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⇱ Deutsches Fremdwörterbuch : "Temperatur"


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Deutsches Fremdwörterbuch
Temperatur
1. Aufl. Band 5 (Kirkness u. a. 1981)
F. (-; -en), im 15. Jh. vereinzelt, seit früherem 16. Jh. kontinuierlich nachgewiesene Entlehnung aus lat. temperatura ‘gehörige Mischung, Beschaffenheit’ (zu temperare, → temperieren); 1a anfangs in der Bed. ‘(gehörige) Mischung, Vermischung; Mäßigung, Milderung’ (vgl. → Temperament a), vereinzelt auch auf das menschliche Gemüt bezogen (vgl. → Temperament b); b von daher seit früherem 16. Jh. zunehmend präzisiert auf die heute zentrale Bed. ‘(in Graden meßbarer) Wärmezustand; Maß für Wärme oder Kälte ihrem Grad nach’ von Gasen, bes. Luft, Flüssigkeiten, festen Körpern, auch bildlich verwendet; in der Medizin, ohne Pl., auch für ‘erhöhter Wärmezustand eines Körpers, leichtes Fieber’, bes. im Syntagma (erhöhte) Temperatur haben; häufig als Grund- und Bestimmungswort in Zss. wie Außen-, Zimmer-, Boden-, Tages(-höchst-)-, Körpertemperatur; temperaturbeständig; Temperaturschwankung, -sturz und Temperaturskala ‘nach Celsius/Fahrenheit festgelegtes System von Maßeinheiten für Luft-, Wassertemperatur’ und in Syntagmen wie die Temperatur messen, regeln, steigende, fallende Temperatur(-en).
2 Seit späterem 18. Jh. fachspr. in der Musik nachgewiesen für ‘Einteilung der Oktave in zwölf gleichgroße Halbtöne; temperierte Stimmung’, → temperieren 2.

