Krieg in Nahost: Wer kämpft gegen wen – und warum?
weitere Videos
Selbst die USA und Israel hätten vor ihrem Angriff auf den Iran wohl nicht damit gerechnet, was für eine Kettenreaktion der Gewalt sie auslösen würden. Denn als Rache für die Attacke hat der Iran nicht nur Raketen auf Israel abgefeuert, sondern auch zahlreiche weitere Länder ins Visier genommen. Vielfach galten die Angriffe zwar US-Militärbasen – zum Teil wurden aber auch andere Ziele getroffen.
Angesichts der vielen Akteure kann man schnell den Überblick verlieren. Wer kämpft gegen wen? Welche Staaten sind vom Krieg im Nahen Osten betroffen? Und was sind die Gründe für die Gewalt? Unsere Karte zeigt die zahlreichen Akteure und wer wen angegriffen hat (Stand: 7. März):
USA und Israel greifen Iran an
Auslöser für die Gewalt waren Angriffe der USA und Israels auf den Iran. Sie begannen am 28. Februar und dauern bis heute an. Dabei ist es den Alliierten gelungen, Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei und mehrere weitere Militärvertreter zu töten. Wie viele Menschen im Iran durch die Angriffe umgekommen sind, lässt sich nur schwer beantworten, weil es vor Ort keine unabhängigen Journalisten oder NGOs gibt. Offiziellen iranischen Angaben zufolge, die allerdings nicht verifiziert werden können, soll es jedoch mehr als 1200 Opfer geben (Stand: 7. März).
Israel und die USA begründen den Angriff auf den Iran mit dem Selbstverteidigungsrecht Israels. Der Staat sei durch das iranische Raketen- und Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. Auch US-Präsident Trump sprach vom Mullah-Regime als Bedrohung für die Sicherheit der USA. Experten kritisieren die Attacken jedoch als Verstoß gegen das Völkerrecht.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Nicht ignoriert werden darf die Lage im Iran. Dort ging das Regime zuletzt gewaltsam gegen Regierungskritiker und Demonstranten vor, Tausende wurden getötet. Der Wunsch nach einem Regimewechsel dürfte die USA und Israel daher ebenfalls beeinflusst haben.
Iranische Angriffe auf Israel
Der Iran hat schnell auf den Angriff reagiert und zahlreiche Raketen auf Israel abgefeuert. Auch Kampfdrohnen sind im Einsatz. Sie sollen die moderne israelische Raketenabwehr schwächen. In Israel gibt es ständig Raketenalarm, Millionen Menschen müssen sich immer wieder in Schutzräume begeben. Offiziellen Angaben zufolge wurden inzwischen elf Menschen getötet (Stand: 7. März). Schäden an militärischen Anlagen und sensiblen Einrichtungen sind wegen der Militärzensur im Land kaum überprüfbar.
Gewalt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon
Nachdem bekannt wurde, dass der iranische Führer Ali Chamenei tot ist, hat die vom Iran unterstützte, islamistische Hisbollah-Miliz Israel aus dem Libanon heraus angegriffen – zum ersten Mal seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024. Im Gegenzug startete Israel Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut und andere Gebiete des Landes. Große Teile der Vororte Beiruts, des Südens und des Ostens des Landes wurden als mögliche Angriffsziele markiert, Hunderttausende Menschen wurden zur Flucht aufgerufen.
Ziele der aktuellen Angriffe sind nach israelischen Militärangaben Waffenlager und Infrastruktur der Hisbollah sowie ranghohe Mitglieder der Miliz, explizit auch Anführer Naim Kassim. Mehr als 120 Menschen wurden nach libanesischen Angaben seit der jüngsten Eskalation getötet und knapp 700 verletzt (Stand: 7. März).
Iran nimmt seine Nachbarn ins Visier
Ebenfalls als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA hat der Iran zahlreiche Länder im Nahen Osten ins Visier genommen. Hunderte Raketen und Drohnen wurden gezählt, die Flugabwehr der Länder hat den Großteil der Angriffe abgefangen. In vielen Fällen waren in den Ländern Militärbasen westlicher Staaten, allen voran der USA, das Ziel. Zum Teil wurden aber auch zivile Infrastruktur, Hotels oder Wohnhäuser getroffen. Iranische Angriffe gab es bisher (Stand: 7. März) auf:
- Bahrain
- Jordanien
- Katar
- Kuwait
- den Oman
- Saudi-Arabien
- die Vereinigten Arabischen Emirate (z. B. Dubai)
Schon seit Längerem ist der Iran mit zahlreichen arabischen Ländern verfeindet. Das hat – zumindest vordergründig – religiöse Gründe. Denn im Islam gibt es zwei Hauptströmungen: Schiiten und Sunniten. Während im Iran vor allem Schiiten leben, sind es in Ländern wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor allem Sunniten.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Iran mit Angriffen auf Kurden
Schon mehrfach haben kurdische Milizen im Irak und in Syrien in der Vergangenheit an der Seite der USA gekämpft – etwa gegen den sogenannten Islamischen Staat. Inzwischen gibt es auch Gerüchte, dass es gegen den Iran zu einer Kooperation kommen könnte. Fest steht, dass die irakischen Kurden zahlreiche Kämpfer an der rund 1500 Kilometer langen Grenze zum Iran stationiert und teilweise auch Verbindungen zur kurdischen Minderheit im Iran haben.
Dem Mullah-Regime scheint das auszureichen: Sowohl in Syrien als auch im Irak gab es inzwischen iranische Angriffe auf kurdische Ziele. So feuerten die Mullahs nach eigenen Angaben Raketen auf das Hauptquartier der kurdischen Einheiten im Irak ab.
Auch interessant
Auch EU- und Nato-Staaten vom Iran angegriffen
Zudem gab es mehrere iranische Angriffe auf Länder außerhalb des Nahen Ostens, zum Teil Mitglieder der EU oder der Nato.
- Aserbaidschan: Zwei mutmaßlich iranische Drohnen sind bisher in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan (grenzt an den Iran und Armenien) eingeschlagen. Baku verurteilte die Angriffe, der Iran dementiert, für die Angriffe verantwortlich zu sein.
- Türkei: Die Nato hat nach eigenen Angaben eine Rakete abgefangen, die den Luftwaffenstützpunkt İncirlik im Süden der Türkei treffen sollte. Dort sind rund 1500 US-Soldaten stationiert. Kurios: Der türkische Präsident Erdoğan verurteilt derweil den Angriff der USA und Israels auf den Iran – er unterhält gute Beziehungen zu Teheran.
- Zypern: „Wir werden Zypern mit solcher Intensität mit Raketen beschießen, dass die Amerikaner gezwungen sein werden, die Insel zu verlassen“, sagte der iranische Brigadegeneral Ebrahim Jabbari über das EU-Land. Ein erster Drohnenangriff auf einen britischen Militärstützpunkt auf Zypern hat bereits stattgefunden, allerdings ohne größere Schäden. Aktuell wird davon ausgegangen, dass die Drohne von der Hisbollah-Miliz im Libanon gestartet wurde.
Lesen Sie dazu: Nato reagiert auf Angriffe des Iran – Ziehen die Mullahs Europa in den Krieg?
mit dpa
