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Deutsches Fremdwörterbuch
Telepathie
1. Aufl. Band 5 (Kirkness u. a. 1981)
F. (-; ohne Pl.), im späten 19. Jh. entlehnt aus gleichbed. engl. telepathy (Myers 1882), zurückgehend auf griech. τῆλε (→ Teleskop) und παθεῖν ‘eine Einwirkung von außen erfahren (und darunter leiden)'; im Bereich der Parapsycho­logie in der Bed. ‘direkte, d. h. ohne Vermittlung der Sinnesorgane stattfindende Übertragung geistig-seelischer Vorgänge (Gedanken, Wünsche, Gefühle) von einer Psyche auf eine andere; Gedankenübertragung, Hellsehen, Fernfühlen’, auch abgeflacht verwendet für ‘unmittelbare Verständigung; seelische Nähe; Einfühlsamkeit’; vgl. daneben Telekinese ‘mechanisch unerklärbare (durch ein Medium bewirkte) Bewegung von Gegenständen’, Telästhesie ‘Wahrnehmung von räumlich und zeitlich Entferntem/Verborgenem ohne Vermittlung durch die Sinneswahrnehmung’; dazu seit Anfang 20. Jh. die wohl unter engl. Einfluß aufgekommene adj. Ableitung telepathisch ‘die Telepathie betreffend, zu ihr gehörig; auf Telepathie beruhend, auf dem Wege der Telepathie; hellseherisch’ und seit früherem 20. Jh. das wohl aus gleichbed. engl. telepath (Rückbildung zu telepathy) entlehnte Subst. Telepath M. (-en; -en) ‘für Telepathie empfänglicher Mensch, Medium; Hellseher’.

Belege

zu Telepathie (17)
Dtsch. Rundschau 46 (1886) 30
Telepathie und Geisterseherei in England (Überschr.) „Telepathie“ ist ein neues Wort, dem Niemand ansehen kann, was es bedeuten soll. Es kommt aus England und findet in Deutschland keine freundliche Aufnahme; aber es läßt sich nicht verdeutschen. Vielleicht wird es eben deshalb sich einbürgern, wie „Teleskopie“, „Telegraphie“ und „Telephonie“, die durch „Fernsehen“, „Fernschreiben“, „Fern-Hören, -Tönen und -Sprechen“ nur unvollkommen wiedergegeben werden. „Telepathie“ soll im Allgemeinen eine geistige Fernwirkung bezeichnen, man könnte sagen: ein Fernfühlen, Fernwollen, Ferndenken, ein Afficirt­werden durch das Fühlen, Wollen, Denken eines Anderen ohne die Möglichkeit eines materiellen Vermittlers, ohne irgendein Verständigungsmittel wie etwa die Sprache, Zeichengebung oder Berührung;
Wollny 1890 Telepathie und Hypnotismus
(Titel);
1896 Naturwiss. Wochenschr. 11
Gedankenübertragung („Telepathie“);
Henne-am Rhyn 1897 Kulturgesch. VII 440
Telepathie und Geisterseherei;
Büchner 1898 Sterbelager 190
Telepathie oder Fernwirkung des Gedankens ohne materielle Vermittlung;
Stimmen d. Zeit 76 (1909) 279f.
Wirklich wird heute viel von „Telepathie“ gesprochen. Aber nicht immer hat dieses Wort den gleichen Sinn. Es gibt Männer, die einen unmittelbaren Verkehr von Seele zu Seele annehmen ... Andere Vertreter der Telepathie nehmen bloß Einflüsse an, die auf dem Umwege von Körper zu Körper sich vollziehen;
ebd. 77 (1909) 13
Kurz das ganze Gebiet der Gedankenübertragung oder sog. Mentalsuggestion, des Hellsehens in der Hypnose und außerhalb derselben, das ganze Gebiet der Ankündigungen und zweiten Gesichte, all das heißt zuweilen heute Telepathie ... Nach Analogie der Kunstausdrücke Telegraphie, Telephonie usw. besagt er [der Ausdruck Telepathie] ... so viel als „in die Ferne“ oder vielmehr „aus der Ferne leiden“, mit andern Worten Fernwirkung im passiven Sinne;
Wasielewski 1922 Telepathie und Hellsehen
(Titel);
Schmitz 1926 Dämon 335
Kann das Telepathie sein? ... Ich bin dankbar weil Sie mich verstehen! ... Ja, ich kann wohl aus Büchern lernen, aber keiner steht mir lebendig gegenüber und gibt mir so wie Sie Wort für Wort geboren aus seinem Munde;
ZfMenschenkunde 3 (1927/28) 239
Die ungeheuren Fortschritte, die der Okkultismus in allen seinen Zweigen im Lauf der letzten Jahre gemacht hat, geben davon ein beredtes Zeugnis; die Probleme des Hypnotismus und der Suggestion, der Telepathie und des Hellsehens, der Odlehre und der Materialisations­phänomene, der Wünschelrute und des siderischen Pendels, der Physiognomik und Phrenologie, der Graphologie und Chirologie;
ebd. IV 118
Große physikalische Medien, die auf den Gebieten der Telekinese und Teleplastik hervorragend sind, pflegen nicht gleichzeitig ebenso bedeutende Leistungen des psychologischen Mediumismus wie Telepathie und Television aufzuweisen;
