Forster 1791 Kl. Schr. 163
daß wenn
Plato die Dichter aus seiner Republik verbannt
wissen wolte, eine der jetzigen gerade entgegengesetzte Tendenz seines Publikums ihm zu diesem
Urtheil Anlaß gegeben habe;
Müller 1792 Herr Th.
IV 5
Eine gemeinschaftliche Tendenz;
Schiller
1792–93 Kallias (H. IX 191)
Soll also eine
poetische Darstellung frei sein, so muss der
Dichter „die Tendenz der Sprache zum Allgemeinen durch die Grösse seiner Kunst überwinden, und den Stoff (Worte und ihre Flexions- oder Konstruktionsgesetze) durch die Form (nämlich die Anwendung derselben) besiegen“ ... Die
Natur des Mediums dessen der Dichter sich bedient, besteht also „in der Tendenz zum Allgemeinen“, und liegt daher mit der Bezeichnung des
Individuellen ... im Streit;
Herder 1793 Br. (17)
27
sondern die ewige Tendenz der waltenden lebendigen Kraft geht dahin, aus dem schädlichsten
Gift die kräftigste Arznei zu bereiten;
Schiller
1794–1805 Br. III 124
Sie gewöhnen mir immer
mehr die Tendenz ab, vom Allgemeinen zum Individuellen zu gehen (KEHREIN);
Goethe 1794–
1805 Br. II 191
Wenigstens ist die demokratische
Tendenz eines so rein aristokratischen Quellwassers einzig in ihrer Art (KEHREIN);
Schiller
1794 (17) 448
geht die Tendenz des Gemüts mehr
auf Begriffe als auf Anschauungen;
ders. 1795
Dichtung (H. XII 145)
Wenn daher der Realist in
seinen politischen Tendenzen den Wohlstand bezweckt;
ders. 1796 Nutzen (H. XII 156)
Der
sinnliche Trieb ... Diese Tendenz unserer Begehrungskraft ... steht mit unserer sittlichen Bestimmung im Streite;
Herder 1796 Br. (18) 20
So
unentbehrlich dem Menschen diese Tendenz nach
dem Vortreflichsten und Vollkommensten ist;
1798 Athenäum I 2, 56
Die Französische
Revoluzion, Fichte's Wissenschaftslehre, und
Goethe's Meister sind die grössten Tendenzen des
Zeitalters;
Görres 1800 Polit. Schr. I 58
müßte die
Tendenz des Ganzen ebenfalls eine intellectuelle
... werden;
Brun 1806 Episoden I 241
und man
kann selbst eine etwas genauere Wirtschaft nur
greifen, deren Resultat eine allgemeine Tendenz zu
stiller prunkloser Wohltätigkeit ist;
Jung-Stilling
1808 Geisterkde. 142
er empfindet das, wofür seine
Seele eine Tendenz hat;
Steffens 1817 gegenwärtige
Zeit I 28
Haupttendenzen der ganzen Entwicklung
der germanischen Geschichte;
Lotz 1822 Staatswirthschaftslehre II 19
muss fremdes Eigenthum
... nach dem Wesen und der Grundtendenz des
bürgerlichen Lebens doppelt heilig seyn;
Schiller
1822–26 (S. W. XVIII 61)
Beim ersten Anblick
scheint nichts einander mehr entgegengesetzt zu
sein, als die Tendenzen dieser beiden Triebe (des
sinnlichen Triebes und des Formtriebes), indem
der eine auf Veränderung, der andere auf Unveränderlichkeit dringt (KEHREIN);
Queillon 1828
Vermittlung I 102
Die doppelte Tendenz des Zeitalters, Alles zersetzen und zergliedern zu wollen,
und den Gefühlen, als wären sie Schwächen oder
Gebrechen der menschlichen Natur, den Krieg zu
erklären, hat auch einen nachtheiligen Einfluss auf
die Religion ausgeübt;
Wit v. Dörring 1830 Fragmente I 48
aber dennoch glaubte er im ganzen
Benehmen Rußlands eine entschieden unfreisinnige
Tendenz mit vielen Consequenz durchgeführt zu
entdecken;
Ranke 1835 Briefwerk 271
inneren
Umwandlungen der geistlich weltlichen Tendenzen der Welt, wie sie von Epoche zu Epoche
erschienen;
ders. 1836 Gespräch 38
Alle die
Staaten, die in der Welt zählen und etwas bedeuten, sind erfüllt von besonderen, ihnen eignen
Tendenzen ... Vielmehr sind jene Tendenzen
geistiger Art, und der Charakter ihrer Mitbürger
wird dadurch bestimmt, ihnen ... aufgeprägt;
Schlesier 1836 Obd. Staaten 23
den öffentlichen
Frieden zu sichern, Gesellschaft und Staat auflösende Tendenzen zurückzuweisen und das Vertrauen wieder herzustellen;
Bismarck 1849 Br. 145
der Antrag ist schlecht in seiner Tendenz;
Ranke
1854 Epochen W. G. IX 2, 4
dass diese grossen
geistigen Tendenzen, welche die Menschheit beherrschen, sich bald auseinander erheben, bald aneinander reihen. In diesen Tendenzen ist aber
immer eine bestimmte particuläre Richtung,
welche vorwiegt und bedingt, dass die übrigen zurücktreten;
ebd. IX 2, 7
Ich kann also unter
leitenden Ideen nichts anderes verstehen, als dass
sie die herrschenden Tendenzen in jedem Jahrhundert sind. Diese Tendenzen können indessen
nur beschrieben, nicht aber in letzter Instanz in
einem Begriff summiert werden ... Der Historiker hat nun die grossen Tendenzen der
Jahrhunderte auseinanderzunehmen und die grosse
Geschichte der Menschheit aufzurollen, welche
eben der Complex dieser verschiedenen Tendenzen
ist;
ebd. IX 2, 233
Ich würde als leitende Tendenzen unserer Zeit aufstellen: die Auseinandersetzung beider Principien, der Monarchie und der
Volkssouveränität;
Lotze 1857 (III 328)
Wirkungstendenzen der Seele;
Suttner 1896 High-life 69
Jeder Gedanke ist eine Tendenz zur That; sobald
zwischen Vorstellung und Ausführung kein
Hindernis, keine Gegenvorstellung eintritt, verwirklicht sich die Idee;
Büchner 1898 Sterbelager
183
trotz allem Fortschritt der Wissenschaft ...
