VOOZH about

URL: https://www.waz.de/politik/article411340084/iran-chamenei-krieg-israel-oberster-fuehrer-tot-usa-trump.html

⇱ Iran: Chamenei ist tot – so liefen seine letzten Stunden ab


Funke Mediengruppe
Angriff auf Residenz

Ajatollah Chamenei: So liefen seine letzten Stunden ab

Teheran. Ali Chamenei wollte Israel vernichten und die Opposition durch Polizeiknüppel zum Schweigen bringen. Doch was geschah kurz vor seinem Tod?
Von Michael Backfisch, Freier Journalist
Ali Chamenei: Vom Revolutionär zum Hardliner

weitere Videos

Für Ali Chamenei war es vielleicht einfach nur „Maktub“, Schicksal. Das arabische Wort bedeutet „es ist geschrieben“ und reflektiert die Idee der Vorherbestimmung, die tief im Islam verwurzelt ist. Die letzten Stunden des Obersten Führers der Islamischen Republik müssen einsam gewesen sein. Möglicherweise erwartete der Mann, der am 19. April 87 Jahre alt geworden wäre, sogar sein Ende. Ein Tod als „Märtyrer“ im Kampf gegen den „großen Satan“ USA und den Erzfeind Israel ist nach seinem schiitischen Glauben eine Adelung.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen hatte der Oberste Führer jedenfalls nicht ergriffen. „Ali Chamenei war unter der Erde, aber wahrscheinlich nicht in seinem eigenen Bunker“, sagte der bekannte israelische Journalist Amit Segal dem israelischen Sender Channel 12. Die israelische Luftwaffe warf am frühen Samstagmorgen 30 Bomben auf die Residenz des Ajatollahs im Herzen Teherans. Bei dem Angriff wurden auch die Tochter, der Schwiegersohn und die Enkelin Chameneis getötet. Laut israelischen Regierungsvertretern wurde der Leichnam des Ajatollahs aus den Trümmern gezogen. Zunächst bekam Israels Premier Benjamin Netanjahu ein Foto zu sehen, danach US-Präsident Donald Trump.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

CIA spioniert Chamenei aus und liefert Angriffszeitpunkt für Israel

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat laut einem Bericht der „New York Times“ eine wichtige Rolle vor dem Angriff gespielt. Die US-Zeitung schrieb, die CIA habe Chamenei über Monate verfolgt und dabei Kenntnisse über seine Aufenthaltsorte und Gewohnheiten erlangt. Der Dienst soll erfahren haben, dass am Samstagmorgen in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans ein Treffen hochrangiger iranischer Offizieller stattfinden sollte und sich Chamenei dort aufhalten würde. Daraufhin sollen die USA und Israel den Zeitpunkt ihrer Attacken auf den Iran angepasst haben. Ursprünglich sei geplant gewesen, nachts anzugreifen.

Zerstörte Chamenei-Residenz in Teheran: Netanjahu bekam zuerst ein Bild zu sehen. © picture alliance / SIPA | IDF/GPO

Während des Zwölf-Tage-Krieges im Juni 2025 war Chamenei noch vorsichtiger. Seit Beginn der israelischen Attacken auf den Iran hatte der Oberste Führer Irans sich und seine Familie in einer unterirdischen Bunkeranlage nordöstlich von Teheran versteckt. Dort hatte er bereits die beiden israelischen Angriffswellen im Jahr zuvor überstanden.

Auch interessant

40-tägige Staatstrauer im Iran anberaumt

Ein Moderator im iranischen Staatsfernsehen verkündete die Nachricht vom Tod Chameneis am Sonntag um 5 Uhr Ortszeit mit brüchiger Stimme. Dabei wurden Archivaufnahmen Chameneis gezeigt, die als Zeichen der Trauer mit einem schwarzen Band versehen waren. Es wurde eine 40-tägige Staatstrauer ausgerufen.