Friedell 1931 Kulturgesch. III 572
die nur noch von unwissenden Gelehrten und zwangsläufigen Freidenkern ... angezweifelten Tatsachen der Para- oder Metapsychologie ... die Telepathie, die Übertragung seelischer Zustände ohne Vermittlung unserer sinnlichen Ausdrucksorgane; das Hellsehen, die Gabe, Erscheinungen auf weite Entfernungen zu erkennen ... die Psychoskopie ... die Telekinese ... der Apport ... die Levitation ... die Materialisationen und Spukphänomene;
Moser 1935 Okk. I 475
Die Anerkennung der Telepathie war der erste Schritt ins Okkulte, die Anerkennung der Telästhesie in Form von Kryptoskopie mit der sogenannten Sinnestransposition der zweite;
Münch. N. N. 5. 8. 1938
Erweiterung des seelischen Horizonts? Versuche des Hellsehens (Überschr.) Wir wissen seit einigen Jahren aber auch, daß die lebenden Seelen untereinander gleichfalls ohne Inanspruchnahme der Sinnesorgane, miteinander in Verbindung treten können ... Ohne ein Wort verlauten zu lassen oder zu schreiben, kann eine Person einer andern über Meilen hinweg ihre Gedanken, ihren Willen mitteilen ... Diese durch zahlreiche Untersuchungen erhärteten Tatsachen erscheinen uns heute ebenso begreiflich, wenn auch nicht weniger geheimnisvoll als die Wunder des Radios. Dort wie hier arbeiten aufeinander abgestimmte Sender und Empfänger einander in die Hände. Das ist Telepathie;
Hellpach 1951 Sozialpsych. 15
Wirkungs­wege von Menschenseele zu Menschenseele (Überschr.) die Namen dafür sind sehr verschieden, man spricht von „Telepathie“, „okkulten Vorgängen“, „parapsychischen Vorgängen“;
Lange-Eichbaum 1956 Genie 66
Und Barolin spricht sogar von einem sechsten, dem Inspirationssinn, wobei er als eine Abart der Inspiration Hellsehen und Telepathie ansieht;
1958 Dies. Univ. VI 81
Man hat versucht, die Telepathie als eine Art „Radio des Gehirns“ zu erklären.
zu Telepath (3)
Colerus 1929 Kaufherr 306
und fragte nur an zwei Stellen, an denen das Stottern des Diktierenden auch für einen Telepathen unverständlich gewesen wäre;
Lokal-Anz. 29. 1. 1933
Tatsache war folgendes: dem Telepathen wurden die Halbkugeln eines völlig undurchsichtigen Gummiballes mit Leukoplast auf die Augen geklebt. Darüber eine dicke Wattelage, darüber zwei Taschentuchbinden. So setzte Kara-Iki sich ans Steuer – eine unparteiische Kommission neben sich ... das Experiment als gelungen zu bezeichnen! (Ob es mit Telepathie etwas zu tun hat, ist eine zweite Sache.) Der „blinde“ Mann am Steuer nahm die Kurven tadellos und fuhr mit gut 40 Stundenkilometer;
„Duden“-Sammlung 1934
Der markanteste Hellseher und Telepath (Gedan­kenleser) der letzten Jahre war der Tscheche Herschmann Steinschneider ... Seine Erfolge erklären sich aus der ungemein starken Suggestivkraft, die er auf Menschen auszuüben vermochte.
zu telepathisch (8)
Zander 1904 Neue Welt 115
das Auge ... das wohl bemerkend, welche Gefahr seinem Schützling drohte, sich auf sie gerichtet hatte. Als ob sein telepathischer Zuspruch sie mit neuer Kraft erfüllt, sang sie auch die letzte Strophe so innig und so warm zu Ende, daß die Zuhörer ... mit ihrem Beifall nicht kargten;
Stimmen d. Zeit 77 (1909) 21
Daß Donna Maria trotz aller Vorsichtsmaßregeln schlau genug war, mit Angelina sich ganz anders als „telepathisch“ in Verbindung zu setzen;
Dominik 1928 Uraniden 78
telepa­thischen;
Colerus 1929 Kaufherr 189
Da jedoch unsre Gespräche mehr als einmal in Schlingen liefen und wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrten, da weiters Margit und ich uns vieler Formeln, Beziehungen und sogar einer Art telepathischer Kurzsprache bedienten, die für jeden Dritten unverständlich wäre, sehe ich keine Möglichkeit, dieses Gespräch aufzuzeichnen;
Dtsch. Rundschau 56 (1929) 245
Der zweite Roman, der die tele­pathischen Auswirkungen eines dämonisch besessenen Menschen, die Entkörperlichung eines spiritistisch behandelten Mediums ... auf andere Menschen ... vorträgt;
Friedel 1931 Kulturgesch. III 528
das telepathische Theater;
Geopolitik 11 (1934) 3
telepathisches Ferngefühl;
Flake 1960 Abend 35
telepathischer Meldungen.
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