Dtsch. Rundschau 46 (1886) 30
Telepathie und Geisterseherei in England (Überschr.)
„Telepathie“ ist ein neues Wort, dem Niemand
ansehen kann, was es bedeuten soll. Es kommt aus
England und findet in Deutschland keine freundliche Aufnahme; aber es läßt sich nicht verdeutschen. Vielleicht wird es eben deshalb sich
einbürgern, wie „Teleskopie“, „Telegraphie“ und
„Telephonie“, die durch „Fernsehen“, „Fernschreiben“, „Fern-Hören, -Tönen und -Sprechen“
nur unvollkommen wiedergegeben werden. „Telepathie“ soll im Allgemeinen eine geistige Fernwirkung bezeichnen, man könnte sagen: ein Fernfühlen, Fernwollen, Ferndenken, ein Afficirtwerden durch das Fühlen, Wollen, Denken eines
Anderen ohne die Möglichkeit eines materiellen
Vermittlers, ohne irgendein Verständigungsmittel
wie etwa die Sprache, Zeichengebung oder
Berührung;
Wollny 1890 Telepathie und Hypnotismus
(Titel);
1896 Naturwiss. Wochenschr. 11
Gedankenübertragung („Telepathie“);
Henne-am
Rhyn 1897 Kulturgesch. VII 440
Telepathie und
Geisterseherei;
Büchner 1898 Sterbelager 190
Telepathie oder Fernwirkung des Gedankens ohne
materielle Vermittlung;
Stimmen d. Zeit 76 (1909)
279f.
Wirklich wird heute viel von „Telepathie“
gesprochen. Aber nicht immer hat dieses Wort den
gleichen Sinn. Es gibt Männer, die einen unmittelbaren Verkehr von Seele zu Seele annehmen ...
Andere Vertreter der Telepathie nehmen bloß
Einflüsse an, die auf dem Umwege von Körper zu
Körper sich vollziehen;
ebd. 77 (1909) 13
Kurz das
ganze Gebiet der Gedankenübertragung oder sog.
Mentalsuggestion, des Hellsehens in der Hypnose
und außerhalb derselben, das ganze Gebiet der
Ankündigungen und zweiten Gesichte, all das
heißt zuweilen heute Telepathie ... Nach
Analogie der Kunstausdrücke Telegraphie, Telephonie usw. besagt er [der Ausdruck Telepathie]
... so viel als „in die Ferne“ oder vielmehr „aus
der Ferne leiden“, mit andern Worten Fernwirkung im passiven Sinne;
Wasielewski 1922 Telepathie und Hellsehen
(Titel);
Schmitz 1926 Dämon
335
Kann das Telepathie sein? ... Ich bin dankbar
weil Sie mich verstehen! ... Ja, ich kann wohl aus
Büchern lernen, aber keiner steht mir lebendig
gegenüber und gibt mir so wie Sie Wort für Wort
geboren aus seinem Munde;
ZfMenschenkunde
3 (1927/28) 239
Die ungeheuren Fortschritte, die
der Okkultismus in allen seinen Zweigen im Lauf
der letzten Jahre gemacht hat, geben davon ein
beredtes Zeugnis; die Probleme des Hypnotismus
und der Suggestion, der Telepathie und des Hellsehens, der Odlehre und der Materialisationsphänomene, der Wünschelrute und des siderischen
Pendels, der Physiognomik und Phrenologie, der
Graphologie und Chirologie;
ebd. IV 118
Große
physikalische Medien, die auf den Gebieten der
Telekinese und Teleplastik hervorragend sind,
pflegen nicht gleichzeitig ebenso bedeutende
Leistungen des psychologischen Mediumismus wie
Telepathie und Television aufzuweisen;
Friedell
1931 Kulturgesch. III 572
die nur noch von
unwissenden Gelehrten und zwangsläufigen Freidenkern ... angezweifelten Tatsachen der Para- oder Metapsychologie ... die Telepathie, die
Übertragung seelischer Zustände ohne Vermittlung
unserer sinnlichen Ausdrucksorgane; das Hellsehen, die Gabe, Erscheinungen auf weite Entfernungen zu erkennen ... die Psychoskopie ... die
Telekinese ... der Apport ... die Levitation ...
die Materialisationen und Spukphänomene;
Moser
1935 Okk. I 475
Die Anerkennung der Telepathie
war der erste Schritt ins Okkulte, die Anerkennung der Telästhesie in Form von Kryptoskopie
mit der sogenannten Sinnestransposition der
zweite;
Münch. N. N. 5. 8. 1938
Erweiterung des
seelischen Horizonts? Versuche des Hellsehens
(Überschr.) Wir wissen seit einigen Jahren aber
auch, daß die lebenden Seelen untereinander
gleichfalls ohne Inanspruchnahme der Sinnesorgane, miteinander in Verbindung treten können
... Ohne ein Wort verlauten zu lassen oder zu
schreiben, kann eine Person einer andern über
Meilen hinweg ihre Gedanken, ihren Willen mitteilen ... Diese durch zahlreiche Untersuchungen
erhärteten Tatsachen erscheinen uns heute ebenso
begreiflich, wenn auch nicht weniger geheimnisvoll als die Wunder des Radios. Dort wie hier
arbeiten aufeinander abgestimmte Sender und
Empfänger einander in die Hände. Das ist Telepathie;
Hellpach 1951 Sozialpsych. 15
Wirkungswege von Menschenseele zu Menschenseele (Überschr.) die Namen dafür sind sehr verschieden, man
spricht von „Telepathie“, „okkulten Vorgängen“,
„parapsychischen Vorgängen“;
Lange-Eichbaum
1956 Genie 66
Und Barolin spricht sogar von
einem sechsten, dem Inspirationssinn, wobei er als
eine Abart der Inspiration Hellsehen und Telepathie ansieht;
1958 Dies. Univ. VI 81
Man hat
versucht, die Telepathie als eine Art „Radio des
Gehirns“ zu erklären.