eine Neigung reaktionärer Tendenzen auf fast allen
Gebieten menschlichen Seins und Denkens;
Waetzoldt 1905 Kunstwerk 9
Nach Fechner steht
das gesamte Naturgeschehen unter dem Prinzip
der „Tendenz zur Stabilität“;
Becker 1914 Deutschland 7
die historischen Tendenzen der russischen
Politik;
Lissauer 1919 Aufs. (I 51)
ästhetischen und
politischen Tendenzen der gegenwärtigen literarischen Jugend;
Federer 1926 Papst 327
ein belesener ... Mann von leisen liberalen Tendenzen
(WDG);
Spranger 1927 Lebensformen 407
Es
scheint, als ob eine „Kultur“ in gleichem Sinne
eine geistige Entwicklungstendenz in sich trage,
wie wir es von der Entwicklung der Lebensstufen
des Individuums behaupten;
1929 Handb. d. Englandkunde II 119
Tendenz zur Rationalisierung;
Sombart 1930 Nationalök. 274
Unter Tendenz
können wir verstehen: ein in die Zukunft projiziertes Geschehen;
Gallian 1934 österr. Soldat 99
Zerstörungstendenzen;
Bertololy 1941 Heimkehr
25
denn der Strom des Lebens, die Tendenz aller
Entwicklung zog unaufhaltsam und alles mitreissend vorwärts, der Zukunft, dem Neuen entgegen;
Neue Ztg. 1. 3. 1950
Diese Pariser Zeichnungen sind sogenannte „Tendenzskizzen“. Sie
geben charakteristische Züge der kommenden
Mode wieder, ohne auf Details einzugehen;
Englert-Faye 1952 Goethe 133
[wirtschaftliche] Sicherungstendenz;
1956 Kluckhohn-Festschr. 151
Begriffe wie „Schule“, „Richtung“, „Strömung“,
„Tendenz“;
Wandruszka 1956 Haus 15
innere
Problematik des Habsburgerreiches, dessen Aufbau und Herrschaftsidee ... mit den „Zeittendenzen“ im Widerspruch stand;
Sieburg 1963 Paris
35
die Widerstandskraft des Parisers gegen die
standardisierende Tendenz der Großstadt ist gewaltig (MÜLLER);
Auto 8 (1965) 21
Ganz unvermittelt aber kehrt sich diese Tendenz um ...
Durch die Reifenwahl läßt sich dieser Tendenz entgegenwirken (MÜLLER);
Münch. Merkur 20. 7.
1967
Eine Umfrage ergab, daß bei vielen Firmen in
Nordrhein-Westfalen Aushilfsstellen dem Rotstift
zum Opfer fielen. Eine „rückläufige Tendenz“
melden Niedersachsen und Bremen;
Offenburger
Tagebl. 15. 9. 1967
Einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung in allen Ländern der Sechsergemeinschaft sagte der französische Vizepräsident
der Europäischen Kommission ... voraus [und]
erklärte ... daß die Wiederbelebungstendenzen in
der Bundesrepublik ihren Ausgang nehmen;
Fotomagazin 8 (1968) 16
Auch auf Fotoausstellungen
ist diese Tendenz spürbar (MÜLLER);
Offenburger Tagebl. 28. 10. 1970
Tendenzänderungen
(Überschr.) Baden-Württemberg erlebte ein hochpolitisches Wochenende. Parteitage von CDU und
SPD ... setzten deutliche Akzente;
FAZ 6. 11.
1970
Als gefährlich bezeichnete er auch die zunehmenden sozialistischen Tendenzen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik.