungsschlägen geworden ist. Zudem hat das iranische Mullah-Regime die Straße von Hormus gesperrt, Hunderte Tanker mit Öl und Flüssiggas liegen vor Anker und können die Meerenge nicht passieren. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und damit die Produzentenländer mit den Weltmärkten. Jeweils rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases wird normalerweise über diese Route transportiert.
Am Sonntag hatten die Staaten des Ölkartells Opec+ (unter anderem Saudi-Arabien und Russland) eine geringfügige Anhebung der Fördermengen ab April beschlossen. Diese Entscheidung konnte die Märkte zum Wochenstart aber nicht beruhigen.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Was tut sich an den Tankstellen in Deutschland?
Der Aufwärtstrend bei den Preisen geht weiter – und das, obwohl bei den Raffinerien rund um den Globus noch gar keine Knappheit eingetreten ist. Ein Liter Super-Benzin kostete Montagnachmittag im bundesweiten Durchschnitt 1,85 Euro und ein Liter Diesel 1,76 Euro. Laut ADAC ist Sprit derzeit so teuer wie seit dem Frühjahr 2024 nicht mehr. „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten“, sagte der Benzinmarkt-Experte des Autofahrerclubs, Christian Laberer.
Hat der Krieg auch Auswirkungen auf die Gaspreise?
Ja – zumindest bis auf Weiteres auf die Großhandelspreise. Auch die schossen am Montag in die Höhe. Durch die Blockade der Straße von Hormus könnte deutlich weniger verflüssigtes Erdgas (LNG) auf die Märkte gelangen. Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte unserer Redaktion: „Zu erwarten sind Preiseffekte auf den Weltmärkten, die auch Deutschland spüren dürfte – abhängig von der Dauer des Konfliktes.“
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Müller ergänzte: „Private Haushalte haben aber in der Regel längerfristige Verträge mit Preisgarantien.“ Versorgungsengpässe erwartet der Behördenchef allerdings nicht. „Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung eine überschaubare Rolle“, sagte Müller. „Die Gasversorgung in Deutschland ist aktuell sicher.“
Wird Fliegen teurer?
Das dürfte der Fall sein, wenn die Krisensituation länger anhält. Denn wenn Erdöl teurer wird, verteuert sich auch der Flugkraftstoff Kerosin. Die Treibstoffkosten gehören zu den größten Kostenblöcken beim Betrieb eines Flugzeugs. Steigen sie, werden die Fluggesellschaften versuchen, zumindest einen Teil davon an die Kunden weiterzureichen.
Die Aktienmärkte gehen davon aus, dass die Fluggesellschaften in nächster Zeit erheblich unter Druck geraten – zumal zahlreiche Routen gerade nicht bedient werden können. Das schlug sich am Montag bereits in den Kursen nieder: Papiere von Anbietern wie Lufthansa oder Air France-KLM verloren massiv an Wert, wobei auch die Märkte insgesamt tief im Minus standen.
Sind längerfristige Auswirkungen auf Konjunktur und Teuerung zu erwarten?
Damit muss man rechnen. Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, sagte unserer Redaktion: „Solange der Konflikt begrenzt bleibt, dürften die Folgen spürbar, aber beherrschbar sein. Eine längere Eskalation könnte jedoch Inflation und Wachstum deutlich stärker belasten.“ Unternehmen und Verbraucher spürten jetzt vor allem die steigenden Energiepreise, insbesondere beim Öl.
„Für Unternehmen bedeutet das höhere Kosten für Transport, Produktion und Logistik, weshalb besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Luftfahrt und das verarbeitende Gewerbe insgesamt unter Druck geraten“, sagte die Münchner Ökonomin. „Für Verbraucher zeigt sich der Effekt vor allem an der Zapfsäule, bei Heizkosten und mittelbar auch bei teureren Lebensmitteln oder Dienstleistungen.“ Zudem könne die Unsicherheit zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen und Investitionen belasten, ergänzte Schnitzer.
