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Nahost

USA und Iran: So wurden die Staaten zu Erzfeinden

Berlin. Einst verband Iran und USA eine enge Partnerschaft. Heute herrscht erbitterte Feindschaft – doch wie konnte es soweit kommen?
Von Athena Riegel
Eine Rauchwolke steigt nach einer Explosion in Teheran auf. © Mohsen Ganji/AP/dpa | Mohsen Ganji

Seit dem 28. Februar 2026 greifen die USA und Israel den Iran an. Warum sind die beiden Staaten seit Jahrzehnten verfeindet? Und warum ist eine Annäherung bis heute so schwierig? Ein Überblick.

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran – einfach erklärt:

In der iranischen Hauptstadt Teheran warnt ein Wandgemälde die USA vor einem militärischen Angriff: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“. Seit der Islamischen Revolution 1979 herrscht zwischen den USA und dem Iran tiefe Feindschaft. Der Iran bezeichnet die USA als „Großen Satan“ – die USA den Iran unter US-Präsident George Bush als Teil der „Achse des Bösen“.

Ein staatliches Gebäude in Teheran ist mit einer riesigen Anti-US-Plakatwand bedeckt, auf der ein symbolisches Bild des zerstörten Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“ zu sehen ist. © picture alliance / NurPhoto | MORTEZA NIKOUBAZL

Das war nicht immer so: Vor 1979 sind der Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi noch ein enger Verbündeter der USA. Die USA unterstützen das autoritäre Regime, das den Iran modernisiert, aber auch brutal unterdrückt. Der Schah kauft US-Waffen, verkauft Öl an den Westen und hat geheime Kontakte zu Israel. Die USA sehen im Iran einen stabilen Partner im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion.

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1953: Der CIA-Putsch und der Beginn des Misstrauens

Spätestens seit 1953 ist das Verhältnis zwischen den beiden Ländern getrübt. Der demokratisch gewählte iranische Premierminister Mohammad Mossadegh hatte die Ölindustrie verstaatlicht, die zuvor von britischen Unternehmen kontrolliert wurde. Großbritannien reagiert mit Sanktionen und drängt die USA zum Handeln. In der Logik des Kalten Krieges befürchten die USA zudem, der Iran könnte sich der Sowjetunion annähern.

Am 19. August 1953 stürzen die CIA und der britische Geheimdienst M16 Mossadegh in einem Putsch. Er wird verhaftet und unter Hausarrest gestellt, während der geflohene Schah Mohammad Reza Pahlavi aus dem Exil zurückkehrt und mit US-Unterstützung seine autoritäre Herrschaft aufbaut. Das Mullah-Regime sieht diesen Eingriff als Beweis des US-amerikanischen Imperialismus. „Die USA haben uns unsere Demokratie gestohlen“, sagt heute noch ein Großteil der Iraner – selbst aktuelle Regime-Kritiker.

1979: Die Islamische Revolution und die Geiselnahme von Teheran

Trotz der politischen Westorientierung des Schahs wächst in der iranischen Bevölkerung der Unmut über soziale Ungleichheit, Korruption und politische Unterdrückung. 1979 münden Massenproteste in der Islamischen Revolution, die die Monarchie stürzt. Als der Schah 1979 vor den Massenprotesten flieht, kehrt der schiitische Geistliche Ajatollah Ruhollah Chomeini aus dem Pariser Exil zurück und und gründet am 1. April die „Islamische Republik Iran“. Er prägt in den Folgejahren die Parole vom „Großen Satan“ und macht die US-Feindschaft zur Staatsdoktrin.

Ein Geisel wird am 9. November 1979 mit verbundenen Augen und gefesselten Händen aus der US-Botschaft geführt. © picture alliance / AP Photo | Anonymous

Wie groß die USA-Abneigung damals schon ist, zeigt sich am 4. November 1979. Etwa 400 militant-islamische Studenten besetzen die US-Botschaft in Teheran und nehmen 52 amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter als Geiseln. Bald stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht um eine spontanen wütenden Mob handelt, sondern wohlmöglich vom Regime geplant ist. Zumindest unterstützt Revolutionsführer Chomeini die Geiselnehmer und fordert eine Auslieferung des Schahs, der in einem US-Krankenhaus liegt.

Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen ab, verhängen Sanktionen und frieren iranische Vermögenswerte ein. Ein von US-Präsident Jimmy Carter angeordneter Befreiungsversuch am 24. April 1980 scheitert. Erst mit der Amtseinführung von US-Präsident Ronald Reagan im Januar 1981 werden die Geiseln nach 444 Tagen freigelassen. Bis heute erinnern US-Politiker an dieses Ereignis, wenn es um die schlechten Beziehungen der beiden Länder geht.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Der Atomstreit: Worum geht es im Konflikt wirklich?

Seit den 2000er-Jahren steht das iranische Atomprogramm im Zentrum des Konflikts. Unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad treibt der Iran die Urananreicherung voran. Teheran betont, das Programm diene nur zivilen Zwecken, doch die USA und ihre Verbündeten befürchten, der Iran strebe nach Atomwaffen. Die Folge sind harte internationale Sanktionen, die die iranische Wirtschaft in eine tiefe Krise stürzen.

Mahmud Ahmadinedschad war von 2005 bis 2013 Präsident des Iran. Bei den Angriffen auf Teheran ist Mahmud Ahmadinedschad vor wenigen Tagen getötet worden. © Polaris/laif | Polaris/laif

2015 scheint eine diplomatische Lösung möglich: Unter US-Präsident Barack Obama einigen sich der Iran, die USA, europäische Staaten, China und Russland auf das Atomabkommen (JCPOA). Der Iran verpflichtet sich, sein Atomprogramm einzuschränken, im Gegenzug werden Sanktionen gelockert.

Doch 2018 steigt Präsident Donald Trump aus dem Abkommen aus und verhängt neue, härtere Sanktionen. Seither sind Verhandlungen über eine Wiederbelebung des Abkommens gescheitert.

2020: Die Tötung Soleimanis – ein Wendepunkt

Am 3. Januar 2020 töten die USA bei einem Drohnenangriff in Bagdad den iranischen General Qasem Soleimani, Kommandeur der Quds-Brigaden der Revolutionsgarden. Soleimani gilt als Architekt des iranischen Einflusses im Irak, in Syrien und im Libanon. Der Iran antwortet mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak. Ein direkter Krieg bleibt aus.

Ghassem Soleimani, General der iranischen Al-Kuds-Brigaden, stirbt bei einem Drohnenangriff Anfang 2020. © Uncredited/Office of the Iranian Supreme Leader/AP/dpa | Uncredited

Eskalation 2025: Operation „Midnight Hammer“ und die gescheiterte Waffenruhe

In der Nacht auf den 22. Juni 2025 starten die USA die Operation „Midnight Hammer“. Die US-Luftwaffe bombardiert drei wichtige iranische Atomanlagen, um die nuklearen Fähigkeiten des Iran zu zerstören. Die USA begründen den Angriff mit der „akuten Bedrohung durch Irans Atomprogramm“ und der „Unterstützung für Terrorgruppen in der Region“.

Im Juni 2025 bombardiert die US-Luftwaffe iranische Atomanlagen. © AP/dpa | Alex Brandon

Nur zwei Tage später, am 24. Juni 2025, kündigen die USA eine Waffenruhe an, die am 25. Juni 2025 in Kraft tritt. Der israelisch-iranische Krieg endet nach zwölf Tagen. Doch die Pause nutzt der Iran, um seine militärischen Kapazitäten wieder aufzubauen und seine Stellvertreter im Libanon, Jemen und Irak zu stärken. Die USA warnt, dass weitere Angriffe folgen würden, falls der Iran sein Atomprogramm nicht einstelle.

Aktuelle Eskalation seit Februar 2026: Angriffe auf Atomlagen und US-Stützpunkte

Seit dem 28. Februar 2026 führen die USA und Israel Luftangriffe auf den Iran durch. US-Präsident Trump betont, dass die Angriffe eine Reaktion auf die „unmittelbare Bedrohung durch das iranische Regime“ seien.

Ziel der Operation sei es, die nukleare Infrastruktur des Iran zu zerstören und die Führung in Teheran zu schwächen. Bei den Angriffen wurden führende Vertreter der iranischen Militärführung getötet, darunter der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei und Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Der Iran reagiert mit massiven Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie auf israelische Städte. Die USA bestätigen, dass vier US-Soldaten getötet und mehrere Militärbasen beschädigt wurden. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth warnt vor weiteren Angriffen und kündigt an, die Militäroperationen könnten „noch Wochen dauern“. Trump droht, die „große Welle“ wird erst noch kommen.

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