Dieselknappheit als globales Problem: Wie Indien und Asien den Preis hochtreiben
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Vier Jahre nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs holt den Weltmarkt ein bekanntes Problem ein: Diesel ist knapp. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dieser Redaktion vorab vorliegt, fehlen mit der Blockade der Straße von Hormus etwa 15 Prozent des angebotenen Rohöls. Denn bis zum Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Reaktion passierten jeden Tag knapp 15 Millionen Barrel Rohöl die nur rund 50 Kilometer breite Meerenge, während weltweit 100 Millionen Barrel verbraucht wurden.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich an den Märkten. Seit Beginn des Konflikts am Persischen Golf ist der Preis für Diesel stark gestiegen. Am 23. März kostete ein Liter Diesel an der Londoner Börse 0,93 Euro – vor Beginn der Kämpfe am Persischen Golf waren es 0,58 Euro. Gleichzeitig ist der Dieselpreis stärker gestiegen als der Preis für Benzin: Die Preisdifferenz liegt inzwischen bei rund 25 Cent pro Liter, wie die IW-Analyse zeigt.
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Diesel und Kerosin: Versorgungsengpässe verschärfen aktuelle Krise
In Deutschland reagiert die Politik auf die Preisexplosion: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gab als erste Lösung die strategischen Ölreserven frei. Laut IW ist dies ein „adäquater Schritt“, jedoch könnte die lokale Politik nur wenig die aktuelle Lage beeinflussen. Der Grund: Einen viel gravierenderen Mangel als beim Rohöl erlebt die Welt gerade bei den daraus hergestellten Produkten wie Diesel und Kerosin.
Damit diese Stoffe aus Erdöl hergestellt werden können, braucht es Raffinerien. Und damit ein Land sie exportieren kann, benötigt es nicht nur eine Versorgung mit Rohöl, sondern auch freie Raffineriekapazitäten. Ein Vergleich mit 2022 zeigt laut IW, dass die aktuelle Situation noch schwieriger zu lösen ist. Während vor vier Jahren die durch den Ausfall russischer Lieferungen entstandene Lücke im Wesentlichen mithilfe von Raffinerien am Golf und in Indien gefüllt wurde, fallen aktuell gerade diese Lieferungen aus.
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Ölpreis: Rohölknappheit in Asien und Indien treibt die Preise hoch
Denn hier wirkt eine regionale Komponente: Das über die Straße von Hormus exportierte Öl hat laut IW zum allergrößten Teil asiatische Länder als Abnehmer. Die größten Empfänger waren demnach China, Indien, Japan und Südkorea. Die ersten beiden haben laut IW bereits jetzt Exportverbote erlassen. „Jeden Tag passierten fünf Millionen Tonnen verarbeitete Mineralölprodukte die Straße von Hormus – und diese Lieferungen fallen jetzt aus.“
Das hat zur Folge, dass die asiatischen Länder anders als in Europa eine wirkliche Knappheit an Rohöl haben und so „zu fast jedem Preis Rohöl“ einkaufen, heißt es in dem IW-Bericht. Die für Asien wichtige Ölsorte Murban kostete am 23. März über 145 Dollar pro Fass. Die asiatischen Länder fangen daher auch an, freie Mengen anderer Sorten zu kaufen. „Das ist die Quelle des Preisanstiegs, den wir heute an den Preisen des in Europa vorherrschenden Nordseeöls (Brent) ablesen können.“ Weil Asien nun verzweifelt nach Rohöl sucht, geraten auch die für Europa wichtigen Sorten unter Druck.
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Sollte sich die Blockade der Straße von Hormus nicht spürbar entspannen, verschärfe sich der globale Wettbewerb um Rohöl. Laut dem IW lassen sich die stark gestiegenen Kosten kaum abfedern, es ist daher mit spürbaren Effekten auf die Verbraucherpreise zu rechnen.