Belege

zu Temperatur 1a (5)
nach 1450 Magister Bartholomei Practica 224
die temperatûr darein giessen (LEXER);
Scheidt 1551 Grob. 1778
wann man vil weins zusamen thut, so macht nur einr den andern gut und gwint ein recht temperatur (DWB);
Lavater 1775 Phys. II 8, 73
eine gleiche temperatur von empfänglichkeit und würksamkeit, von leidsamkeit und wiederstand (DWB);
Schiller 1822–26 (S. W. XVIII 30)
Eben so kann die Anspannung einzelner Geisteskräfte zwar außerordentliche, aber nur die gleichförmige Temperatur derselben glückliche und vollkommene Menschen erzeugen (KEHREIN);
Matthisson 1825 Schr. V 5
die temperatur seines gemüths war ... vollkommen gleichförmig (DWB).
zu Temperatur 1b (33)
Paracelsus 1536 Wundartzney o. S.
So die wunden durch raynigung haylen / vnd halten die wunden sauber / vnd inn jrer tempe­raturi;
Pictorius 1560 Badenfartbüchlein 39a
Wenn die bäder in rechtes mittelmessiger temperatur sind;
Bapst 1596 Arzneibuch L 5a
als er die Lufft von dem Katzen-Athem an sich gezogen / ward ihm die temperatur ... daß er anfing zu schwitzen;
ebd. 92a
Alldieweil sie die flatulantische / und vergiffte feuchtigkeit verzeret / und bringet den Menschlichen Körper wiederumb zu einer warmen und truknen temperatur;
Görres 1836–42 Mystik II 519
Bedeutend hohe Temperaturen vermögen das thierische Leben nicht zu stören (KEHREIN);
Humboldt 1845–50 Kosmos I 27
Über die Beständigkeit der Temperatur heißer Mineralquellen, wie über die Temperaturverschie­denheit artesischer Brunnen (KEHREIN);
ebd. I 336
auf höhen ... wo die mittlere temperatur auf 7° herabsinkt (DWB);
Liebig 1851 Chem. Br. 113
bei gewöhnlicher Lufttemperatur;
Valentin 1855 Physiologie 462
Temperatureinflüsse;
ebd. 681
Temperaturempfindungen;
1865 SB München I 226
Temperaturstationen ... von Hochasien;
1888 Wien I 45
als mit dem herannahenden Sommer die politische Temperatur immer heisser und schwüler wurde;
Fontane 1898 Zwanzig 305
Die Wärme, der Heyse bei seinem Eintritt [in den Tunnel] begegnet war, hatte sich einigermassen verloren und einer kühleren Temperatur Platz gemacht;
Ostwald 1910 Forderung 31
Wärme­energie, die man die Temperatur nannte;
Haeckel 1913 LW. 344
Wärmeempfindung (Temperatur­sinn);
1913 Jahr 1913 325
Gastemperatur;
Voss. Ztg. 11. 1. 1931
Durch einen sogenannten „Tem­peraturbegrenzer“, den alle für den Handel zugelassenen Heizkissen aufweisen, wird Ueber­hitzung für eine bestimmte Höchsttemperatur hinaus automatisch vermieden, so daß die Temperatur des Kissens auch bei längerem Gebrauch diese Maximalgrenze nicht überschreiten kann;
Lokal-Anz. 21. 1. 1933
ist mit einem neuen, beträchtlichen Temperaturrückgang zu rechnen;
ebd. 11. 2. 1933
mittags um 12 war allerdings eine Temperatursteigerung auf 2 Grad Wärme zu verzeichnen;
Berl. Illustr. Nachtausg. 15. 5. 1933
daß die (heute nicht gerade warmen) Wagen mit automatischer Temperaturregelung ausgerüstet sind;
Steglitzer Anz. 10. 7. 1933
Mit dem erhofften schönen Vollmondabend, der nach einer Tages­höchsttemperatur von 31 Grad im Schatten die ersehnte Kühlung bringen sollte, war es nichts;
Lokal-Anz. 4. 5. 1934
schon am 13. Mai in Berlin eine Schattentemperatur von 32 Grad;
ebd. 15. 8. 1934
Höchste Tagestemperaturen zwischen 20 und 25 Grad;
Geopolitik 12 (1935) 40
Tieftem­peraturverkokung;
Münch. N. N. 7./8. 8. 1943
Völkische Untertemperatur;
Süddtsch. Ztg. 13. 12. 1950
die ohnehin erhitzten Angelegenheiten, totgeschwiegen oder heißgeredet, erreichen nie die Temperatur, bei der man „ruhig darüber sprechen“ kann;
Süddtsch. Ztg. 26. 5. 1952
[als die] ungewöhnliche Hitze vom heiß ersehnten Regen abgelöst wurde, begann sich auch die Aufregung um Triest zu legen. Ein politischer Temperatursturz trat ein;
ebd. 30. 1. 1954
Ein großer französischer Verbraucherkreis hat der französischen Industrie seine Wünsche hinsichtlich eines normalen „Tem­peraturstandards“ in Wohnungen bekanntgegeben;
Fränkel 1964 Deutschland 127
Die in der Partei vorherrschende „Temperatur“ ist zum erheblichen Umfang die „Temperatur“ der Wählerschaft;
Stuttgarter Ztg. 11. 1. 1967
Hier wie im Schwarzwald machte sich die im Winter oft zu beobachtende sogenannte Temperaturumkehr bemerkbar, die bedeutet, daß in Gipfellagen der Frost geringer ist als in Tallagen;
ebd. 1. 7. 1969
Angaben über den genauen Temperaturgrad, bei dem die Munition explodiert – die sogenannte „Verpuffungstemperatur“ – lehnte Domröse aus Gründen der Geheimhaltung ab;
1971 Durch die schöne Welt H. 10
entsprechend der Wettervorhersage „temperaturgeführte“ Computer oder Satel­litenteile;
FAZ 19. 4. 1971
Aber die politische Temperatur wird mit Moskaus Hilfe ständig gesteigert.
zu Temperatur 2 (7)
Sulzer 1775 Theorie II 760
Dieses veranlaßte also die Tonsetzer eine Temperatur zu suchen, die das Spielen auf zwoͤlf Haupttoͤnen, so wol in Dur, als in Moll moͤglich machte ... Gar viel Tonsetzer erklaͤrten sich fuͤr die sogenannte gleich schwebende Temperatur ... sie besteht darin, daß die Oktave, als C-c in zwoͤlf voͤllig gleiche Intervalle getheilt werde;
Nicolai 1790 Anekdoten H. VI 150
Der bewegliche Flötenkopf, die doppelte Klappe, die genauer abgemessene Temperatur durch eigene Bohrung der Löcher ... die tiefe Stimmung;
Heinse 1794 v. Hohenthal (5) 51
pries das ganze Instrument sehr ... rühmte den Ton und die Gleichheit ... Er meinte [jedoch] es sollte in der gleichschwebenden Temperatur gestimmt sein;
Goethe 1827–42 (W. L 76)
Vergleichung mit den natürlich immer fortschreitenden Tönen und der in die Octaven eingeengten gleichschwebenden Temperatur (KEHREIN);
Heinse 1857 Hildeg. 44
er meinte, es [das Klavier] sollte in der gleichschwebenden temperatur gestimmt sein;
ebd. 48
die gleichschwebende temperatur gefällt, weil sie einige stolze, hoch daherfahrende, grelle grosze terzen, einige schlaffe quinten und unglückliche kleine terzen nicht hat, und alles bei ihr galant und gewandt ist. dafür fehlt ihr aber auch die vollkommene schönheit und der mannigfaltige ausdruck;
ebd. 49
die andern arten von tempera­turen unterscheiden sich, nachdem man mehr oder weniger vollkommen reine grosze und kleine terzen erhält, und nach den accorden, in welche man sie bringt (alle DWB).
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