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- gerissen – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele
gerissen
Grammatikpartizipiales Adjektiv · Komparativ: gerissener · Superlativ: am gerissensten
Aussprache [gəˈʀɪsn̩]
Worttrennung ge | ris | sen
Grundform1reißen
Wortbildung
mit ›gerissen‹ als Erstglied:
Gerissenheit
Bedeutung
eWDG , DWDS
eWDG , DWDS
häufig abwertend, gelegentlich anerkennend auf listige, raffinierte, durchtriebene Art schlau, clever und häufig sehr auf den eigenen Vorteil bedacht agierend
siehe auch ²verschlagen, ausgekocht
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein gerissener Anwalt, Bursche, Stratege, Taktiker, Betrüger, Gauner
Beispiele:
sie ist ziemlich gerisseneWDG, 1967
Er [der Politiker Matteo Renzi] hat sich selbst kürzlich als »unsympathischsten Politiker Italiens« bezeichnet, aber vor allem ist er wohl der gerissenste von allen. [Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2022]
Was sagte Kurt Tucholsky doch einst über diesen Schalk: »Schwejk lächelt freundlich, ist noch eine Kleinigkeit gerissener als die andern und nimmt nichts ernst. Und das ist das Klügste, was er tun kann!« [Leipziger Volkszeitung, 10.11.2008]
Betrug im Internet nimmt immer gerissenere
Formen an. [Thüringer Allgemeine, 30.04.2007]
Goethes satirisches Epos über die Auseinandersetzungen zwischen
Nobel, dem Löwen und König im Reich der Tiere, und seinem
gerissenen Gegenspieler Reineke Fuchs zielt mit
entwaffnender Deutlichkeit auf menschliche Schwächen. [Neue Zeit, 04.11.1992]
metonymischDie südafrikanische Sonderditch‑Mine fördert noch genug »Gold« zu Tage. Leider ist das edle Metall auf dem Weltmarkt nicht mehr viel wert. Der Aufsichtsrat heckt einen gerissenen Plan aus. Die Mine, die an ein unterirdisches Meer grenzt, soll heimlich geflutet und dann stillgelegt werden. [Hamburger Abendblatt, 06.11.2001]
●
spezieller, häufig anerkennend, gelegentlich abwertend (in geschäftlichen, beruflichen Angelegenheiten) geschickt, raffiniert (und erfolgreich) agierend
siehe auch geschäftstüchtig
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein gerissener Geschäftemacher, Geschäftsmann, Händler, Kaufmann
Beispiele:
Er [der Politiker Alexander Schalck-Golodkowski] galt als
gerissener Unterhändler mit beachtlichem
Durchsetzungsvermögen. Wirkte er normalerweise im Hintergrund, wurde er
1983 öffentlich bekannt, als er mit dem damaligen bayerischen
Ministerpräsidenten Franz‑Josef Strauß (CSU) den Milliardenkredit der
Bundesrepublik einfädelte. Doch […] 1995 begann der Prozess vor dem Berliner
Landgericht wegen des Vorwurfs illegaler Waffengeschäfte. [Aachener Zeitung, 23.06.2015]
Carl Neuburger […] war ein deutscher Bankier und Gründer des
gleichnamigen Bankhauses. […] In
Berliner Börsenkreisen galt er als gerissener
Aktien‑ und Grundstücksspekulant. […] Als Ende 1905 die seit 1901
anhaltende Börsenkonjunktur einbrach, geriet Neuburger in finanzielle
Probleme, die er durch einen Millionenkredit des Berliner Bankhauses S.
Bleichröder kurzfristig lösen konnte. [Wikipedia: Carl Neuburger (Bankier), 21.12.2022, aufgerufen 26.04.2023]
Als Hypochonder Max […]
[in dem Lustspiel] durch ein Missverständnis glaubt, seine Tage seien gezählt, »vermacht« er Hof und Ehefrau Rosa […] an den gerissenen Viehhändler Anton […]. [Fränkischer Tag, 03.12.2013]
Der legendäre Aristoteles Onassis gilt noch immer als Prototyp
des gerissenen Geschäftsmanns, der es vom
Tabakhändler zum Multimilliardär bringen kann und sich seine Freizeit
als Frauenheld vertreibt. [Basler Zeitung, 04.07.2011]
Zum Originalartikel des eWDG gelangen Sie hier.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
Etymologie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
gerissen · Gerissenheit
gerissen Part.adj. ‘schlau, durchtrieben, den eigenen Vorteil geschickt wahrnehmend’ wird in der 1. Hälfte des 19. Jhs. als Verstärkung von gerieben (s. d.) gebräuchlich. Es entspricht seiner Form nach dem Part. Prät. von reißen (s. d.), läßt sich aber an keine der Bedeutungen dieses Verbs sicher anschließen. Die Annahme einer (durch Semantik und Lautgestalt des Verbalstamms begünstigten) affektischen Analogiebildung zu synonymen Ausdrücken wie abgebrüht, abgefeimt, ausgekocht, gerieben, gewichst, gewieft, verschmitzt oder (öst.) gehaut liegt daher nahe. – Gerissenheit f. ‘Schlauheit, Geschäftstüchtigkeit’ (2. Hälfte 19. Jh.).
Bedeutungsverwandte Ausdrücke
(jemandem) ist einiges (Unerfreuliche) zuzutrauen ·
abgebrüht ·
gerissen (oft abwertend) ·
gewieft ·
schlitzohrig ●
(es) faustdick hinter den Ohren haben fig. ·
hart Abschwächung ·
mit allen Hunden gehetzt fig., selten ·
mit allen Wassern gewaschen fig. ·
verschlagen negativ ·
(auch) kein Waisenknabe (sein) ugs., fig. ·
(dem) machst du nichts vor ugs., variabel ·
abgefeimt geh., veraltend ·
abgewichst derb, abwertend ·
abgezockt ugs. ·
ausgebufft ugs. ·
ausgekocht ugs. ·
ausgepicht geh., veraltend ·
kein Engel ugs., verhüllend
| Assoziationen |
|
| Antonyme |
|
clever (Person) ·
gerissen ·
gewieft ·
listig ●
gefinkelt österr. ·
gefitzt schweiz. ·
plietsch norddeutsch ·
ausgefuchst ugs. ·
gerieben ugs.
| Assoziationen |
|
Typische Verbindungen zu ›gerissen‹ (berechnet)
Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gerissen‹.
Achillessehne
auseinander
Außenband
Betrüger
Bremsscheibe
Gauner
Geschäftemacher
Geschäftsmann
her
hin
Innenband
Keilriemen
Kreuzband
Lieferkette
Lücke
Machtpolitiker
Meniskus
Muskelfaser
Nutztier
Oberleitung
Reh
Saite
Schaf
Sehne
Seil
Syndesmoseband
Taktiker
Weidetier
Zahnriemen
Zitat
Legende:
Adverbien
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