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⇱ Deutsches Fremdwörterbuch : "Teleskop"


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Deutsches Fremdwörterbuch
Teleskop
1. Aufl. Band 5 (Kirkness u. a. 1981)
N. (-(e)s; -e), früher vereinzelt auch M. und Pl. -ien, im späteren 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. gelehrtenlat. telescopium (Porta, Kepler 1613), ital. telescopio (Galilei 1611) (zurückgehend auf griech. τηλεσκόπος ‘weit schauend’, aus τῆλε ‘in der Ferne, weithin’, Etymon des Präfixoids Tele-, tele- in zahlreichen jüngeren, meist fachspr. in der Technik verwendeten Bildungen wie → Telegraph, → Telephon, → Television, telegen, Teleobjektiv ‘Objektiv für Fernaufnahmen’, Telemeter ‘Entfernungsmesser’ und → Telepathie, Telekinese, Telästhesie, und σκοπός ‘Beobachter, Aufseher; Kundschafter, Späher’, zu σκοπεῖν ‘aus der Ferne auf ein bestimmtes Ziel hinsehen; betrachten’; vgl. Mikro-, Spektroskop), anfangs häufig in der lat. (flekt.) Form; a in der Bed. ‘Fernrohr’ zur Bezeichnung eines optischen Geräts zur Beobachtung (weit) entfernter Gegenstände mit Hilfe ver­größernder Linsen und/oder Spiegel (Spiegelteleskop), bes. in der Astronomie zur Beobachtung der Sterne, in neuerer Zeit gelegentlich bildlich verwendet; daneben seit Ende 19. Jh. unter engl. Einfluß Teleskop- als Bestimmungswort in Zss. in der Bed. ‘(wie ein Teleskop mit ineinanderschiebbaren Teilen) ineinander-, ausein­anderschiebbar’ (Teleskopschiene, -prinzip). Dazu seit Mitte 18. Jh. die adj. Ableitung teleskopisch (vgl. älteres frz. télescopique, engl. telescopic) ‘zu einem Teleskop gehörig; sich des Teleskops bedienend’ und ‘mit dem Teleskop wahrgenommen; nur mit dem Teleskop wahrnehmbar’, gelegentlich bildlich verwendet; seit späterem 19. Jh. (gebucht 1871 bei Sanders) die seltene subst. Ableitung Teleskopie F. (-; ohne Pl.) ‘Vorgang, Kunst der Wahrnehmung weit entfernter Gegenstände (durch Benutzung eines Teleskops)'; gleichzeitig vereinzelt die unter Einfluß von gleichbed. engl. telescope aufgekommene verbale Ableitung teleskopieren ‘etwas auseinander-, ineinanderschieben; die Länge von etwas durch Aus­einander-, Ineinanderschieben seiner einzelnen Bestandteile verändern’, vor allem im technischen Bereich. b Seit späterem 19. Jh. (SANDERS 1871) nachgewiesen als zoologische Bezeichnung für einen Goldfisch mit hervorstehenden Augen (Tele­skopauge) und als astronomische Bezeichnung für ein Sternbild.

Belege

zu Teleskop a (29)
Hirsch 1662 Kirchers Musurgia 224
Was wir unserer Magia catoptrica, geheimen Perspectiv-Kunst wunderbarliches vorgestellt haben / als da wir die gestalten der allerfernesten Sachen mit Huͤlf der Telescopien gleichsam gegenwaͤrtig gestellt und sichtbar gemachet haben;
Lebenwaldt 1680 Teufels List II 52
Perspectiv, Telescopia, Tubos, Optikos;
Scheuchzer 1711 Physica II 26
Die Luft ist in bestaͤndiger zitterung ... welches nicht gewahret wird durch Telescopia, oder Perspectiv vor die Gestirn;
Sturm 1717 Mathesis 40
Besonders gehören hieher Microscopia oder Vergrösserungs-Gläser, wie auch Telescopia oder Fern-Gläser ... Wer bißheriges wohl gefasset, wird die Ursach und Beschaffenheit derer Microscopiorum und Tele­scopiorum, warum sie so groß vorstellen ... verstehen ... Es kan aber in den Telescopiis nicht einfältiger gezeiget werden;
1738 Hamburg. Berichte 713
von den Spiegeln und Telescopiis;
ebd. 861
mit dem Telescopio;
1765 Allg. dtsch. Bibliothek I 1, 66
Das Wesentliche der Branderi­schen Vorrichtung besteht darinnen, daß das Teleskop längst dem Durchmesser eines verticalstehen­den halben Kreises befestigt ist, der sich durch eine Schraube in der Verticalfläche drehen läst, dadurch das Teleskop auf jede gegebne Höhe sehr scharf kann gestellt werden;
1769 D. Bibl. (Klotz) III 44
Hundert sehen durch das Teleskop, und entdecken neue Flecken im Mond;
1772 Frankf. gel. Anz. 17
Uns sollte es leid thun, wann im Jahr 2440 der Mensch noch Teleskope und Mikroskope nöthig haben sollte, um den Schöpfer zu lieben und zu bewundern, und wann er die Natur, die vor ihm liegt, mit eignen Augen nicht wohlfeiler, besser, und mehr sehen lernte;
Nicolai 1774 Noth. I 117
Doch hat mich die Erfahrung so viel gelehret, daß Brillen stärker abgehen, als Teleskopien, zumal in meinem Lande, wo viele Leute ein blödes Gesicht haben, und sich kein Mensch auf die Astronomie legt;
ders. 1779 Berlin 611
worunter eine große Kamera obscura, ein großes Newtonisches Teleskop, Mikroskope, Perspective von verschiedener Größe und mehreren Gläsern;
Götting. Magazin d. Wiss. 6 (1783) 639
newtonische Spiegelteleskope;
Goethe 1796 Br. a. d. Schweiz (19) 239
Wir blieben und reizten einander wechselweise, Städte, Berge und Gegenden, bald mit bloßem Auge, bald mit dem Teleskop, zu entdecken;
ders. 1799 Tagebücher (II 257)
Den Mond durch ein Auchisches Telescop betrachtet;
Herder 1802 Adrastea III (XXIII 523)
Die verschiedne Brechbarkeit der Lichtstralen bei dioptrischen Werkzeugen, und die daher entspringende Verwirrung der Gegenstände ... führte ... Newton ... zu dem Werkzeuge, das jetzt so berühmt geworden ist, zu seinem Spiegel-Teleskop oder Reflector ... Durch die succeßive Vervollkommnung dieser Instrumente, ist man gegen Ende des Jahrhunderts zu den Herschelschen Teleskopen gelangt, die sterblichen Augen nicht nur unzählige Sterne und Sonnen sondern, man darf sagen, das unermeßbare Weltall selbst spiegelnd darstellen;
Matthisson 1803 Paris (VI 55)
Sehr deutlich sahe ich durch das Teleskop, mit welcher Präcision und Schnelligkeit der vier Stunden weit entfernte nächste Telegraph die Figuren des hiesigen wiederholte;
Schopenhauer 1803–04 Reisetagebücher 58
Er [Herschel] zeigte uns seine Teleskope, die von ungeheuerer Größe, und auf proportionirten, das ist häuserhohen, Gerüsten, in seinem Garten aufgestellt sind;
Schiller vor 1805 (XVIII 29)
Einen Trabanten des Jupiter auszuspähen, den der Teleskop dem Astronomen entdeckt (KEHREIN);
Ratschky 1805 Neuere Ged. 79
Der Pflastertreter bunter Klub Mög’ auf dem Graben stehen, Und lüstern mit dem Teleskop Nach feilen Dirnen sehen;
Jacobi 1815 (II 27)
Was das bewaffnete Auge durchs Teleskop (etwa am Monde) oder durchs Mikroskop (an Infusionsthierchen) entdeckt;
1823 Eidora 81
mit einem zwanzigfüssigen Herschel-Teleskop;
Fontane 1854 Sommer (II, IV 20)
Ob die Statue gut ist oder schlecht, mag ein Anderer entscheiden als ich; auf eine Entfernung von 170 Fuß bescheidet sich mein Auge jeder Kritik und überläßt es den Teleskopen, Nachforschungen anzustellen;
Schollmeyer 1896 Licht 60
Teleskop oder Fernrohr;
Keyserling 1906 Gefüge 11
Das Mikroskop ... wandelt sich ... zum Teleskope;
Friedell 1931 Kulturgesch. III 490
Man erkennt ihren [der großen Dramatiker] wahren Wert darin, daß sie die stärksten, schärfsten und reinsten Spiegel ihrer Zeit waren, eine Art Riesenteleskope, durch die man in die Vergangenheit blicken kann;
Wolfskehl 1940 Jahre 62
Es ist, als hab er [Nostradamus] mit einem Zeit-Teleskop in die Ferne geschaut, Umrissenes, ja einzelne Punkte aufgefasst, festgehalten, registriert;
Rosenstock-Huessy 1955 Mensch (Übers.) 92
Das Teleskop der Jahrhunderte und das Mikroskop der Stunden und Sekunden bilden Extreme;
Offenburger Tagebl. 14. 8. 1971
3,5-m-Spiegelteleskop in Auftrag ... Es ist so leistungsfähig, daß man damit ... „bis zum Anfang unserer Welt schauen“ könnte;
Rhein-Neckar-Ztg. 5. 3. 1979
Ein Teil der Oberfläche des Planeten Jupiter ... aufgenommen von der US-Raumsonde Voyager I. Nie wurden bisher, auch nicht mit den besten Teleskopen, solche Bilder von der berauschenden Struktur dieses Himmelskörpers gemacht.
zu Teleskop- (1)
Jahrbücher f. dtsch. Armee 109 (1898) 345
Man nennt diese Konstruktion Teleskop- oder Stauchlaffete. Die Laffetenwände sind durch zwei ineinandergesteckte Röhren ersetzt, von denen die vorderen beim Rücklauf über die hinteren hinweggleiten.
zu teleskopieren (1)
Schlagintweit 1882 amerikan. Eisenbahneinrichtungen 53
teleskopieren.
zu teleskopisch (5)
Bodmer 1752 Noah 79
durch optische Parallaxen wußt er aus Luftcrystall telescopische Gläser zu schleifen, Welche die kleinsten Thiere der Schöpfung in Riesen verwandeln;
Heine 1827 Nordsee III 105
es ist mir dann auch, als seien meine Augen so teleskopisch scharf gewesen, daß ich die Sterne in Lebensgröße am Himmel wandeln gesehen;
Goethe 1827–42 (W. LIV 45)
Den Werth seiner teleskopischen Erfindung (KEHREIN);
Humboldt 1845–50 Kosmos I 86
Die Erfindung des teleskopischen Sehens (KEHREIN);
Dtsch. Rundschau 2 (1875) 327
auch dem nicht in die diplomatischen Geheimnisse Eingeweihten einen Begriff von dem Unterschiede zu geben, welcher zwischen der mikroskopischen Beobachtung des Gesandten in fremden Regierungs­centren und jener teleskopischen Beobachtung besteht, welche der Leiter der auswärtigen Politik im Mittelpunkte des heimischen politischen Lebens durchzuführen hat.
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