Als erste Gerüchte über Chameneis Tod kursierten, brachen in Teheran lautstarke Jubelfeiern aus. Menschen riefen die Parole „Tod dem Diktator“ von den Dächern – wie bereits bei den landesweiten Demonstrationen Anfang Januar. Weltweit feierten Exiliraner die Tötung des Ajatollahs, auch in Deutschland. Einzelne schwenkten israelische Flaggen und skandierten „Danke, Trump“.

Lesen Sie auch: Revolutionsgarden im Iran: Wer hinter der Terror-Truppe der Mullahs steckt

Chamenei setzte auf antiisraelische Achse und Aufrüstung von Milizen

Chamenei war der Chefarchitekt von Irans Politik der eisernen Faust. Er hatte mehr als drei Jahrzehnte die Härte des Mullah-Regimes nach innen und außen gepredigt. Sein großes strategisches Ziel: Er wollte den schiitischen Iran zur führenden Regionalmacht im Nahen Osten aufbauen. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien, dem er eine zu große Nähe zum Erzfeind Amerika vorwarf, sollte zurückgedrängt werden.

Der 86-Jährige verbreitete immer wieder das Propaganda-Narrativ, die Islamische Republik sei der wahre Anwalt der Palästinenser im Kampf gegen Israel. Deshalb rüstete Teheran die Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Miliz im Libanon und weitere schiitische Gruppierungen im Irak und Syrien sowie die Huthis im Jemen auf. Eine „Achse des Widerstandes“ sollte Israel in die Knie zwingen und die Truppen von dessen wichtigstem Verbündeten USA aus der Region verjagen. Seine antiisraelischen Hassreden lassen sich kaum zählen. Immer wieder bezeichnete er den jüdischen Staat als „Krebsgeschwür“. Den Holocaust leugnete er und sprach vom „Märchen von der Ermordung der Juden“.

1981 überlebte Chamenei ein Attentat

Das Nuklearprogramm Irans ließ Chamenei Zug um Zug ausbauen. Bis zum Zwölf-Tage-Krieg im Juni 2025 verfügte das Land über mehr als 400 Kilogramm von bis zu 60 Prozent angereichertem Uran. In der Innenpolitik entpuppte sich Chamenei immer mehr als Hardliner.  Bei den landesweiten Demonstrationen Anfang Januar gingen die Sicherheitskräfte ebenfalls mit brutaler Gewalt vor. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden mehr als 30.000 Menschen getötet.

Nach der Rückkehr von Ajatollah Ruholla Chomeinis aus dem Pariser Exil und der Islamischen Revolution 1979 gelang es Chamenei, innerhalb der Mullah-Regierung rasch aufzusteigen. Am 23. Juni 1981 wurde ein Attentat auf Chamenei verübt. Eine Bombe, die in einem Tonbandgerät versteckt war, detonierte in einer Moschee. Chamenei kann seit diesem Anschlag seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Im Oktober 1981 wurde er zum Staatspräsidenten, nach dem Tod Chomeinis 1989 zum Obersten Führer gewählt.

Auch interessant

Chameneis großes Projekt, Israel mit seiner „Achse des Widerstandes“ niederzuringen, scheiterte. Die Hamas richtete am 7. Oktober 2023 ein brutales Massaker in Israel an. Einen Tag später begann die Hisbollah, Nordisrael zu bombardieren. Die schiitische Miliz war vom Mullah-Regime hochgerüstet worden, um Israel vor einem Angriff auf den Iran abzuschrecken. Diesen strategischen Plan machte das israelische Militär zunichte, indem es die Hamas und die Hisbollah stark dezimierte und Generäle der iranischen Revolutionsgarden tötete. Mit Chameneis Tod geht das Mullah-Regime turbulenten Zeiten entgegen.

Mehr lesen über

Zur Startseite
Wir haben neue Nachrichten für Sie
Zur Startseite

Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen